nach himmlischer Stärke ergänzt würde ! Leider trafen diese Befürchtungen ein . Als Prinz Egon , neunzehn Jahre alt , in der Residenz mit der Mutter zusammentraf und die Universität beziehen wollte , schrieb sie mir , wie kalt , ich wiederhole ihre Worte , wie kalt sie sein Herz gefunden hätte . Eis , sagte sie , gab er mir für die Glut meiner Liebe . Ich suchte sie damals zu trösten ; ich verfiel , ich weiß nicht wie , auf die Wendung , daß vielleicht einmal ein großes Unglück ihm heilsam werden könnte . Diesen Gedanken hielt sie , als sie nach Hohenberg zurückkam , mit auffallender Zähigkeit fest . Immer wieder kam sie darauf zurück , daß man nur durch Trübsale und Prüfungen zur Erkenntniß seines wahren Heils gelange . Und Wahrheit , Wahrheit , Wahrheit ! rief sie eines Tages ganz krampfhaft aus und sank erschöpft in ihren Sessel zurück . Die zerrütteten Finanzen des Vaters gaben viel Veranlassung , dem Prinzen fühlbar zu machen , wie abhängig er doch im Grunde von äußern Umständen und Bedrängnissen war . Aber der Bruch blieb . Mit dem Vater und der Mutter zerfallen , lebte er auf der Universität , ich kann wol sagen , wild in den Tag hinein , schrieb oft in einem halben Jahre nur einmal nach Hause ; dem Vater ohnehin nie . Zuletzt bezog er die Summen , deren er benöthigt war , vom Herrn Justizrath Schlurck , der ihm auch den Tod der Mutter , später den des Vaters anzeigte . In den letzten Wochen vor ihrem Tode hatte die Fürstin die Freude , auf Anlaß ihrer immer mehr zunehmenden Krankheit noch einen hingebenden , recht zärtlichen Brief von ihrem Sohne zu erhalten . Sie küßte ihn unter Thränen , sagte dann aber , ernst sich aufrichtend und auf ein Bild des Erlösers blickend : Der ist die Wahrheit und das Leben ! - Sie hatte damals noch ihre letzten Kräfte zusammengerafft , um ihr Testament , ein längeres Vermächtniß , an ihren Sohn niederzuschreiben . Ob es in die Hände des Vaters gekommen ; ich weiß es nicht . Sie starb , ich wiederhole Brigitten ' s Erzählung , mit dem sonderbaren Ausrufe : Das Bild - ! Mit diesen , wahrscheinlich auf ein Crucifix sich beziehenden Worten lähmte ein Schlag die Zunge und wenige Augenblicke darauf war sie verschieden . Auf jenen letzten Ruf der Fürstin hin , ergänzte der inzwischen leise schleichend eingetretene Bartusch die eine feierliche Stille verbreitende Erzählung ; auf diesen Ruf hin hat der Fürst beim Verkauf des Nachlasses seiner Gemahlin auch angeordnet ... Bartusch stockte , mit einem Blick auf den Geheimrath , der vom Tode nicht gern erzählen hörte . Was angeordnet ? fragte man allgemein . Ich vermuthe wenigstens , sagte Bartusch , den Geheimrath dreist fixirend ; ich vermuthe , daß die letztwillige Erklärung des verstorbenen Fürsten , alle Familienbilder auf Hohenberg sollten dem Sohne übergeben und von dem Verkauf an das königliche Haus ausgeschlossen bleiben , auf diesen letzten Worten seiner Gemahlin beruht . Der Geheimrath machte eine unruhige Bewegung . Herr von Zeisel glaubte ihn zu verstehen und fiel rasch ein : O , mein Herr Bartusch , es ist diese Anordnung doch wol nur die schuldige Rücksicht eines berühmten Geschlechts auf seine eigene Ehre oder sozusagen ... den Glanz seines Hauses . Nicht wahr , Eugenie ? Eugenie , seine Gemahlin , bestätigte diese Worte mit einem kurzen vornehmen : Allerdings ! Sie war eine geborene von Nutzholz-Dünkerke . Nun ! Nur soviel weiß ich , vertheidigte sich Bartusch mit vieler Trockenheit und wollte den ihm von der Justizräthin zugeworfenen Wink nicht verstehen ; soviel weiß ich , die Fürstin war ohne alles Vermögen . Prinz Egon konnte ein mütterliches Eigenthum nicht beanspruchen . Die Familienbilder und eine aus der Verwaltung des Schuldenwesens für ihn sich herauswerfende Apanage von jährlichen sechstausend Thalern bilden in diesem Augenblick seinen ganzen Besitz . Es wird ihm in Deutschland nicht lange behagen , zumal wenn es wahr ist , daß er Bier trinkt , in die Vereine der Handwerker geht , Colonieen stiften will und ähnliche Phantastereien treibt , mit denen man sich bei uns höchstens eine vorübergehende Popularität erwirbt , aber die vielen Feinde , die sich das Haus Hohenberg so schon zugezogen hat , in den obern Regionen leicht vermehren würde . Frau von Reichmeyer , die es fühlte , daß sie zu lange geschwiegen hatte , um nicht für beschränkt zu gelten , ergriff diese Gelegenheit zu der Frage : Woher kommen nur diese Feinde ? Liebe Schwester , sagte Eugen , wer kein Geld hat , hat keine Freunde , und keine Freunde haben ist soviel , wie Feinde haben . Der Fürst , erklärte Herr von Zeisel , setzte leider seine Würde zu oft aufs Spiel und verdarb es mit denselben Protectoren , denen er es mislich , ja schwer machte , das Wohlwollen , das sie für ihn fühlten , immer auch öffentlich zu zeigen ... Nein , nein , seien Sie aufrichtig , fiel Stromer ein . Verschweigen Sie nicht , Herr Justizdirector , wovon wir bei unsern nähern Beziehungen zur Fürstin so oft Gelegenheit hatten , uns zu überzeugen ; verschweigen Sie nicht , daß es wirklich eine geheim angelegte sonderbare Mine der Intrigue gegen die Fürstin gegeben hat ! Sie wissen , wie oft sie über die Bosheit und Heuchelei der Menschen bei wirklich räthselhaften Veranlassungen klagte . Sollte Ihnen entfallen sein , welche Namen sie nicht selten als die ihrer ärgsten Feinde bezeichnete ? Ich erinnere Sie an eine Dame - Stromer hielt absichtlich inne . Herr von Zeisel wurde unruhig , überroth , seine Gemahlin erblaßte , Beide blickten erschrocken bald auf den heute sehr tapfern , angeregten Pfarrer , bald auf Herrn von Harder , dem seit Erwähnung der Bilder dies Gespräch verdrießlich , ja unehrerbietig erschien . Genug , sagte Stromer . Die Feinde des fürstlichen Hauses mögen verschuldete