wie ' s gekommen ist , du würdest mir rechtschaffen Recht geben . « Johannes aber erwiderte : » Ihr werdet es erfahren , daß Niemand gegen meine Amrei was haben kann , der sie nur eine Stunde gesehen hat . « Und er hatte ein gutes Mittel , die Mutter nicht nur zu beschwichtigen , sondern auch innerlichst zu erquicken , indem er ihr berichtete , wie alles Das , was sie als Mahnung und Erwartung ausgesprochen habe , wie » angefremt « ( bestellt ) eingetroffen sei , und sie mußte lachen , als er schloß : » Ihr habt den Leisten im Kopf gehabt , nach dem die Schuhe da oben gemacht sind ; und die drin herumlaufen soll , paßt wie gegossen darauf . « Die Mutter ließ sich beruhigen , und am Samstag Morgen vor dem Familienrath kam Dann , er mußte aber sogleich wieder zurück nach Haldenbrunn , um dort bei Schultheiß und Amt alle nöthigen Papiere zu besorgen . Der erste Sonntag war ein schwerer Tag auf dem Hofe des Landfriedbauern . Die Alten hatten Amrei angenommen , aber wie wird es mit der Familie werden ? Es ist nicht leicht in solch eine schwere Familie zu kommen , wenn man nicht mit Roß und Wagen hineinfährt und allerlei Hausrath und Geld und eine breite Verwandtschaft Bahn macht . Das war ein Fahren am nächsten Sonntag vom Oberland und Unterland her zum Landfriedbauern . Es kamen angefahren die Schwäger und Schwägerinnen mit ihrer Sippe . » Der Johannes hat sich eine Frau geholt und hat sie gleich mitgebracht , ohne daß Eltern , ohne daß Pfarrer , ohne daß Obrigkeit ein Wort dazu gesagt . Das muß eine Schöne sein , die er hinter dem Zaun gefunden . « So hieß es allerwärts . Die Pferde an den Wagen spürten , was beim Landfriedbauern geschehen war , sie bekamen manchen Hieb , und wenn sie ausschlugen , ging es ihnen noch ärger , und wer da fuhr , hieb drauf los , bis ihm der Arm müde wurde , und dann gab ' s noch manchen Zank mit der Frau , die daneben saß und über solch ungebührliches , waghalsiges Dreinfahren schimpfte und weinte . - Eine kleine Wagenburg stand im Hofe des Landfriedbauern und drin in der Stube war die ganze schwere Familie versammelt . Mit hohen Wasserstiefeln , mit nägelbeschlagenen Schnürschuhen , mit dreieckigen Hüten , wo bei dem Einen die Spitze , bei dem Andern die Breite nach vorn saß , war man beisammen . Die Frauen pisperten unter einander und winkten dann ihren Männern oder sagten ihnen leise : sie sollten nur sie machen lassen , sie wollten den fremden Vogel schon hinausbeißen , und es war ein bitterböses Lachen , das entstand , als man bald da , bald dort hörte , daß Amrei die Gänse gehütet habe . Endlich kam Amrei , aber sie konnte Niemand die Hand reichen . Sie trug eine große Glasflasche voll Rothwein unterm Arm und so viel Gläser und zwei Teller mit Backwerk , daß es schien , sie habe ganz allein sieben Hände , jedes Fingergelenk war eine Hand , und sie stellte Alles so ruhig und geräuschlos auf den Tisch , auf dem die Schwiegermutter ein weißes Tuch ausgebreitet hatte , daß Alle sie staunend betrachteten . Sie schenkte ruhig alle Gläser voll , sie zitterte nicht dabei , und jetzt sagte sie : » Die Eltern haben mir das Recht gegeben . Euch von Herzen willkommen zu heißen . Jetzt trinket . « » Wir sind ' s nicht gewohnt des Morgens ! « sagte ein schwerer Mann mit ungewöhnlich großer Nase und flätzte sich auf seinem Stuhle weit aus . Es war Jörg , der älteste Bruder des Johannes . » Wir trinken nur Gänsewein ! « sagte eine der Frauen und ein nicht sehr verhaltenes Lachen entstand . Amrei fühlte den Stich wohl , aber sie hielt an sich und die Schwester des Johannes war die Erste , die ihr Bescheid that und das Glas ergriff . Sie stieß zuerst mit Johannes an : » Gesegne dir ' s Gott ! « Nur halb stieß sie mit Amrei an , die auch ihr Glas hinhielt . Nun hielten es die andern Frauen für unhöflich , ja sogar für sündhaft - denn es gilt beim ersten Trunk - dem sogenannten Johannestrunke , für sündhaft , nicht Bescheid zu thun - nicht auch zuzugreifen und auch die Männer ließen sich dazu bewegen , und man hörte eine Zeitlang Gläser klingen und wieder absetzen . » Der Vater hat Recht , « sagte endlich die alte Landfriedbäuerin zu ihrer Tochter , » die Amrei sieht doch aus , wie wenn sie deine Schwester wär ' , aber eigentlich noch mehr sieht sie der verstorbenen Lisbeth ähnlich . « » Ja es ist Keines verkürzt . Wenn ja die Lisbeth am Leben geblieben wär ' , wär ' das Vermögen ja auch um einen Theil geringer , « sagte der Vater und die Mutter setzte hinzu : » Jetzt haben wir sie aber wieder . « Der Alte traf den Punkt , der Alle wurmte , obgleich sie sich Alle einredeten , daß sie gegen Amrei nur eingenommen seien , weil sie so familienlos dahergekommen . Und während Amrei mit der Schwester des Johannes sprach , sagte der Alte leise zu seinem ältesten Sohne : » Der sieht man nicht an , was hinter ihr steckt . Denk ' nur , sie hat im Geheimen einen gehauften Sack voll Kronenthaler gehabt ; aber mußt Niemand was davon sagen . « Das ward so unweigerlich befolgt , daß binnen wenigen Minuten Alle in der Stube es wußten , bis auf die Schwester des Johannes , die sich später viel zu Gute drauf that , daß sie mit Amrei so gewesen sei , obgleich sie geglaubt hatte , daß Amrei keinen Heller besitze . Richtig ! Johannes war hinausgegangen und jetzt kam er