Rosenhauses zu fragen . Nach und nach änderte sich die Zeit immer mehr und immer gewaltiger . Die Tage waren viel länger geworden , die Sonne schien schon sehr warm , die Fristen , in denen der Himmel sich klar und wolkenlos zeigte , wurden bereits länger als die , in denen er umwölkt oder neblich war , die Erde sproßte , die Bäume knospten , an den Rosenbäumchen vor dem Hause wurde sehr fleißig gearbeitet , alles war heiter , und der Frühling war in seiner ganzen Fülle eingetreten . Diese Zeit war schon lange als diejenige bestimmt gewesen , in welcher ich abreisen würde . Ich sagte dieses noch einmal meinem Gastfreunde , und da ich Anstalten getroffen hatte , meinen Koffer fort zu senden , wurde der Tag der Abreise festgesetzt . Wir hatten früher noch die Verabredung getroffen , daß ich meine Arbeiten so einrichten wolle , daß ich zur Zeit der Rosenblüte wiederkommen und wieder längere Zeit in dem Hause verbleiben könne . Da ich sah , daß ich gerne aufgenommen werde , und daß ich in Hinsicht der äußeren Mittel keine Last in dem Hause sei , und da mein Gemüt sich auch diesem Orte zugeneigt fühlte , so war mir diese Verabredung ganz nach meinem Sinne . Nur , meinte mein Gastfreund , müßte ich dann in den Gebirgstälern schon zur Herreise aufbrechen , wenn dort kaum die Rosen völlige Knospen hätten , weil sie hier der bessern Erde und der bessern Pflege willen früher blühen als an allen Teilen des Landes . Ich sagte es zu , und so war alles in Ordnung . Am Tage vor meiner Abreise kam Eustachs Bruder zurück . Er mochte zwanzig und einige Jahre alt sein , war schön gewachsen , hatte braune Wangen und dunkle Locken und ein klein wenig aufgeworfene Lippen . Mir war , als wäre ich dem Manne schon einige Male auf meinen Reisen begegnet . Er brachte in seinem Buche viele und darunter schöne Zeichnungen mit , welche mit Anteil betrachtet wurden . Sie sollten nun auf größerem Papiere und in künstlerischer Richtung ausgeführt werden . Als ich am Abende vor der Abreise noch im Meierhofe gewesen war , als ich am Morgen derselben zu Eustach und den Gärtnersleuten gegangen war , als ich den Hausbewohnern Lebewohl gesagt und von meinem Gastfreunde und von Gustav vor dem Hause Abschied genommen hatte : ging ich den Hügel hinunter , und ich hörte schon von dem Garten und von den Hecken und aus den Saaten den kräftigen Frühlingsgesang der Vögel . 7. Die Begegnung Auf der Reise nach dem Orte meiner Bestimmung zeichnete ich ein schönes Standbild , welches ich in der Nische einer Mauertrümmer fand . Ich hatte dazu mein Zeichnungsbuch aus dem Ränzlein genommen , in welchem ich es jetzt immer trug . Dies war die einzige Unterbrechung und der einzige Aufenthalt auf dieser Reise gewesen . Als ich an meinem Bestimmungsorte angelangt war , war das erste , was ich tat , daß ich meine Zeit besser zu Rate hielt als früher . Ich mußte mir bekennen , daß die Art , wie in dem Rosenhause das Tagewerk betrieben wurde , auf mich von großem Einflusse sein solle . Da dort der Wert der Zeit sehr hoch angeschlagen und dieses Gut sehr sorgfältig angewendet wurde , so fing ich , wenn ich mir auch bisher einen großen Vorwurf nicht hatte machen können , dennoch an , mit viel mehr Ordnung als bisher nach einem einzigen Ziele während einer bestimmten Zeit hinzuarbeiten , während ich früher , durch augenblickliche Eindrücke bestimmt , mit den Zielen öfter wechselte , und , obwohl ich eifrig strebte , doch eine dem Streben entsprechende Wirkung nicht jederzeit erreichte . Ich machte mir nun zur Aufgabe , eine bestimmte Strecke zu durchforschen , und im Verlaufe überhaupt nichts liegen zu lassen , was von Wesenheit wäre , aber auch nichts auf eine gelegenere Zukunft zu verschieben , so daß , sollte ich bis zur Rosenzeit mit der vorgesetzten Strecke nicht fertig werden , wenigstens der Teil , den ich vollendete , wirklich fertig wäre , und ich auf genau umschriebene Ergebnisse zu deuten im Stande wäre . Das sah ich nach dem Beginne der Arbeiten sehr bald , daß ich mir den Raum zu groß ausgesteckt hatte ; aber auch das sah ich sehr bald , daß der kleinere Raum , den ich überwinden würde , mir mehr an Erfolg sicherte , als wenn ich wie in meiner Vergangenheit durch geraume Zeit den Blick so ziemlich auf alles gespannt hätte . Hiezu kam auch eine gewisse Zufriedenheit , die ich fühlte , wenn ich sah , daß sich Glied an Glied zu einer Ordnung an einander reihte , während früher mehr ein ansprechender Stoff durcheinander lag als daß eine aus dem Stoffe hervorgehende Gestaltung sich entwickelt hätte . Meine Kisten füllten sich , und stellten sich an einander . Meine Führer und meine Träger gewannen auch einen Halt in der neuen Ordnung , und es wuchs ihnen ein Zu trauen zu mir . Ich bekam eine Neigung zu ihnen , die sie erwiderten , so daß sich ein fröhliches Zusammenleben immer mehr gestaltete und die Arbeit heiter und darum auch zweckmäßig wurde . Oft , wenn wir abends in der Wirtsstube um den großen viereckigen Ahorntisch , oder , da die Tage endlich heißer wurden , statt an den toten Brettern des Tisches draußen unter den lebenden und rauschenden Ahornen saßen , um welche ein fichtener Tisch zusammen gezimmert war , und auf welche das viel fenstrige Gasthaus heraus sah , rechneten sie sich vor , was heute , was seit vierzehn Tagen geschehen sei , wie viel wir , wie sie sich ausdrückten , abgetan haben , und wie viel Gebirge zusammen gestellt worden sei . Sie fingen auch bald an , die Sache nach ihrer Art zu begreifen , über Vorkommnisse in den Gebirgszügen zu reden und zu streiten und mir zuzumuten , daß