und Heiligenscheine wurden auch bewundert . Aber immer kehrte ich zu jenen großen Landschaften zurück , verfolgte den Sonnenschein , welcher durch Gras und Laub spielte , und prägte mir voll inniger Sympathie die schönen Wolkenbilder ein , welche von Glücklichen mit leichter und spielender Hand hingetürmt schienen . Ich stak , solange es dauerte , den ganzen Tag in dem wonniglichen Saale , wo es fein und anständig herging , die Leute sich höflich begrüßten und vor den glänzenden Rahmen mit zierlichen Worten sich besprachen . Nach Hause gekommen , saß ich nachdenklich da und beklagte fortwährend mein Schicksal , daß ich auf das Malen verzichten müsse , so daß es meiner Mutter durchs Herz ging und sie nochmals eine Rundschau anstellte mit dem Vorsatze , mir meinen Willen zu tun , möchte es gehen , wie es wolle . So trieb sie endlich einen Mann auf , welcher in einem alten Frauenklösterlein vor der Stadt , wenig beachtet , einen wunderlichen Kunstspuk trieb . Er war ein Maler , Kupferstecher , Lithograph und Drucker in einer Person , indem er , in einer verschollenen Manier , vielbesuchte Schweizerlandschaften zeichnete , dieselben in Kupfer kratzte , abdruckte und von einigen jungen Leuten mit Farben überziehen ließ . Diese Blätter versandte er in alle Welt und führte einen dankbaren Handel damit . Dazu machte er , was ihm unter die Finger kam , sonst noch , Taufscheine mit Taufstein und Gevattersleuten , Grabschriften mit Trauerweiden und weinenden Genien ; wenn dazwischen ein Unkundiger gekommen wäre und ihm gesagt hätte : » Könnt Ihr mir ein Bild malen , so schön es zu haben ist , das unter Kennern zehntausend Taler wert ist ? Ich möchte ein solches ! « so würde er die Bestellung unbedenklich angenommen und sich , nachdem die Hälfte des Preises zum voraus bezahlt , unverweilt an die Arbeit gemacht haben . Bei diesem Treiben unterstützte ihn ein tapferes Häuflein Gerechter , und der Schauplatz ihrer Taten war das ehemalige Refektorium der frommen Klosterfrauen . Dessen beide Langseiten waren jede mit einem halben Dutzend hoher Fenster versehen mit runden Scheibchen , die das Licht wohl ein , aber bei ihrer wellenförmigen Oberfläche keinen Blick hinausließen , was auf den Fleiß der hier waltenden Kunstschule wohltätigen Einfluß übte . Jedes dieser Fenster war mit einem Kunstbeflissenen besetzt , welcher , dem Hintermanne den Rücken zukehrend , dem Vordermanne ins Genick sah . Das Haupttreffen dieser Armee bildeten vier bis sechs junge Leute , teils Knaben , welche die Schweizerlandschaften blühend kolorierten ; dann kam ein kränklicher , hustender Bursche , der mit Harz und Scheidewasser auf kleinen Kupferplatten herumschmierte und bedenkliche Löcher hineinfressen ließ , auch wohl mit der Radiernadel dazwischenstach und der Kupferstecher genannt wurde . Auf diesen folgte der Lithograph , ein froher und unbefangener Geist , der verhältnismäßig das weiteste Gebiet umfaßte , nächst dem Meister , da er stets gewärtig und bereit sein mußte , das Bildnis eines Staatsmannes oder eine Weinkarte , den Plan einer Dreschmaschine wie das Titelblatt für eine Erbauungsschrift junger Töchter auf den Stein zu bringen mit Kreide , Feder , graviert oder getuscht . Im Hintergrunde des Refektoriums arbeiteten mit breiten Bewegungen zwei schwärzliche Gesellen , der Kupfer- und der Steindruckergehilfe , jeder an seiner Presse , indem sie die Werke jener Künstler auf feuchtes Papier abzogen . Endlich , im Rücken der ganzen Schar und alle übersehend , saß der Meister , Herr Kunstmaler und Kunsthändler Habersaat , Besitzer einer Kupfer- und Steindruckerei und sich zu allen gefälligen Aufträgen empfehlend , an seinem Tische mit den feinsten und schwierigsten Aufgaben , meistens jedoch mit seinem Buche , mit Briefschreiben und dem Verpacken der fertigen Sachen beschäftigt . Es herrschte ein streng ausgeschiedener Geist in den Ansprüchen und Hoffnungen des Refektoriums . Der Kupferstecher und der Lithograph waren fertige Leute , die selbständig in die Welt schauten , bei Meister Habersaat um einen Gulden täglich ihre acht Stunden arbeiteten und sich weiter weder um ihn was bekümmerten noch große Hoffnungen nährten . Mit den jungen Koloristen hingegen verhielt es sich anders . Diese lustigen Geister gingen mit wirklichen , leichten und durchsichtigen Farben um , sie handhabten den Pinsel in Blau , Rot und Gelb , und das um so fröhlicher , als sie sich um Zeichnung und Anordnung nichts zu bekümmern hatten und mit ihrem buntflüssigen Elemente obenhin über die düstern Schwarzkünste des Kupferstechers wegeilen durften . Sie waren die eigentlichen Maler in der Versammlung ; ihnen stand noch das Leben offen , und jeder hoffte , wenn er nur erst aus diesem Fegefeuer des Meisters Habersaat entronnen , noch ein großer Künstler zu werden . In dieser Gruppe erbte sich durch alle Generationen , welche schon im Dienste des Meisters durch das Refektorium gegangen , die große Künstlertradition von Samtrock und Barett fort ; aber nur selten erreichte einer dies Ziel , indem immer der Flug vorher ermüdete und die Mehrzahl der Getäuschten nach ihrem Austritte noch ein gutes Handwerk erlernte . Es waren immer Söhne blutarmer Leute , welche , in der Wahl eines Unterkommens verlegen , von dem rührigen Manne in sein Refektorium gelockt worden mit der Aussicht , eine Art Maler und Herren zu werden , die ihr Auskommen finden und immer noch etwas über dem Schneider und Schuster stehen würden . Da sie gewöhnlich keine Gelder beibringen konnten , so mußten sie sich verbindlich machen , den Unterricht in der » Malerkunst « abzuverdienen und vier Jahre für den Meister zu arbeiten . Er richtete sie dann vom ersten Tage an zum Färben seiner Landschaften ab und brachte sie , ungeachtet ihrer gänzlichen Unberufenheit , durch Strenge so weit , daß sie ihre Arbeit bald reinlich und nett und nach den überlieferten Gebräuchen verrichteten . Nebenbei durften sie , wenn sie wollten , an Feiertagen ein verkommenes oder zweckloses Blatt nachzeichnen zur weiteren Ausbildung , und sie wählten meistens solche Gegenstände , welche nichts zu lernen darboten , aber für den Augenblick am