, der dies Vergnügen so gar nicht liebte , sich auschloß . Trotzdem schickte sie einen reitenden Boten zum Arzt . Die drei Jäger fanden den Wald wie eine ungeheure , auf die Erde gelagerte weißgraue Wolke mit schwarzen , senkrechten Streifen durchschossen . Das weißbereifte Gewipfel hob sich kaum von dem Nebeldunst ab . Das welke Laub am Boden war an der Oberfläche von leichtem Frost gekraust , wenn der schreitende Fuß in diesen Winterteppich hineinstieß , zeigte sich das braune Blattwerk von Nässe schwer . Der Atem dampfte vor den Lippen der Männer und bereifte ihre Bärte . Lanzenau hatte die Hände in seinem Jagdmuff eng zusammengefaltet und ging steifbeiniger denn je ; ihn fror entsetzlich , auch konnte er dem raschen Schritt des Grafen kaum folgen . Ihn ärgerte die lustige Jagdgeschichte , die Taiß erzählte ; alles in der Welt erschien ihm unbedeutend und nebensächlich . Er dachte nur an eines , an das Schwert , das an einem Haar über Fannys Haupt hing . Joachim hörte wenigstens mit der Miene leidlichen Interesses zu , aber er sah düster und gedrückt drein . Endlich kamen sie an die Stelle , wo der Rehbock , auf den sie fahndeten , zu wechseln pflegte , und Joachim wies den beiden anderen ihre Stände an . Lanzenau stand an dem Stamm einer riesigen Buche . Rings umgab ihn das dichte Unterholz , aus dem er mit halbem Leibe ragte . Die feierliche Stille und das weiße Licht im bereiften Wald legten sich wie eine Beklemmung um seine Brust , auch blendete ihn die stechende , helle Luft , die hell ohne Klarheit war . In sein Gehirn kam jene seltsame Gedankenlosigkeit , die einen befallen kann , wenn lange Zeit eine schreckliche Idee über Verstand und Gemüt herrschte und beide bis zur Unfähigkeit der Empfindung betäubte . Mitten hinein in diese Minuten des bloß mechanischen Daseins fiel ihm eine Erinnerung - ein Wort nur - er wußte nicht , woher es ihm kam . » Ein Stoß , und er verstummt . « Es gehörte auch Musik zu den Worten - er hörte sie deutlich singen . Frost lief ihm über den Rücken hinunter . » Ha , welch ein Augenblick ! « Richtig , das sang Pizarro in » Fidelio « . Er erinnerte sich , daß ihm jedesmal , wenn er diese Arie im Theater gehört hatte oder am Klavier vernahm , derselbe Frost den Rücken hinunter gelaufen war . Was für ein Unsinn , daß ihm hier und jetzt die dämonische Musik einfiel . Es knackte in den Zweigen . Er schrak zusammen und lauschte wieder auf das Wild . Dabei summte es in ihm : » Ein Stoß , und er verstummt ! « Unerträglich ! Wieder ein leises Krachen , wie vom leichten Tritt des grazilen Tieres auf dürrem Astwerk . Und da - das Graubraune dort - wie der Rücken eines lagernden Rehes . Er legte an und schoß . Der Rauch wölkte auf und verzog sich . Lanzenau ging , sich mühsam bahnbrechend durch verschränktes Gezweig auf die Stelle zu . Da lag , anstatt eines erlegten Wildes ein großer Feldstein . Lanzenau stieg das Blut ins Gesicht : was war das denn mit seinen Augen ? ! Und nun , vom Aerger , begann das Flimmern in der Luft vor ihm erst recht arg zu werden . Aber da - da wurde es laut . Es brach durchs Unterholz , nun sah er ' s gewiß und konnte den jammervollen , unglaublichen Schuß von eben auswetzen . Die Büchse an der Wange - die zitternde Hand am Hahn - es blitzt - das bläuliche Wölkchen flockt sich empor . Aber zugleich ein Schrei - kein Schrei aus dem Rachen eines verendenden Tieres , nicht dieser unsäglich wehvolle Laut , der sich dem sonst stummen Geschöpf als letzter Schrei der Lebensnot entringt - nein , ein Schrei wie aus einer Männerkehle . Lanzenau steht entgeistert - wankt - packt mit der Faust in das nächste Buschwerk . Er will hingehen , seine Füße heben sich nicht . Er will rufen , seine Lippen lallen . Da kommt es von der andern Seite . Taiß wird sichtbar , die hohe Gestalt nähert sich rasch unter den weißen Baumkronen . Lanzenau bebt , daß seine Zähne auf einander schlagen . » Er wird mir sagen , daß ich ihn erschoß ! « denkt er und sieht dem Grafen mit entsetzten Augen entgegen . Doch der hemmt plötzlich den eiligen Fuß , er bückt sich , er kniet nieder und ruft etwas Erschrecktes . Da bezwingt Lanzenau sich und schreitet hin mit eingeknickten Knieen , den Fuß bei jedem Tritt hoch aufhebend . Und nun steht er Taiß gegenüber , zwischen ihnen liegt Joachim am Boden . Taiß hebt den Blick und sieht Lanzenau an . Ihre Augen wurzeln fest und lange in einander . Wie einer Macht gehorchend , die ihn zwingt , murmelt Lanzenau : » Was Sie denken , ist nicht wahr ; der Schuß war ein unglücklicher Zufall . « Und dabei hört er es laut singen : » Ein Stoß , und er verstummt ! « Taiß wendet noch immer nicht den Blick . » Bei Ihrer Ehre ? « » Bei Gott und meiner Ehre - ja ! « An Joachims Schulter färbt sich die graue Joppe dunkel , man sieht , eine Flüssigkeit saugt sich im rauhen Wollstoff weiter und weiter . » Schnelle Hilfe thut not , « sagt Taiß , » ich eile ins Dorf , ein paar Leute zu holen . In zwanzig Minuten kann ich zurück sein . « So blieb Lanzenau allein mit dem Verwundeten . Er nahm seinen Jagdmuff , den er an einer Schnur um den Hals trug , und schob ihn vorsichtig unter den blonden Kopf . Dann stützte er sich auf seine Büchse und blickte stehend auf sein Opfer nieder . Dieselbe Gedankenlosigkeit von vorhin kam wieder mit ihrer