über diese unerhörte Kühnheit gefaßt , sprach er weiter : » Wir haben nur zwischen zweien die Wahl . Erstens Reb Hirsch Salmenfelds Malke ... « » Schweigt ! « unterbrach ihn der Rabbi . » Eine Verbindung mit einem solchen Menschen beredet man in einer Klaus nicht ... « » Es steht aber « , wandte der Marschallik ein , » geschrieben : Richte jeden nach seiner eigenen Tat ! Reb Hirsch ist der Frömmste der Frommen . Hab ' ich nicht recht , Frau Rosel ? « Die Frau blickte furchtsam nach dem Rabbi hin . » Der Rabbi meint aber - « begann sie zögernd . » Ich mein ' nicht ! « rief der Greis . » Ich weiß , daß es eine Tod-sünd ' wär ' . In eine Familie , wo solche Frevel geschehen , läßt man keinen Waisen heiraten . Vielleicht ist auch die Tochter gottlos , sie kann ja Deutsch lesen ! « » Aber Rabbi - meine Jütte sagt - « » Eure Jütte ! An Eurer Stelle ließ ' ich mein Kind nicht dort ... Deutsch Lesen und Schreiben ist ein Makel fürs ganze Leben , noch mehr - ein Gift ist es ! Wer darf mit Gift umgehen ? Der Apotheker . Luiser muß es können , weil er die Matrikel zu führen hat , und Dovidl Morgenstern wegen der Prozesse . Aber für jedes andere jüdische Kind , ob Mann , ob Weib , ist es Todsünde - Todsünde , hört Ihr ! Und was immer gegen Sender vorgebracht wird , er ist fromm und hält alle Gebote und hat sich fern gehalten von den Wegen der Frevler und Abtrünnigen . Ihm ein Weib , das christliche Bücher liest ? ! Ich bin sein Annehmer und duld ' es nicht ! So ein Weib kommt überhaupt nie in meine Gemeinde - niemals ! « Der Marschallik zuckte die Achseln . » Dann muß er die aus Kolomea nehmen « , sagte er , » Reb Chaim Goldguldens Lea . Der Vater ist einverstanden , er weiß , daß sich kein anderer findet ! « » Um Himmelswillen « , schrie Frau Rosel auf . » Die Kleine , Bucklige ? ! Und häßlich ist sie wie die Nacht und fast dreißig Jahr ' alt - man hat ' s mir gesagt ! « » Achtundzwanzig ! « sagte der Marschallik . » Übrigens - ich hätt ' dem armen Sender die hübsche Malke auch lieber gegönnt ... « Der Rabbi strich nachdenklich den langen Bart. » Reb Chaim Goldgulden ist ein Frommer und Gerechter « , sagte er . » Klein ? Bucklig ? Was tut das ? Es steht geschrieben : Achte auf die Schönheit des Herzens ! Die Tochter von Reb Chaim ist gewiß tugendhaft und flieht vor dem Laster ! « » Da könnt Ihr ganz ruhig sein ! « rief der Marschallik . » Wenn Ihr sie kennen würdet ! Lea braucht vor dem Laster nicht zu fliehen - das Laster flieht vor ihr ! « » Und die zweihundert Gulden für Dovidl Morgenstern würde Reb Chaim sofort erlegen ? ! « » Ja ! « erwiderte der Marschallik . » Ich glaub ' , der würde sogar fünfhundert zahlen ! Wenn nur den alten Mann nicht vor Freud ' der Schlag trifft ! - Daß er die noch anbringt , hat er wirklich nicht mehr gehofft ! Übrigens sind ihr achthundert Gulden vor Gericht zugeschrieben ! « » Gut ! « sagte der Rabbi . » Meyerl ! « rief er laut . » Wo ist Euer Sohn ? « wandte er sich an die Frau . » In der Werkstätte . Aber um Himmelswillen - « Der Schulklopfer erschien an der Tür . » Du holst den Pojaz aus seiner Werkstätte « , befahl ihm der Rabbi , » rasch « ! Der Bote stürzte davon . » Rabbi ! « rief Frau Rosel unter strömenden Tränen . » Das ist ja eine Sünd ' vor Gott . Einen Menschen mit gesunden Gliedern wollt Ihr an einen Krüppel binden ? « » Schweigt ! « rief der Greis in heftigem Zorn . » Was Sünde oder fromme Tat ist , weiß ich besser als Ihr ! Sünde wär ' s , wenn er Sellner würde ! Glaubt Ihr , ich misch ' mich zum Vergnügen in Eure Sachen ! Aus Ehrfurcht für die Gebote Gottes ! Aber dann muß ich auch so entscheiden , wie es seinem Willen entspricht ! « » Oh ! « schluchzte Frau Rosel . » Das kann seinem Willen nicht entsprechen ! ... Die Ehe wird ja auch kinderlos bleiben ! So ein Krüppel kann nicht Mutter werden . Nicht wahr , Reb Itzig ? « Der Marschallik zuckte die Achseln . » Bei Gott ist alles möglich ! ... Aber ein Wunder wär ' s ! « » Hört Ihr ? « rief Frau Rosel . » Ich bin ja ein unwissend Weib , aber ich hab ' immer gehört : eine Ehe zu stiften , die kinderlos bleiben muß , ist Sünde ! « » Ein unwissend Weib ! « sagte der Rabbi . » Ihr sagt es selbst ! Es gibt nur eine Todsünde für Mann und Weib : unvermählt zu bleiben ! Bleibt die Ehe kinderlos , so wird sie selbstverständlich wieder getrennt . Übrigens - « er wandte sich an den Marschallik - » wißt Ihr noch eine dritte ? « » Nein ... « erwiderte dieser . » Aber vielleicht in einigen Tagen ... « fügte er mitleidsvoll , zu Frau Rosel gewendet , hinzu . » Haben wir dazu Zeit ? « fragte der Rabbi . » Gebt mir die Vorladung « , befahl er der Frau . Sie reichte sie ihm hin . Er schüttelte den Kopf . » Das kann ich nicht lesen ! « sagte er und schob das Blatt scheu von sich . » In vierzehn