Junge kann ein Glas Wasser färben mit einigen dunkeln Tropfen , aber getrübtes Wasser klar machen , gesalzenes Wasser wieder süß , eine überpfefferte Suppe genießbar , das kann kein dummer Junge , das kann mancher Gelehrte nicht , es ist Arbeit für eine höhere Hand . Es ist gar wunderbar , wie die Mischungen in den Gemütern sich machen , und wer achtet auf die Tropfen alle , welche in die Gemüter fallen , sie zuckern oder pfeffern , säuren oder salzen , und wer verstehts , Salz und Pfeffer zu tun ans rechte Ort , wieder wegzubringen vom unrechten und zu passender Zeit ? Mädi hatte einen von den Köpfen , für welche man im Bernerland ein prächtig Wort hat , das Wort » eitönig « , einen Kopf , in welchem nur ein Ton Platz hat , und klingt der einmal , weder mit Liebe noch Gewalt ein anderer Ton hervorzubringen ist , im Gegenteil , je mehr man es anders tönen machen will , desto stärker tönet der gleiche alte Ton . Indessen der Krug geht so lange zum Wasser , bis er bricht . Den Melker ertappte man freilich nicht als Dieb , fand weder Eier noch Milch mehr , aber die Kühe bekamen kranke Euter , die Milch ward ziegerig . Uli , der sich auf Kühe verstund , suchte alsbald die Schuld beim Melker . Er sah ihm zu , er visitierte einige Male die Kühe , ob der Melker etwa nicht gehörig ausmelke , Milch in den Eutern lasse , was höchst verderblich ist , aber er fand alles in der Ordnung . Er ging zu einem Vieharzt , der war ein schlauer Kundius und half ihm auf die Spur . » Sieh , « sagte dieser , » das ist von den Feinern einer , dem kannst lange aufpassen , der riecht hinten und vornen , nimmt nicht die leere Guttere zur gewohnten Zeit zum Melken und stellt sie neben sich , als hätte sie das Recht dazu oder läßt einzelne Kühe oder Stricke an den Eutern ungemolken ; der rupft dir an den Kühen , wenn er sich ganz sicher weiß , um Mitternacht , um Mittag , kurz wenn nichts zu furchten ist . Der treibt das nicht zum erstenmal und nicht zum letzten . Was willst du dich plagen , dich auf die Lauer legen , bis du halbtot bist Mach daß du von ihm kömmst so bald als möglich . Begehre mit ihm auf aus dem ff wegen den kranken Kühen , sage ihm , er sei ein Bub , kein Melker ; vielleicht wirft er dir den Bündel dar , und magst du ihn nur mit dem kleinen Finger erreichen , so hebe ihn auf und mach Weihnacht . Der Lumpenkerl verpfuscht dir in einem Jahr zehnmal mehr , als sein Lohn beträgt . « Das begriff Uli , aber der Melker biß nicht in den Apfel , der wollte nicht töricht sein und um seinen Platz kommen , ehe das Jahr um war ; er nahm seinen Worten gehörig das Maß und sagte höchstens , er sei schon an manchem Orte Melker gewesen , noch habe ihm niemand gesagt , er könne nicht melken , man solle doch seine Zeugnisse nachsehen , ob was darin stehe , daß er nicht melken könne , den Kühen die Euter verderbe . Aber was für ein Meister er sei , sei zu Stadt und Land bekannt , und wenn er ihm nicht recht sei , könne er ihn senden , er gehe auf sein Geheiß die erste Stunde , aber dann wolle er auch den Lohn für das ganze Jahr nach Brauch und Gesetz . Das war Uli auch nicht anständig , er marterte sich lieber mit Zorn , Angst und Aufpassen , ward immer saurer und übler im Gemüte ; es war nichts mehr da , welches die Wolken zersetzte , den Nebel auflöste , die finstern Stimmungen abklärte in milde und freundliche . Sonst tut dieses das Auge Gottes oder das Licht von oben , wenn eine Seele sich ihm aufschließt , hinein die hellen Strahlen leuchten , oder es tuts der Hauch der Liebe , wenn er leise säuselt um die düstere Stirne , oder es tuts eines Kindes Lächeln , wenn es dem beängstigten Vater aufgeht wie dem Verzagten der Regenbogen , das Zeichen der Gnade und Verheißung am Himmel . In die Dornen und Disteln des Lebens drangen die hellen Strahlen nicht mehr , die Nebel der Welt waren zu dick , Lächeln und Liebe vermochten nichts mehr über sie . Nichts drang mehr durch und gab lichtere Stimmungen als der Gewinn an einem Roß , welches schlecht war und für gut hatte verkauft werden können , das Rühmen des Müllers , wenn er Uli Korn abdrang , oder Späße des Wirtes , wenn er Uli für eine Kuh zehn Taler mehr versprach , als irgend ein Metzger geboten , indessen einstweilen nicht bar zahlte . » Sieh , « sagte er gewöhnlich , » du kannst das Geld haben , welche Stunde du willst , aber du hast es nicht nötig , ich weiß es , willst es ja nur beiseitelegen , um im Frühjahr den Zins zu machen . Bis dahin verdient mir das Geld viel , jetzt ist mit bar Geld viel zu machen ; dein Schade solls nicht sein , und einem Freund wirst doch einen Gefallen tun . Hör , Uli , ich habe es meiner Frau schon manchmal gesagt , lieber ist mir auf der ganzen Welt niemand als du , man kann das Land auf und ablaufen , ehe man dir einen Gespan findet . Unter Tausenden kömmt Keiner so weit , in ein paar Jahren bist ein Mann , und wenn du nicht noch Ammann wirst , so verstehe ich mich auf nichts mehr . Ja Uli , so ists ! Frau , hol eine Flasche vom Bessern . « Von Geld war keine Rede