die Flucht ergreifen , sich bescheiden zurückziehen , wenn seine Anwesenheit unerwünscht sein sollte ... Inzwischen aber trägt ihn der mit kräftigen Pferden bespannte Wagen des Wirtes zum » Goldenen Schwan « im raschen Trabe immer näher zu dem Orte , wo die Geliebte weilt . Seine Reisegefährten beobachten alle ein , wie ihm scheint , ostensibles Schweigen . Nur von Zeit zu Zeit nickt Wenzel und sagt , auf die Felder deutend , zwischen denen der Weg läuft : » Herrliche Frucht ! « Und Mansuet bestätigt und fügt hinzu : » Prächtiger Boden ! « Der Sekretär enthält sich eines jeden Zeichens der Teilnahme . Stolz und aufrecht sitzt er da wie das personifizierte Selbstbewußtsein und scheint zu sagen : Was liegt mir an alledem ? Er nahm , besonders gegen Bauer und Mansuet , Mienen an von einer Feierlichkeit , von einer mitleidigen Herablassung - nicht zu beschreiben ! Bauer dachte : Wahrlich , neben diesem Schimmelreiter nähme Cäsar sich aus wie ein Hanswurst ! Und nun rollen sie bereits über das Pflaster des Schloßhofes . Vor dem Tore steht Bozena und ruft ihnen zu : » Kommen Sie - kommen Sie - es ist die höchste Zeit ! « Über die Anwesenheit des Professors scheint sie sich besonders zu freuen ; dieser hat ihr nur gleich zu folgen , während die andern drei Herren gebeten werden , einen Augenblick zu verziehen . » Wie sehen Sie denn aus ? « fragt Mansuet die Magd , » Sie leuchten ja wie die liebe Sonne . « Bozena antwortet ihm nicht , sie eilt mit Bauer , dessen Hand sie erfaßt hat , die Treppe hinauf . Wenzel und Mansuet sehen einander befremdet an . - Ein sonderbarer Empfang ! ... Was hat das zu bedeuten ? - Das Haus ist wie ausgestorben , im Hofe steht die Britschka der Baronin Waffenau und ein bepackter Wagen . Jetzt öffnet sich die Stalltür in der Ecke gegenüber , Kocka und Myska kommen heraus mit gesenkten Köpfen und herabhängenden Ohren und stellen sich von selbst jede an ihren Platz an die Deichsel . Florian folgt in Hemdärmeln , seinen Rock auf dem Arme ; er wirft brummend und gestikulierend das Kleidungsstück auf den Bock und beginnt die Stränge einzulegen . Wenzel , gefolgt von seinen Begleitern , tritt den Alten mit der Frage an : » Wer reist denn ab ? « Aber Florian verschmäht zum erstenmal in seinem Leben die Gelegenheit , sich beredsam zu zeigen , und antwortet nur mit einem trotzigen Kopfschütteln , das deutlich sagt : Von mir erfahrt ihr nichts ! Da schlägt Wenzel vor , hinaufzugehen und eine mitleidige Seele aufzusuchen , die sie bei dem Fräulein anmelde . Der Wirtskutscher hat ihre Mantelsäcke , Überröcke und Regenschirme auf den nackten Boden deponiert und ist davongefahren . Schimmelreiter , der sonst so anspruchslose , fühlt sich verletzt . » Man hätte Lust umzukehren « , spricht er , » ist das eine Art ? ... Einen kommen lassen , so weit her , und sich dann um einen nicht kümmern - sehr kurios , wirklich ! « Die Herren treten in die Halle und zögern wieder , sie wissen nicht , wohin sich wenden . - Vom Korridor her lassen sich endlich Schritte vernehmen , und die Stiege herabgeschlichen kommt ein kleiner , stiller Zug . Voran Peter , mit Reiseeffekten beladen , in außerdienstlichem Phantasieanzug , den anzulegen er der Gelegenheit entsprechend fand , vermutlich wegen des Inkognitos . Ihm folgt die Gräfin , von Ronald geleitet . Der Widerschein ihrer klaren Seele liegt fast wie ein Schimmer von Heiterkeit auf ihrem ehrwürdigen Angesicht . So geübt wie von ihr , wird die Demut zur Würde , die Geduld zur Unüberwindlichkeit . Ein zweites Paar erscheint ; der Graf , gestützt auf den kräftigen Arm seiner Tochter . - Er trennt sich schwer von seinem Rondsperg ! Ein jeder Schritt , den er vorwärts tut , scheint ihn zu schmerzen . Seine Kraft ist gebrochen , über Nacht hat er sich verwandelt , er scheint nun auch , was er ja längst gewesen : ein armer , alter Mann ! Die Stadtherren entblößen ihre Häupter , als die Herrschaften sich ihnen nähern . Ihr Gruß wird erwidert , aber kein Wort mit ihnen gesprochen . Der Graf drängt zur Eile : » Nur fort ! nur fort ! « flüstert er kaum hörbar seiner Tochter zu . In diesem Augenblicke ertönt der Klang einer lieben , angstvollen Stimme . Röschen kommt die Treppe herabgeflogen , wirft sich abwechselnd dem Grafen und der Gräfin in die Arme und weint und beschwört sie , die sich ihrer vergeblich zu erwehren suchen : » Bleiben Sie , um Gottes willen , bleiben Sie ! « » Lassen Sie uns , liebes Kind « , sagt die Baronin bewegt und in Gefahr , ihre Fassung zu verlieren . Aber nun steht Regula vor ihr am Arme eines freudetrunkenen Mannes , des Herrn Professor Bauer , und auch diese beiden sprechen wie aus einem Munde : » Bleiben Sie ! « » Nimmermehr « , entgegnet der Graf , » im fremden Hause ! « » In dem Ihres Sohnes , Herr Graf « , spricht Regula feierlich , während der glückverklärte Bauer in Bewunderung zerschmilzt - und dort an der Tür des Saales eine hohe Gestalt steht , deren Blick unverwandt auf ihr ruht , als wollte er sie unter seinem Banne halten . Aber Bozena kann zufrieden sein , das Fräulein wiederholt sogar ihre Worte : » Rondsperg gehört Ihrem Sohne , dem es meine Nichte zur Morgengabe bringt . « » Oh ! « riefen Mansuet , Wenzel und Schimmelreiter . » O liebe Regula ! « rief die Baronin . » O Röschen ! « rief Ronald . Der Graf und die Gräfin schwiegen . In ihren wunden Seelen vollzog sich der Übergang vom Schmerz zur Freude nicht so rasch . Die Demütigung bleibt