Friedrich auf der Veste mit dem Burggrafen , König Maximilian aber beim Herrn Scheurl wohnen wird ? Da wird seine Hausfrau nicht wissen , wo sie hin soll vor Hoffahrt und Hochmuth . « Ulrich sagte ? » Gönnt ihr doch den unschuldigen Stolz , wenn er sie nun einmal glücklich macht ! « » Unschuldig ? « sagte die Mutter ; » nun , ich will dem König Max , für den einmal Alle eingenommen sind , da er noch etwas Neues ist , nichts Böses nachsagen - - aber man weiß , wie die großen Herren sind , und von dem heißblütigen König laufen genug Geschichten um von verliebten Abenteuern - das heißt dann nichts , als ein ritterlicher Scherz ! ja , die Art , die zu wählerisch ist , um mit gemeinen Frauenspersonen sich einzulassen , die für jeden zu haben sind , die macht die meisten Frauen unglücklich und ist allen eitlen und hoffärtigen Frauen gefährlich , die sich selbst auf ein gnädiges Lächeln was zu Gute thun . Ich bin alt geworden in Nürnberg , ich weiß , wie weit her es ist mit den guten Sitten bei diesen bevorzugten Geschlechtern und mit der Unschuld ihrer Frauen . « » Ihr mögt Recht haben , « sagte Ulrich ; » aber der Stolz der Frau Scheurl ist doch anderer Art ; die will herrschen mit ihrem Geist und einem Streben über das Gewöhnliche hinaus . « » Mir macht Ihr nichts weiß , « eiferte die alte Frau ; » stolzirt sie doch wie eine Königin einher , und scheint doch keine andern Gedanken zu haben , als ihren Putz und ihre Schönheit zu zeigen ; auch die lange Krankheit hat sie nicht gebeugt und bekehrt . « » Ihr seid nun einmal wider sie , « sagte Ulrich . Hieronymus trat jetzt auf die Seite seiner Mutter . » Verdrossen hat mich ' s auch , « sagte er , » daß sie ihr eigenes Bild als Maria Magdalena auf den Teppich sticken läßt , und Du selbst hieltest es ihr ja damals vor : daß man im Dienste der Kunst und des Heiligsten sich selbst vergessen und aufgeben müsse - seine Person und seinen Namen ; ich sah es wohl , wie sie blaß ward bei Deinen Worten . « » Mochte sie eine Lehre daraus ziehen , wenn sie wollte , « sagte Ulrich ; » doch sollte es kein Vorwurf sein . Für das Gemälde ist sie auch nicht verantwortlich , das ist so Meister Beuerlein ' s Art ; er kann fast gar nicht anders malen , als conterfeien ; die Personen zu den anderen Figuren kennen wir nur nicht , und daß er die schönste Nürnbergerin in den Vordergrund gestellt , wird ihm Niemand verargen . « Mutter Martha schüttelte mit dem Kopf . » Wenn Ihr einmal streiten wollt , so ist mit Euch nicht durchzukommen ! « Ulrich reichte ihr versöhnlich die Hand und sagte : » Ihr solltet froh sein , wenn wir die Frauen in Ehren halten - und doch selbst ihnen fern bleiben . « Die alte Frau ward jedesmal gerührt , wenn sie daran dachte , welches schwere Gelübde die jungen Männer hatten leisten müssen . Zwar war es ihr ganz recht , wenn sie dachte , daß ihr Hieronymus so immer bei ihr bleibe und daß sie sein Herz nie mit einem andern Weibe zu theilen brauche , auf das sie doch eifersüchtig geworden , selbst wenn sie mit aller Uneigennützigkeit einer Mutter ihrem Sohne sein Glück gegönnt hätte . Ihre Sucht , das weibliche Geschlecht vor ihnen zu verdächtigen und herabzuwürdigen , entsprang mit aus ihrem Bedauern und der gutmüthigen Absicht , den jungen Männern dadurch ihr Fernhalten von allen Frauen und allen Regungen des Herzens zu erleichtern ; indeß war sie aber auf Elisabeth gerade darum erbittert , weil sie doch die Ursache war von Ulrich ' s schweren Wunden , wenn die Mutter auch nicht wußte , daß es nicht bloßer Zufall war , daß die Baubrüder sie beschützt und vertheidigt hatten . Wie unschuldig auch Elisabeth selbst daran sein mochte : der alten Frau ward sie dadurch immer ein hassenswerther Gegenstand , daß ihre Söhne um ihretwillen gelitten - und zwar doppelt , als sie aus späteren Gesprächen derselben entnommen , daß die Gerettete auch beim Wiedersehen mit Ulrich kein Wort des Wiedererkennens und Dankes für ihn gehabt . Jetzt scholl plötzlich von der Straße , auf der es vorhin ganz winterlich still gewesen , ein wüster Lärm empor , und Frau Martha öffnete gleich neugierig das Fenster , um zu sehen , was es gebe , oder vielleicht zu hören , denn es war dunkler Abend draußen , nur von den Dächern leuchtete der Schnee , indeß der auf der Straße nur hie und da noch seinen weißen Glanz behalten hatte . Man hörte rohe , lallende und höhnende Männerstimmen , dazwischen jammerten unverständliche Reden eines alten Mannes und eine helle weibliche Stimme rief laut und immer lauter nach Hülfe . Von oben konnte man nur unterscheiden , daß von einem Trupp Männer zwei Personen umringt waren und bedroht , gemißhandelt zu werden . Ulrich und Hieronymus nahmen ihre Schwerter und eilten auf den Ruf hinab , obwohl Mutter Martha warnte und bat , sich doch nicht in Gefahr zu begeben und in Händel zu mischen , wo man ja nicht einmal wissen könne , wem das Unrecht geschehe ; solchen Straßenunfug zu verhindern , sei das Amt der Büttel und Stadtknechte , aber nicht der freien Steinmetzen . Aber Ulrich entgegnete : » So müssen wir wenigstens aushelfen , bis die Stadtknechte kommen und ihre Schuldigkeit thun . Wo Zwei von Zehnen umzingelt nach Hülfe schreien , da kann man doch nicht ausbleiben . « » Um so weniger , « sagte Hieronymus , » wenn die Zwei , wie es scheint , ein wehrloser Greis und ein zitterndes Weib sind . « - Gleichzeitig