sich zu . » Wo ist das Fräulein ? « Ganz heiser war er vor Wut . Die grossen runden Augen quollen ihm förmlich aus dem Kopf . Das Mädchen , eine dumme , gutmütige Person , blieb ganz arglos . » So viel ich weiss , ist das Fräulein schon beim Auskleiden . « Er stürzte an ihr vorbei auf Lenas Schlafzimmer zu . Da erst sah ihm das Mädchen mit grossen , angsterfüllten Augen nach . Auch sie glaubte nichts anderes , als dass der Herr plötzlich den Verstand verloren habe . Als Bornstein die Thür erreicht hatte , wurde sie auch schon von Innen geöffnet . Lena trat auf die Schwelle in einem scheinbar rasch übergeworfenen , losen weissen Morgengewand , das prachtvolle schwarze Haar aufgelöst im Nacken . Sie zog die Thür rasch wieder hinter sich zu , lehnte sich mit dem Rücken dagegen und sagte mehr erstaunt als geärgert : » Was soll denn der Lärm bedeuten ? Wo kommen Sie plötzlich her , Bornstein ? « Ihre Ruhe empörte ihn noch mehr . Dabei war sie so verführerisch schön in ihrem nachlässig übergeworfenen Anzug , der ihre ganze blühende Jugend ahnen liess , dass er den letzten Rest von Fassung verlor . War er der Narr dazu , einem anderen zu gönnen , was er selber nie besessen hatte ! Er packte Lena beim Arm und versuchte sie von der Thür zurückzureissen . » Mach ' Platz « , schrie er , weiss vor Wut . Als sie sich nicht rührte , stiess er sie bei Seite und streckte die Hand nach der Thürklinke aus . Aber sie war schneller als er . Mit einer raschen Bewegung drehte sie den Schlüssel im Schloss um , zog ihn ab und liess ihn in ihre Tasche gleiten . » Wirst Du gleich öffnen « , knirschte er . Sie sah ihn von oben bis unten mit einem grenzenlos verächtlichen Blick an . » Hab ' ich Ihnen je mein Schlafzimmer geöffnet ? Wie soll ich heute dazu kommen ? « » Mir nicht , aber einem andern « , schrie er bebend vor eifersüchtiger Wut . » Mach ' auf , oder ich schlage Dich tot ! « Sie zog den Schlüssel aus der Tasche und steckte ihn selbst ins Schloss . » Bitte « , sagte sie ruhig . Er sah sie verblüfft an . Einen Augenblick schwankte er , ob er von seinem Verlangen zurücktreten sollte , dann drehte er den Schlüssel im Schloss und öffnete die Thür . Pah ! Diese geheuchelte Ruhe war nichts als eine Finte , ihn auf andere Fährte zu locken . Aber er war nicht so dumm , darauf hereinzufallen . Ohne Zweifel hielt sie den Elenden in ihrem Schlafzimmer versteckt . Gnade ihm und ihr ! Er stürzte hinein , besinnungslos mit vorgestrecktem Kopf wie ein Hund , der einem Wild auf den Fersen ist . Mit untergeschlagenen Armen stand sie überlegen lächelnd dabei . Innerlich frohlockte sie , dass es so gekommen war . Dies war Freiheit , war Erlösung . Er durchstöberte jede Ecke , jeden Winkel , der einen Versteck hätte bieten können . Nur an ihr unberührtes Lager wagte er sich nicht heran . Nichts , nirgends auch nur eine Spur . Sie wartete ruhig , bis er fertig sein würde . Sie regte sich nicht und sprach kein Wort . Nur der Spott um ihren Mund sprach eine beredte Sprache . In demütiger , gebeugter Haltung kam er zu ihr zurück . Er kroch mehr , als er ging . » Verzeih ' mir , Lena , Kurt hat mich rasend gemacht - er sagte - er glaubte - « Er hob den Blick zu ihr auf , aber ihre ihm begegnenden Augen sahen ihn so verächtlich an , dass die Rede ihm stockte . Er verbeugte sich und schritt stumm über die Schwelle . Als er aus dem Zimmer war , rief sie ihn noch einmal an : » Wir sind nach diesem wohl fertig mit einander , das werden Sie selbst einsehen . « Er wollte etwas sagen , aber sie unterbrach ihn rasch . » Bedanken Sie sich bei Ihrem Freunde dafür , nicht bei mir . Und nun , gute Nacht , ich bin müde . « Sie zog die Thür nachlässig ins Schloss . Er hörte noch , wie sie den Riegel vorschob . Wie ein geprügelter Hund schlich er davon . Erst draussen machte er seinen Gefühlen Luft . Ohne auf die Menschen zu achten , die in dichten Scharen die Potsdamer Strasse belebten , hob er die Faust auf und schrie laut : » Warte Kurt , den Freundschaftsdienst sollst Du mir büssen ! « Lena entkleidete sich sehr langsam , nachdem sie die Ordnung in ihrem Zimmer wieder hergestellt hatte . Ein befriedigtes Lächeln umspielte ihren vollen Mund . Als sie im Bett lag , nahm sie einen zusammengelegten , beschriebenen Zettel von ihrem Nachttisch . Es war ein Gruss von Franz . Er hatte ihn als Antwort auf den Brief geschickt , in dem sie ihre Verabredung von heut auf morgen verlegt hatte . Diese Veränderung , von einer Laune diktiert , war ihr zum Schicksal geworden . Der Würfel war gefallen und , wie es schien , wieder einmal zu ihren Gunsten . Seit sie Franz wiedergesehen , hatte sie nach einem Bruch mit Bornstein gelechzt . Behaglich streckte sie sich in ihren weichen Kissen aus . Ein langweilig gewordenes Buch war bei Seite geworfen , ein neues aufgeschlagen worden . Würde es auf die Dauer fesselnder sein ? Bornsteins Versuche , Lena wiederzusehen , waren sämtlich fehlgeschlagen . Uneröffnet kamen seine Briefe zurück . Er raste , aber es half ihm nichts . Sie blieb unerbittlich . Eine Woche , nachdem er den Eintritt zu Lenas Schlafzimmer erzwungen hatte , wurde ihm durch einen Bankboten das Lena vorgestreckte Kapital samt den noch fälligen Zinsen überbracht . Die Abrechnung stimmte auf den