mit Fruchtbarkeit und Schönheit . Was unser Himmel bietet , fand man auf der Insel , der Hafen von Kastron war gefüllt mit Schiffen aller Nationen , und hundertzwanzigtausend thätige , wenn mit der türkischen Herrschaft und ihrer Willkür auch nicht zufriedene , so doch ruhige und fleißige Menschen bewohnten die Insel . Das kam , weil von Constantinopel selbst uns Schutz und Schirm gegen die Tyrannei wurde , unter der unsere Brüder auf den Cycladen und dem Festlande seufzten , denn Chios gehörte Fatme Sultana , der Schwester des Großherrn , als Eigenthum , und sie bezog jährlich nicht weniger denn zwölfhundert Beutel7 von unserer Insel , die den Mastix erzeugt wie kein anderer Ort in der Levante . Wie bald sollten wir Jene beneiden lernen ! Ich war in Ipsara geboren , aber schon als Knabe in das Haus Deines Vaters gekommen und hatte ihn auf vielen Reisen nach Athen , selbst nach Triest und Constantinopel begleitet . Der Name Deines Vaters war geachtet und er zählte zu den Patrioten , die über dem Gewinn des Handels und dem Klange des Goldes nicht vergaßen , daß der Besitz ihrer Habe , ja ihrer Familie und ihres Lebens nur Schein und von der Willkür des Muselmannes abhängig war , daß unser heiliger Gottesdienst nur gegen schwere Geschenke an die Machthaber geduldet wurde und jedes Rechts entbehrte , daß die Ehre unserer Frauen und Töchter das Spiel der Lüste unserer Herren blieb und der Moslem verächtlich vor dem eingebornen Sohne des Landes ausspie und ihn Giaur nannte , wenn er demüthig an ihm vorüberging . Wir waren elender , als das von Gott verfluchte Volk der Erde ist ! Es bestand damals - und man hat mir erzählt , daß er seit mehr als hundert Jahren unter meinem Volke bestanden - ein geheimnißvoller Bund , Elpis8 genannt , der über das Festland und alle Inseln , ja weit hinein nach Asien und über Byzanz hinaus ging und alle Besseren , Tugendhaften und Tapferen unseres Volkes in seinen Reihen zählte . Wo die tausend Felseninseln wie Sterne auf dem blauen Meere schwimmen , da giebt es kleine Eilande , unzugängliche Berge , auf die sich freie Männer geflüchtet haben und wohin noch nie der Fuß eines Moslems ungestraft gekommen ist . Hier ist die Wiege der griechischen Freiheit , und aus diesen Felsenbuchten , in deren Schutz die Häupter der Elpis sich alle vier Jahre zu versammeln pflegen , ging der ewige Krieg aus , den , von den Franken verlassen , unser Volk wenigstens im Einzelnen seit Jahrhunderten gegen die Ungläubigen geführt hat . Frei wie der Palikare auf den Bergen Livadien ' s und des Taygetos war der Capitano , der auf seiner schwarzen Felucke mit kühnen Männern das Aspri Thalassa9 durchstrich und leicht , wie die Schwalbe die Lüfte durchzieht , hinauf bis zum weißen Lemnos zog oder vor dem Golf von Saloniki kreuzte , und überall den schwerfälligen Moslem , den habgierigen Franken überfiel und besiegte . Dein Vater , Gregor , gehörte seit Jahren der Elpis an , und als die Stunde gekommen war , wo auf dem Festlande die Fahne des Kreuzes gegen den unerträglichen blutigen Druck erhoben werden sollte , eilte er dahin . Wundert Euch nicht , daß ich , ein schlichter Kameeltreiber , so genau die Geschichte meines Landes kenne , aber die Namen , die ich nenne , sind mit Blut in die Tage meiner Jugend geschrieben . Vom Norden , vom großen Czar aus Moskau her kam auch damals der Ruf unserer Freiheit . Fürst Ypsilanti zog in das Land ein , das an dem großen Strome liegt , der uns von unsern russischen Brüdern scheidet10 , aber die heilige Schaar11 fiel unter der türkischen Uebermacht , und der Großherr in Constantinopel schwor bei seinem Barte , Alles zu vertilgen , was Grieche hieß in diesem Lande12 . Auch zu uns kam die Kunde , wie man in Constantinopel , in Smyrna und Salonichi alle Kirchen zerstört , wie man unser Volk beraubt und gemartert , unseren ehrwürdigen Erzbischof , den heiligen Gregorius13 , ermordet hatte . Da entbrannte in den Herzen unseres Volkes die heilige Flamme und überall schlug das Feuerzeichen der Freiheit empor ! Von Achaja aus tönte der erste Ruf , und als der Erzbischof von Patras14 das Kreuz aufrichtete , da klang es wieder in Aetolien , wie in Attika , Akarnanien und Livadien ; auf Spezzia , Ipsara und Hydra , auf Samos wie im Epirus und Thessalien , wo die tapferen Sulioten und Agraphen sich mit dem Löwen von Janina15 verbanden , der längst schon am türkischen Joche gezerrt . Der alte Held Kolokotroni zog mit seinen Klephten daher , der edle Nikitas , Petros Mauromichalis , der Bey der Marina ! Mit Wonne hörten wir jede Kunde , die Schiff um Schiff uns brachte , aber Chios wagte es nicht , laut in den allgemeinen Jubelruf einzustimmen , denn Vehid Pascha der Gouverneur hatte Zehn der angesehensten Chioten nach Constantinopel als Geißeln geschickt und nahm jetzt aus jedem Dorfe zwei Primaten16 und warf sie in die Kerker von Kastrone , um sich gegen einen Aufstand zu sichern . Dein Vater , Gregor , war , zeitig gewarnt , auf den Ruf Maurokordatos ' , seines Freundes , der auch aus Chios stammte , nach Attika geeilt . Mich , ich war damals achtzehn Jahre alt , ließ er bei seiner Familie zurück , denn Deine Mutter trug Dich noch an der Brust und selbst Dein Bruder Andreas zählte erst vier Jahre . In dem Landhause Deiner Familie , an der Bucht von Volisso , glaubte er sie vor allen Stürmen geschützt und ich mußte ihm auf das Kreuz schwören , sie nie zu verlassen . « Gregor reichte dem alten Diener seiner Familie die Hand . » Vater Michael , « sagte er weich , » und die Mutter , die jetzt Beide im Himmel sind , bezeugen dort Oben , wie treu