ein wenig außer sich und sind verschwunden und haben mich stehenlassen , wie denn die jungen Leute so sind , Herr von Lauen . « Wütend schlug der Junker mit der Faust nach dem alten Halunken , aber lachend fuhr dieser zurück und warf das Fenster zu . Jane Warwolf faßte den zornigen Hennig , zog ihn zurück , zog ihn auf die Landstraße und rief : » Das ist schlimmer als alles andere und noch dazu unsere Schuld ! O das arme Geschöpf ! Es ist meine Schuld , meine Schuld ! Weshalb hab ich nicht mich um keinen Menschen gekümmert und sie beiseite genommen und mich mit ihr unter einen Busch am Wege gesetzt und selber zu ihr gesprochen ? Da bin ich von einem zum andern gelaufen , und wohin ist sie nun in ihrer Verwirrung gelaufen ? « » Ich breche dem Hund die Tür auf und ziehe ihn an den Ohren hervor - er muß es wissen ! « rief Hennig . » Und ruf das ganze Dorf zusammen und schicke es ihr nach ! Wir wollen langsam und still auf dem Wege zum Holze weitergehen , dort werden wir ihr wohl begegnen ; zu bessern und gutzumachen ist jetzt doch nichts mehr « , sagte Jane . Hennig folgte der Alten störrisch , aber doch ohne eigenen Willen , und so gingen sie auf der Landstraße weiter , dem Walde entgegen . Es war der Weg , auf welchem die schlimmen Geisterfußtritte das Pflegekind des Lauenhofes verfolgt und gejagt hatten , und unter den ersten Bäumen standen Jane Warwolf und Hennig von Lauen still und horchten . Nun rief Jane von neuem zärtlich und weinerlich den Namen des jungen Mädchens , und nun meinten sie , dicht neben sich ein verhaltenes Schluchzen zu hören ; sie hatten sich jedoch geirrt , denn jetzt näherte ein leichter Schritt sich ihnen aus der Finsternis des Waldes , Antonie Häußler trat ruhig an sie heran und fragte : » Hast du mich gerufen , Jane ? Bist du auch da , lieber Hennig ? Ei , wie hätt ich euch necken können , wenn ich in solcher Stunde und bei solchem Nebel mit euch hätte Versteckens spielen wollen . Aber ihr brauchtet keine Sorge darum zu haben , ich bin gern zu euch gekommen ; es ist gar zu schaurig und unheimlich da hinter mir . « » Liebe , liebe Tonie « , rief Jane , und Hennig rief : » Du kannst dir nicht vorstellen , wie betrübt und wütend wir alle dort unten sind . Wir kamen , dich zu suchen und heimzuholen , und dann - dann haben wir den alten Schuft im Siechenhause gesprochen , und - und - « » Ja « , sagte Antonie , » er hat mir einen großen Schrecken eingejagt , und darauf bin ich recht töricht gewesen und bin in die Nacht hineingerannt wie ein Kind , das man mit einer Maske schreckte . Vielleicht ist es so am allerbesten gewesen , Jane , denn nun hab ich alles , was mir an Verstand mit auf die Welt gegeben wurde , wieder beieinander ; und jetzt wollen wir nach Haus gehen . Da ist der Herr Ritter und die gnädige Frau und Fräulein Adelaide , und es ist mir doch , als habe sich alles mit einem Schlage verändert . Seit einer Stunde hab ich manches Jahr gelebt - zurück und weiter hinaus ; immer weiter hinaus und tiefer zurück . Das ist so bunt und ängstlich und unbegreiflich , daß man wohl Vernunft und Verstand zusammennehmen muß . Kommt , wir gehen zurück zum Lauenhof - sie müssen alle mit mir sprechen , ich muß alle die freundlichen Stimmen wieder hören , denn eben ist mir doch gewesen , als sei das Leben der Freunde , und mein Leben mit , schon vor hundert Jahren verklungen . « » Der Klügste sollte darüber zum Narren werden ! « sprach Jane Warwolf mit allem Nachdruck . » Der - Mann dort unten sagte , du habest die Nachricht hierhergebracht , Jane ? « » Ja , Herzenskind , es ist mein Schicksal gewesen , und du darfst es mich nicht entgelten lassen , wenn du in Purpur , Pracht und Herrlichkeit sitzen wirst . « Tonie lachte und sagte : » Ich glaube alles , aber daran glaube ich fürs erste noch nicht . Was meinst du dazu , Freund Hennig ! « » Ich weiß nichts , ich meine nichts ; aber von Stunde zu Stunde kriege ich größere Lust , der ganzen Welt in das Gesicht zu springen . « » O Gott - und der Herr Ritter ! « rief Antonie in schmerzlichster Bewegung und zog die alte Jane schneller mit sich fort . Sie gingen heim durch die stille Nacht und den wogenden Dunst , in welchem die Lichter des Dorfes und des Rittergutes trübe und schwankend flimmerten . Sie erreichten das Tor des Lauenhofes , an welchem eine murmelnde Gruppe von Knechten und Mägden verlegen-stumm bei ihrer Annäherung auseinandertrat . Sie gingen in die große gelbe Stube zur Rechten des Hausflurs , wo die kuriosen und durchaus nicht anmutigen Ahnenbilder des wackern Hauses an den Wänden hingen und wo an dem runden Tische in der Mitte des Gemaches die Mutter , der Chevalier und Fräulein Adelaide Klotilde Paula von Saint-Trouin ebenfalls eine stumme Gruppe bildeten . Auch diese Gruppe löste sich bei ihrem Eintritt , doch zog sich niemand zurück , sondern alle drei kamen mit erhobenen Armen und Händen heran , und der Herr Ritter von Glaubigern faßte das junge Mädchen in seine Arme und hielt es fest und streichelte ihm wortlos mit zitternder Hand die Haare und versuchte zu reden , brachte es aber nur zu einem zärtlichen , halb abgebrochenen Schmeichelwort und sah über die Schulter des Kindes die Frau Adelheid mit einem so verlorenen Blicke an , daß die gute Frau trotz aller eigenen Rührung unwillkürlich lächeln