, und der Geldschrank , aus dem Papier- und Bargeld fast herausquoll . Von unten hörte man das Geblök der Rinder , das Getreibe des Geflügelhofes , das Pfnauchen der Maschinen , dann Raketenprasseln , Musik , jenen Hochzeitslärm , und plötzlich fand sie sich unter Tanzenden und Singenden und tanzte mit und sang . - - Darüber wachte sie auf . Es war alles ruhig . Doch nein , von der nächsten Ecke schallte es her , der Mann dort im Bette mochte wohl auf der Nase liegen , denn er verbrachte ein wundersames Geschnarche , und zu dieser Musik hatte sie im Schlafe zu singen versucht . Tief aufseufzend erhob sich Helene mit halbem Leibe , da machte der Schläfer eine Wendung , und das Geräusch verstummte . Sie lauschte , nach einer Weile erst vernahm sie seine ruhigen , regelmäßigen Atemzüge . Helles Mondlicht erfüllte den Raum der Stube , tiefschwarz lagen die Schatten der Fensterbalken wie gespenstige Grabkreuze breit über der Diele . Zwei , just zwei , lagen da . Helene klammerte sich an den Bettrand und beugte sich über denselben hinaus , so war es ihr möglich , die letzten Fenster des Sternsteinhofes zu erblicken ; ein schwaches Licht blickte von dorther , es leuchtete in der Krankenstube der Bäuerin . Wie lang wird ' s mit der währen ? Wenn sie auch jetzt wieder auf die Füß kommt , so schlimmer für sie , wenn wahr ist , was die Leut sagn , daß die Magd behauptet , es hätt es der Doktor gesagt . Der Bauer hat heißes Blut . Ließe sich eines darauf ein , ihn unsinnig zu machen und heimzu zu jagen , er ertrotzte dort sein Recht und - Tu ' s , flüsterte eine Stimme in ihrem Inneren . Davon ließe sich nichts austragen noch erweisen - Tu ' s , flüsterte es wieder , aber diesmal war es , als spräche es ganz nah von außen auf sie ein . Herr du , mein Jesus , was sind das für Gedanken ? ! Was will mir da an ? - Dummheiten ! - So sündhaft wie dumm ! - Blieb doch der andere - Der lebt auch nit ewig . » Lebt auch nit ewig « , murmelte sie , als wiederhole sie Worte , die ihr vorgesagt worden . Da besann sie sich plötzlich , daß sie gesprochen habe , nach niemand und nirgendhin , sie sah mit scheuen Blicken um sich , dann streckte sie sich rasch aus , zog die Decke über sich und schloß die Augen . Aber während sie den Kopf in das Kissen drückte , dachte sie trotzig : Unsinn ! Ewig lebt keiner , doch überlang mancher . Was gschäh dann ? Das findt sich ! flüsterte es in ihrem Inneren . Kalter Schweiß troff ihr aus allen Poren , dann schauerte sie wieder wie im Fieber zusammen . Das findt sich ! klang es ihr , wie von außen , unmittelbar an dem Ohre . In diesem Augenblicke tat der Mann drüben einen schweren Atemzug mit weit offenem Munde , es klang wie Geröchel . Mit Anstrengung unterdrückte Helene einen lauten Aufschrei . Nun begannen ihre Pulse zu hämmern , sie unterschied jeden einzelnen Schlag dem Gefühle nach , sie empfand es auch , ohne zu zählen , daß in einer genau wiederkehrenden Frist das regelmäßige Klopfen wie durch rasende Doppelschläge unterbrochen wurde , und dann flüsterte , wisperte und raunte es ihr zu : Tu ' s - tu ' s - tu ' s - es findt sich - es findt sich ! Und das kehrte wieder und wieder , sie wußte es genau , wann , und trotz sie sich die Ohren mit den Händen zuhielt und den Kopf im Kissen und unter der Decke vergrub , es klang immer verwirrender , drängender , gebietender : Tu ' s - tu ' s - tu ' s - es findt sich - es findt sich ! Da warf sie sich aus dem Bette zur Erde und kroch auf den Knien in den Winkel hinter ihrer Liegerstatt ; sie stieß den Kopf hart gegen die kalte Mauer und blieb mit der Stirne an derselben lehnen , ihre Hände falteten sich krampfhaft , sie krümmte sich zusammen aus Furcht vor sich selbst oder vor dem , was aus ihr heraus wie leibhaft sie anzufassen und zu bewältigen drohte . Sie begann zu beten , erst im stillen , dann mit halblauter Stimme ; ohne auf den Sinn zu achten , murmelte sie eifrig die Worte , um ihre Gedanken zu verscheuchen und die unheimlichen Rufe zu übertäuben . Manchmal erhob sie die Stimme , als wollte sie etwas zurückschrecken , das nach ihr fasse ; dann ward ihr Gemurmel mählich eintöniger , und gegen Morgen brach sie kraftlos in der Ecke zusammen und schlummerte ein . So fand sie der Herrgottlmacher . Unter seiner Berührung schrak sie auf . » Um Jesu willen « , sagte er , » was is ' s denn mit dir ? « » Schlecht is mir gwest « , antwortete sie , » mein Lebn hab ich kein so schlechte Nacht ghabt . « » No , wär nit aus « , meinte er kopfschüttelnd . XVIII Etliche Tage nachher fand sich mit einmal der kleine , säbelbeinige Agent der » Handelsgesellschaft für religiösen Hausrat « in Kleebinders Hütte ein . Er hatte sich die Jahre über äußerst selten blicken lassen und war dann immer mit einer gewissen Zurückhaltung , aber auch mit aller gebührenden Rücksicht empfangen worden ; der letzteren konnte für diesmal allerdings der Umstand einigen Eintrag tun , daß seit längerer Zeit die Bestellungen merklich abnahmen . » No , auch einmal anschaun lassen ? « rief der Holzschnitzer nach der ersten Begrüßung . » Hoffentlich bringts mer doch Guts ? Schon a schöne Weil her laßts mich völlig feiern , brauchts auch gar nix ! « » Recht