' s ersparen können , mit dir zu reden ; aber darum grad hab ich dich ja hieher bestellt , denn mit dir ist mir ' s nicht verboten . « » So red , daß man weiß , wie man mit dir dran ist . « » Sieh , Jerg , wie ich die Stell bei meinem Vetter besetzt gefunden hab und ist meines Bleibens nicht gewesen , da ist mir die Welt auf einmal vorkommen wie ein groß Wasser , in das ich gestoßen bin und untergesunken bis an Hals . Ich hab auch die Welt erst kennenlernen und hab jetzt eingesehen , daß es nicht so leicht ist , in dem Wasser zu schwimmen , als ich vorher gemeint hab , und hab keine Gelegenheit hinausgelassen , mit verständigen Leuten drüber zu reden , die in der Welt herumgekommen sind . Sieh , überall ist alles zünftig , und da kann man nicht so hineinsitzen , wie man will . Das kann nur der , der ein Geschäft ererbt oder so viel Geld hat , um sich eins zu kaufen . Andere schlupfen hinein , indem sie eine Meisterstochter oder Witwe heiraten , und dabei muß man oft ein Aug zudrucken und dem Teufel ein Bein brechen , auch oftmals einen krummen Buckel machen , bis man allen recht ist , die ein Wort mitzureden haben , oder man muß gar zum schlechten Kerl werden , seinen Eid brechen und seinen Schatz sitzenlassen , vielleicht mit dem Kind dazu . Wieder andere kommen gar nicht hinein und bringen ' s ihr Lebtag zu nichts . Ich hab glaubt , wenn ich die Christine nachkommen ließ und tät ihr einen Dienst verschaffen , so könnten wir , jedes in seinem Dienst , nach und nach einiges erübrigen und einander zuletzt heiraten . Aber Kutz Mulle , blas Gersten , da könnten wir dienen und ledig bleiben unser Leben lang . Ja , wenn mein Vetter mich hätt bei sich behalten können und hätt mich vielleicht liebgewonnen , der hätt mich auf die ein oder ander Art versorgen können , so daß ich gar nicht mehr zurückgekommen wär und die Christine auswärts geheiratet hätt . So aber ist das nichts gewesen , und ich bin auf einmal rat- und hilflos dagestanden in der weiten Welt . Mein Vetter hat mich zwar liebreich gehalten und hat mich heißen als Gast bleiben ; aber ich bin mir eben fremd vorkommen und hab ihm nicht in die Länge beschwerlich sein wollen . Ich sag dir , Jerg , ich bin dir ganz verzagt gewesen und hab nicht mehr gewußt , wo aus noch wo ein , grad wie ein Kind , das aus seinem Bett gefallen ist , und tappt in der Nacht herum und kommt nicht mehr zurecht , oder wie einer , der das Wasser am Kinn spürt und keinen Boden unter den Füßen mehr und in der Angst nach einem Strohhalm langt . Du magst vielleicht denken , ich hätt doch versuchen sollen , anderswo in der Fremde in einem Dienst unterzukommen . Aber ich hab kein Glück : das hab ich gleich gesehen , wie ' s bei meinem Vetter nichts gewesen ist . Und wenn ich bei fremden Leuten in Dienst gangen wär , so hätt ich damit eine große Scheidewand zwischen mir und meinem Vater aufgerichtet und hätt ihm gezeigt , daß ich ihm Trotz bieten will ; wenn mir ' s nachher in der Welt nicht geglückt wär , wie ' s wahrscheinlich ist , so wär mir die Heimat zugeschlossen gewesen , und ich hätt der Christine zweimal nicht Wort halten können , was mir doch die Hauptsach ist . Auch ist mir ' s durch den Kopf gefahren , beweisen kann ich ' s freilich nicht , daß des Gerichtsschreibers Sohn von Boll , der mich bei meinem Vetter verdrängt hat , weil er schon vor mir Anwartschaft gehabt hab , daß der vielleicht meinem Vetter einen Floh ins Ohr gesetzt hat - « Er stockte . » Von wegen deiner Liebschaft ? « meinte Jerg . » Nein « , sagte Friedrich und ließ die Stimme sinken , » er hat ' s ihm vielleicht gesteckt , ich sei nicht ganz hautrein und sei schon in Ludwigsburg gewesen . « » Das wär aber liederlich , das wär schlecht ! « sagte Jerg . » Ich trau so einem Schreiberssöhnle nicht viel Guts zu ; er hat vielleicht besorgt , ich könnt ihm doch vielleicht noch den Rang ablaufen , und das wär auch keine Kunst für mich gewesen . Kurzum , ich bin auf einmal wie an der Welt End gestanden , wo sie mit Brettern vernagelt ist , und hab mir sagen müssen , daß da eben nichts übrigbleibt , als umkehren und gute Wort geben . Wie ich dann vollends bedacht hab , was das einen Spott und ein Gelächter geben wird , wenn ich schon wieder komm , und hab ' s doch nicht anders machen können , wenn ich nicht alle Brücken zwischen mir und meinem Schatz hab abwerfen wollen , da ist mir der Mut ganz und gar gesunken , und hab nichts mehr vor Augen gesehen , als daß ich eben jetzt alle Schmach muß auf mich nehmen und zu Kreuz kriechen . Herr Gott , wie ich noch ein Bub gewesen bin und hab Schläg kriegt , da hab ich nicht gemuckst und hab sagen können : Ich will noch mehr ! daß mein Vater schier verzweifelt ist . Und jetzt , wo ich groß bin , hab ich dir Brief nach Haus geschrieben - Brief - ich sag dir , Jerg , der jämmerlichst Bettler schreibt nicht erbärmlicher und demütiger . Aber ich hab eben gar nichts anders mehr gewußt , und - die Heimat ist halt doch das Best in der Welt . Doch hab ich bloß Gehorsam versprochen . Aber das hat mich nichts genutzt . Wie man einmal gesehen hat