, in der sie lebten , mancherlei Annährungen und Ansprüche gefallen zu lassen , und zeitweise , wenn es sein mußte , auf eine Ausschließlichkeit zu verzichten , die sich in ihrer jetzigen Lage nicht wohl behaupten ließ . Dadurch machte sich die Unterhaltung leichter . Der Freiherr hatte obenein die Absicht , zu vergüten , was seine Gattin dem jungen Manne zu Leide gethan ; sie selbst fand sich genöthigt , ihm bei Tische die hausfrauliche Zuvorkommenheit zu beweisen , die ihr zur Gewohnheit geworden war , bis Herbert allmählich der Zurückhaltung zu vergessen begann , welche er zu behaupten sich vorgenommen hatte . Der Baron kam absichtlich in Gegenwart der Herzogin noch einmal auf den Vater des Baumeisters zurück , welchen auch der Caplan in hohen Ehren hielt ; das schloß dem jungen Manne das Herz auf , und noch während man bei Tafel war , fing man an , von der Angelegenheit zu sprechen , für welche man Herbert hergerufen hatte . Darauf hatte er aber nur gewartet , denn wo ein Sachverständiger vor Laien von seinem Fache sprechen kann , ist er der Meister und der Herr , ist er dem Vornehmsten ebenbürtig , wenn nicht überlegen ; und so erklärte der junge Mann denn ganz unumwunden , daß Alles , was er im Vorüberfahren gesehen , ihn in seiner bereits früher geäußerten Ueberzeugung bestärkt hätte , und daß man einen großen Fehler begehen würde , wenn man die Kirche auf dem Platze erbaute , auf welchem man den Grundstein für die ursprünglich beabsichtigte Capelle eingeweiht habe . Er entwickelte darauf mit einer Klarheit , die jeden Vorurtheilslosen für ihn einnehmen mußte , alle die Uebelstände , mit denen ein Bau in Rothenfeld zu kämpfen haben würde , und stellte dagegen die Vorzüge auf , welche die Verlegung der Kirche nach der Höhe darbieten konnte . Er hielt den Herrschaften die größere Bequemlichkeit für sie selbst , er hielt ihnen auch die harmonische Wirkung vor , welche die Kirche machen mußte , wenn man sie auf dem Hügel jenseit des Parkes aufführte , wo sie dann von der Westseite des Schlosses einen eben so schönen Anblick gewähren konnte , als ihn auf der Ostseite die Burgruine darbot . Er sprach von den bedeutend größeren Ausgaben , welche ein so ungünstiger Boden , wie der in Rothenfeld , erheischen würde , und weil er von der Richtigkeit seiner Angaben zweifellos überzeugt war , meinte er in dem Schweigen der Anderen ein Zeichen dafür zu finden , daß er sie ihres Irrthums überführt und des Besseren belehrt habe . Aber Herbert verstand und kannte sein Fach doch noch besser , als er die Menschen kannte , obschon er sich vielfach und von früh auf in den verschiedensten Lagen zu bewegen gelernt hatte . Er wußte noch nicht , daß diejenigen , welche von Kindheit auf das Befehlen gewohnt sind , es nicht lieben , sich eines Irrthums überführen zu lassen , und er bedachte nicht , daß es einen Jeden schmerzlich ist , einen Plan , auf dessen Verwirklichung er seinen Sinn lange Zeit hindurch gerichtet hat , plötzlich und für immer aufgeben zu sollen . Er sah , daß der Freiherr ihm Gehör schenkte , er merkte an den Fragen , welche bald dieser , bald der Caplan während seiner Auseinandersetzungen an ihn richteten , daß seine Gründe ihnen einleuchteten und sie bedenklich machten , und er glaubte also auf dem besten Wege zu dem von ihm ins Auge gefaßten Ziele zu sein , als der Baron ihm nachdenklich einräumte , daß die Sache allerdings noch einmal gründlich erwogen werden müsse und daß die frühzeitige Ankunft Herbert ' s ihm also doppelt erwünscht sei . Da nahm Angelika , die bis dahin schweigend zugehört hatte , plötzlich das Wort . Ich weiß nicht , Bester , sagte sie zu dem Baron gewendet , wie in diesem Falle noch von Ueberlegung und Erwägung die Rede sein kann . Mich dünkt , davon dürfe man nur sprechen , wo man noch eine freie Wahl hat und wo es sich um die Befriedigung eines persönlichen Bedürfnisses handelt . Wo man aber ein Gelübde zu erfüllen hat , ist ja eine Erwägung und Abänderung , wie mir scheint unmöglich ! Der Ton , mit welchem sie diese Behauptung aussprach , war so scharf , daß er Herbert auffiel , und sein früheres Mißtrauen gegen sie schnell wieder wach rief . Wie kommt diese junge Frau dazu , dem älteren Gatten in solcher Weise zu entgegnen ? fragte er sich unwillkürlich , und sein Erstaunen wuchs , als nicht der Freiherr , sondern der Caplan die Antwort übernahm . Sie haben sicher Recht , Frau Baronin , sagte der Geistliche mit der vermittelnden Weise , welche aus seiner innersten Natur hervorging , Sie haben Recht , daß allzu ängstliche Erwägung überall die That verhindert und daß man am wenigsten in den Fällen zaghaft sein sollte , wo man ein Großes und Heiliges vollbringen will . Muth und Begeisterung helfen über manche Schwierigkeit hinweg , aber .... Muth und Begeisterung , fiel der Freiherr ihm in die Rede , als finde er es jetzt , da der Caplan vorangegangen , leichter , seine Meinung auszusprechen , Muth und Begeisterung sind etwas sehr Erhabenes , und es ist eine schöne Eigenschaft der Frauen , daß sie derselben in so hohem Grade fähig sind . Indeß oftmals - und dieses Mal , beste Angelika , befindest Du Dich wohl in solchem Falle - haben die Frauen es leichter als wir , ihren Muth und ihre Begeisterung zu behaupten , weil die Unkenntniß der technischen und materiellen Hindernisse ihnen das Muthigbleiben sehr erleichtert . Das mag wohl wahr sein , versetzte die Baronin anscheinend gelassen , aber von einem Muthe und einer Begeisterung , welche den Menschen über die Schranken verständiger Erwägung fortreißen könnten , ist ja in unserm Falle , wie mich dünkt , nicht die Rede . Wir haben , ich muß das wiederholen