müssen : daß du auf deinem Geschäftsbetrieb auf den ererbten Titel verzichtest und dich mit dem Doktor begnügst . « » Mein Beruf bringt es mit sich , daß ich Vertrauen verlangen muß . Und da ist es nicht meine Schuld , wenn der Titel , der mir in die Wiege fiel , eher ein Hindernis für mich bedeutete und Anlaß zu einem Mißtrauen wurde , gegen das ich schwer zu kämpfen hatte . « » Oho ! « murrte Graf Egge . » Soll das ein Hieb auf den Adel sein ? « » Durchaus nicht , Papa ! Wenn ich auch den Grafen nicht auf meine Tür schreibe , so schlag ich meinen Adel doch höher an als mancher andere , der die Krone auf jede Zigarettendose und auf den Knopf jeder Reitpeitsche gravieren läßt und der Meinung ist , daß er damit alle Verpflichtungen genügt hätte , die seine Geburt ihm auferlegt . « » Bertl , das geht auf dich ! « stichelte Graf Egge . » Nein , Papa ! « fiel Tassilo ein , ehe Robert antworten konnte . » Nur gegen deinen Einwurf wollte ich mich verteidigen . Ich bin stolz auf meinen Adel . Aber man kann nicht Vorrechte beanspruchen , ohne nicht auch seine Pflichten um so höher zu fassen . Adelige Herkunft stellt uns auf einen exponierten Posten , zu dem Hunderte von Augen leichter den Weg finden , als zu jedem Beliebigen , der recht oder schlecht die Aufgabe seines Lebens zu erfüllen sucht . Was wir Tüchtiges leisten , wird dem einzelnen von uns nur als etwas Selbstverständliches angerechnet . Wir beanspruchen ja , die Auserwählten zu sein . Drum wird jede Ausschreitung und Mißartung hundertfach gesehen und sofort als typisch für uns alle bezeichnet . Mit Unrecht . Aber es ist nun einmal so , und darin liegt für uns eine doppelte Verpflichtung . « » Großartig ! « lachte Robert . » In einer Volksversammlung würdest du dich mit solchen Tiraden populär machen . Aber in Papas Jagdhütte ? « Er sah zu seinem Vater auf , der den Pfeifenrauch in dicken Wolken vor sich hinpaffte . » Ich hoffe , Papa , du amüsierst dich ! Er sagte bereits : Verpflichtung . Jetzt wird er gleich mit dem abgedroschenen Noblesse oblige ! herausrücken . « Graf Egge schwieg . » Ja , Robert , das Wort ist alt geworden ! Hätten wir es jung erhalten , so genösse der Adel jene Achtung , die ich ihm von Herzen wünsche , auch heute noch . Nicht nur bei unseren Bedienten . Und dann wäre mir auch die Erfahrung erspart geblieben , daß jeder von uns , den es zu ernster Arbeit treibt , einem nur schwer zu überwindenden Zweifel an seinen Fähigkeiten und seinem redlichen Willen begegnet , gerade weil er von Adel ist . Aber du hast recht , das ist kein Thema für die Jagdhütte . Und Papa wird müde sein . Es ist Zeit , daß wir ein Ende machen . Gute Nacht , Papa ! « Graf Egge blies eine Wolke vor sich hin und nickte schweigend . Als Tassilo die Stube verlassen hatte , schob Robert sich hinter dem Tisch hervor . » Ein netter Herr ! Was sagst du , Papa ? « Graf Egge machte die Augen klein und strich mit der Pfeifenspitze über den weißen Schnurrbart . » Ich sage : Du sei still ! Wenn es auf einen paßt , was er sagte , so paßt es auf dich ! Die Hoffnung , daß aus ihm noch ein Jäger wird , geb ' ich auf . Aber lieber sitzt er mir hinter dem Schreibtisch als hinter dem verfluchten Möbel , an dem du auf meine Kosten die Nächte verbringst . Leg ' dich schlafen ! « Graf Egge pfiff durch die Finger . Während er an der Ofenkante die Pfeife ausklopfte , kam Schipper zur Tür hereingeschossen . » Mach die Fenster auf , daß der Zigarettengestank hinauskann , und richte mir das Bett ! « Wortlos ging Robert aus der Stube und kletterte über die Leiter auf den Heuboden , wobei er die » Scheußlichkeit « des ihm zugewiesenen Quartiers mit einem kräftigen Reiterfluch bedachte . Für jeden der Brüder hatte Franzl ein Leintuch über das Heu gebreitet und eine wollene Decke zurechtgelegt . Die Kerze , die hinter den trüben Gläsern einer Laterne brannte , erleuchtete mit ihrem matten Schimmer den niederen Raum und das von Spinnweben überzogene Sparrenwerk des Daches . Tassilo hatte sich schon zur Ruhe gelegt . Auch Franzl war schon ins Heu gekrochen , ohne bei dem heimlichen Nachtmahl mitzuhalten . Während Schipper in der Herrenstube Graf Egges Bein frottierte , taten Robert und Willy sich auf dem Heuboden an Niersteiner und Pschorrbräu gütlich und vertilgten den Inhalt einer Konservenbüchse . 16 Früh am Morgen hatte Forbeck sich erhoben , um vor seinem Gang nach Hubertus noch einige Stunden für die Arbeit zu gewinnen . Er öffnete das Fenster und rückte die Leinwand in das beste Licht . Er nahm auch die Palette . Doch als er vor das Bild trat und den Blick auf die leuchtende Mädchengestalt heftete , die vor ihm zu leben schien , umschimmert von einem letzten Sonnenstrahl , den das ausbrechende Unwetter schon zu ersticken droht - da schien er seine Arbeit wieder zu vergessen . Er hörte nicht , daß Mali die Stube betrat , um das Frühstück zu bringen . Erst als die Tasse klirrte , erwachte er und nickte zerstreut einen Gruß , den Mali nicht erwiderte . In Hast verließ sie die Stube . Forbeck hüllte die Leinwand in ein weißes Tuch , legte den Malkasten auf den Tisch und machte sich zum Ausgang fertig , ohne das Frühstück zu berühren . Im Flur begegnete ihm Mali mit dem kleinen Netterl auf den Armen . » Wenn jemand von Schloß Hubertus kommt , um meine Geräte zu holen , « sagte er