in den bestimmtesten Umrissen präsentierte , Da war ein lebensgroßes Porträt des Marschalls Vorwärts an der Wand , und immer bedrohlichere Blicke warfen Seine Durchlaucht auf den Theologen . Da stand auf dem Ofen in der Ecke die Büste des weisen , aber mopsnasigen Mannes Sokrates , die - immer sehr verwundert , sich hiesigen Orts zu finden - in diesen Augenblicken mit wahrhaft beängstigendem Ausdruck der Mißbilligung von ihrer Höhe in den Dampf hinuntersah . Der Philosoph war vorzüglich schuld daran , daß der Kandidat Unwirrsch für ein » letztes « Glas Punsch herzlich dankte : Hans fühlte es innig , daß dieses » letzte Glas « unbedingt der Giftbecher für ihn sein würde . Auch die Zigarre legte er fort und tat wohl daran . Aber jetzt erst erfuhr der Oberst von Bullau ganz genau , wer der Gastfreund der Neuntöter eigentlich sei und wie es komme , daß er mit dem Leutnant Götz komme . » I verflucht ! « sagte der Oberst von Bullau , als er erfuhr , daß der Herr Kandidate jener Präzeptor sei , welchen der Kamerade Götz so lange für das Haus seines Bruders gesucht habe . Weiter sagte der Herr Oberst jedoch nichts ; - Hans Unwirrsch durfte zu Bett gehen und ging . Was die beiden alten Kriegsmänner weiter sprachen und taten , nachdem Hans schlaftrunken unter der Aufsicht und Beleuchtung des Hausknechtes treppauf geschwankt war , können wir nicht verkünden . Jedenfalls gingen sie noch nicht zu Bett . - Trotzdem daß zuerst ein unbekannter , aber höchst bösherziger und schadenfroher Geist großes Vergnügen daran fand , erst das Fußende des Lagers des Kandidaten bis an die Zimmerdecke emporzuheben und darauf das Kopfende , fiel Hans zuletzt doch in einen tiefen , schweren Schlaf , der ihm weder erfreuliche noch drohende Bilder vorgaukelte . Nicht eine der fabelhaften Geschichten , die er im Klub der Neuntöter vernommen hatte , drückte ihn als Alp , und als er erwachte , war es heller Tag , und der Leutnant Götz stand vor seinem Bett , frisch , scharf und fidel , als sei auch um ihn kein Gespenstertanz in der Nacht aufgeführt worden . » Na , junger Mensch , heute stehen Sie noch unter meinem Kommando « , sagte der Leutnant . » Zu den Waffen also ! Marsch , aus den Federn ! Morgen um diese Zeit sollt Ihr die Mundwinkel nach Belieben herunterziehen dürfen , heute aber - aufwärts mit dem Riecher ! Die Jugend kann die Nase nicht hoch genug heben , was man auch dagegen sagen mag . Marsch , in die Kleider , Sie schwarzgebundenes Prachtexemplar aus unseres Herrgotts Regimentsbibliothek ! « Wir wollen und können nicht auf allen Wegen , welche der Leutnant an diesem Tage unsern Freund führte , mitgehen , wenngleich es sehr respektable und anständige , in jeder Beziehung anständige Wege waren . Nicht nur durch Kneipen und Konditoreien führte den Theologen der Kriegsmann . Er schleifte ihn durch das Arsenal und verschiedene Waffensammlungen , ließ aber mit Verachtung freilich die Bibliothek zur Seite liegen . Dagegen schien er sehr gern bunte Bilder in den Fenstern der Kunstläden sowie in den Museen zu sehen und entwickelte dabei die eigentümlichsten Kunstansichten . Die antiken Bildsäulen erklärte er für prachtvolle Kreaturen und » ganz außerordentlich dienstfähig « , führte jedoch im Grunde seinen Begleiter nur deshalb in die Galerie der Skulpturwerke , um ihm ein ziemlich unanständiges Basrelief zu zeigen , auf welches ihn selber höchst frivolerweise der Herr Oberst von Bullau aufmerksam gemacht hatte . Verschiedene Genüsse hatten und verschiedene Fährlichkeiten bestanden die zwei Herumtreiber den Tag über . In einen Streit mit einem in ungewöhnlicher Weise jähzornigen Droschkenkutscher geriet der Leutnant eigentlich durch seine eigene Schuld , rief aber auch nicht die Polizei zu Hülfe , sondern machte zuletzt sogar gemeinschaftliche Sache mit dem Droschkenkutscher gegen die Polizei . Der Leutnant Götz hielt es nicht unter seiner Würde , in einem sehr tiefen , sehr dunkeln und sehr feuchten Viktualienkeller einen Bittern mit dem Droschkenkutscher zu trinken , während die Polizei grimmig von der Straße in das Loch hinabsah und den armen Hans als das ihr verdächtigste Subjekt von den beiden Bauernfängern scharf ins Auge nahm . Am Abend fand sich Hans Unwirrsch , wirbelig von allen Erlebnissen des Tages , plötzlich wieder im Grünen Baum vor einem nahrhaften Abendessen . Den fröhlichen Herrn fand er aber glücklicherweise nicht und durfte somit das Seinige in Frieden genießen . Nach dem Abendessen erklärte der Leutnant , daß er nunmehr bereit sei , seinen Schützling in - die Oper zu führen , und sämtliche anwesende Neuntöter erklärten diese » Idee « für sehr unzurechnungsfähig und sehr lächerlich . Der Leutnant führte jedoch seinen Kandidaten ohne weitere Diskussion der Frage aus dem trauten Nest der biedern Vögel hinweg , und letztere entließen das » bunte und schwarze Tuch « mit einer knatternden Abschiedssalve der bemerkenswertesten Bemerkungen und der anzüglichsten Anzüglichkeiten . Don Juan ! - - - Wenn der Mensch mit Mühe und Not in dunkeln , engen Straßen , hinter wackelnden Tischen in Kälte und Hunger , großem Hunger , aufgewachsen ist , und es endlich - endlich zum Kandidaten der Theologie gebracht hat , wenn der Mensch dazu noch gar Johannes Unwirrsch heißt und soviel im Innern und sowenig nach außen hin erlebt hat , dann ist es ein merkwürdig Ding , wenn er , zum erstenmal in ein großes Schauspielhaus tretend , sich diesem Bruchstück menschlicher Unsterblichkeit gegenüberfindet . Der prächtige Saal , die Menschen , die Lichter berauschten den Theologen mehr , als das der Wein am vergangenen Abend vermochte . Wie war es möglich , daß solch ein reiches , farbenprächtiges Leben rauschen konnte , ohne daß Tausende , Hunderttausende , Millionen eine Ahnung davon hatten ? Wer hat nie das tiefschmerzliche Gefühl des Versäumthabens kennengelernt ? Elans Unwirrsch empfand es in diesem Augenblick wieder einmal recht sehr , wenn auch nur auf eine flüchtige Minute . » Laßt