Erregung gewahrte . Halb verwirrt vor Angst , erzählte sie ihm den gestrigen Vorfall und daß Louis mit Kronberg hart an einander gerathen ; sie bat ihn , einen von Beiden zu bewachen , um ein noch schlimmeres Zusammentreffen zu verhindern . Wir haben Kronberg eben auf der Promenade begegnet , schloß sie verlegen , er fuhr an uns vorüber . Das eine Wort war dem gewandten Franzosen genug , er wußte sogleich mit wem , und errieth das Uebrige . Nach wenigen Minuten verließ er seine schöne Freundin , um Louis zu besuchen , ging aber statt dessen zu Kronberg , drückte dem Bedienten , der ihn melden wollte , einen Gulden in die Hand und trat in dem Augenblicke in ' s Zimmer , als Kronberg eben seinen Schwager bei der Schulter ergriff und heftig auf ihn eindringend , wiederholend ausrief : Wer ist der Elende ? Wer hat es gesagt ? Pardon , cher Comte ! sagte der alte General und ließ im Eintreten seinen Stock fallen , den er , mit dem Rücken jenen zugewendet , äußerst mühsam aufhob . Auf diese Art gehindert , irgend etwas von dem zu sehen , was vorging , fuhr er fort : Ich kam , Sie zu bitten , mich meinem jungen Freunde Müller vorzustellen , der freilich den brillanten Offizier von Anno 8 schwerlich in mir erkennen wird . Kronberg hatte im Augenblick seines Eintritts die Hand von Louis ' Schulter zurückgezogen , ihm standen die Schweißtropfen glühender Beschämung auf der Stirn , er hatte ja seinen Schwager beinahe wie einen Bedienten behandelt ! Louis faßte sich schneller , weil das Erkennen des Generals seine Aufmerksamkeit gewaltsamer in Anspruch nahm . St. Luce ließ sich innerlich von Beiden zu allen tausend Teufeln wünschen , hielt aber Stich und ruhte nicht eher , bis er Louis ' Stimmung beschwichtigt hatte . Die außerordentliche Freundlichkeit des alten Mannes , der ihn wie einen Sohn an ' s Herz drückte , überwältigte ihn . Mit Bitten bestürmt , den General zu begleiten , der ihm durchaus Wien zeigen wollte , wandte sich der junge Krieger etwas verlegen , doch jetzt in durchaus würdiger Weise , zu Kronberg : Ich stehe Ihnen morgen zu Dienst , sagte er kalt . Auf Kronberg , der augenblicklich des schlauen Invaliden Spiel durchschaute , machte die Sache einen allmälig fast komischen Eindruck . Der alte Fuchs , dachte er innerlich , er hat ganz Recht ! Mit einem Unteroffizier kann ich mich doch nicht schlagen ! Und wegen der Capacelli ! ich ! Er reichte , plötzlich entschlossen , seinem Schwager die Hand . Vergeben Sie mir , ich bin zu rasch gewesen ! sagte er mit anmuthiger Höflichkeit ; Sie sind im Recht ! Ist ' s aber irgend möglich , so nennen Sie mir nun endlich den Namen des Verleumders , ich bitte Sie dringend darum ! Der Graf sah vollkommen beruhigt aus , und doch wogte das Blut noch in ihm , als wolle es seine Adern sprengen . Ich habe vor meinem Freunde St. Luce kein Geheimniß ! fuhr er bittend fort . Louis schwieg immer noch . Er schämte sich , die Namen des Wirthes und einiger untergeordneten Personen zu nennen , ein inneres Zartgefühl hielt ihn zurück ; er wußte , der reiche Graf würde solche Stimmen nicht gelten lassen . Morgen ! wiederholte er entschlossen . Nach secundenlangem Nachsinnen ließ ihn Roderich ruhig mit St. Luce sich entfernen . Ein ungeheurer Schmerz hatte ihn ergriffen , es war ihm klar , Anna , Anna hatte über ihn geklagt ! Anna hatte Geheimnisse vor ihm . Ein fressendes Mistrauen drängte sich in seine Seele und zwischen ihn und sie . Er ward rauh , unfreundlich , höhnisch gegen seine Frau , die diese neue Wendung seiner Laune nicht begriff und in der die Sehnsucht nach Gotthard mit jedem Tage fürchterlicher arbeitete und bohrte , wie das tödtende Eisen , das man langsam in die verwundete Brust senkt . Louis aber war wenige Stunden , nachdem er den Grafen verlassen , plötzlich heftig erkrankt ; der klimatische Wechsel oder die ungeheure innere Aufregung , die das Gespräch mit demselben erzeugen mußte und die der nur an körperliche Strapazen Gewöhnte nicht in sich zu verarbeiten vermochte , zogen ihm ein Wechselfieber zu . Anna und St. Luce besuchten ihn täglich ; Letzterem gelang es , ihm allmälig etwas ruhigere Ansichten einzuflößen und sein Betragen gegen den Grafen zu regeln . Kronberg ließ sich alle Morgen nach ihm erkundigen , ging aber nicht hin . Schweigend verdoppelte er Annens Nadelgeld . Sie muß doch anständig erscheinen können , sagte er bitter ; aber sein Benehmen blieb folternd ungleich , hart und voller Mistrauen . Jedes Gefühl seines eigenen Unrechts gegen sie war plötzlich aus seiner Seele geschwunden . So standen die Dinge , als unerwartet , wie ein Trost des Himmels , Gotthard von Berlin zurückkehrte . Am nächsten Morgen erwachte sie mit dem Gefühl : Er ist da , du wirst ihn sehen ! Und in den Vormittagsstunden kam er . Sie durchsprachen in hieroglyphenartigen Worten Alles , was während jener tödtenden Trennungszeit an Beiden vorübergezogen ; sie berührten es kaum und nur andeutend , denn bei solchem Ineinanderwachsen der Seelen bedarf es keiner langen Rede ; jeder Blick , jeder Hauch , jedes Schweigen wird verstanden . Das eben ist ja das eigentliche Glück der höheren Liebe , daß sie zwei Menschen frei macht von all den kleinen Qualen und Fesseln des Nichtverstehens und der Seeleneinsamkeit . Sie erzählte ihm auch von Louis , von seinem Betragen und seiner Krankheit und daß er nun heimzureisen gedenke , doch seltsam mit dem Entschlusse dazu zögere von Tag zu Tag , ohne eigentlichen Grund . Als er sie verließ , begegnete ihm im Hinausgehen St. Luce . Sonderbar , sagte dieser , ich bringe den jungen Müller durchaus nicht fort . Der Arzt findet ihn genesen ; sein auf unser Schreiben verlängerter