bemerkte . Hältst Du es für möglich , daß mein Sohn ehrlos genug sein könnte , wirklich an eine Heirath mit einer solchen Frau zu denken ? daß er mir , seiner Mutter , eine solche Frau zur Tochter aufzudringen denkt ? Ich hoffe , antwortete William , daß es Ihren Ermahnungen gelingt , ihn davon zurückzubringen , was bis jetzt freilich weder meinem Vater , noch mir gelungen ist . Er muß zurück , noch heute schreibe ich ihm , rief die Commerzienräthin wie außer sich , er soll und muß gehorchen . Das wird er nicht , liebste Tante , bemerkte William , und Sie würden sich , falls er Ihnen sogar gehorchte , nur der Unannehmlichkeit aussetzen , diese lästigen Verhältnisse in Ihre Nähe zu ziehen ; denn ich zweifle keinen Augenblick , daß jene Frau ihm auch gegen seine Erlaubniß hieher folgen und hier auf die Erfüllung seines Wortes dringen würde . Darum haben Sie Geduld , schreiben Sie ihm , daß Sie um das Verhältniß wissen , daß Sie es mißbilligen ; aber vermeiden Sie eine Strenge , welche ihn leicht zu offenem Widerstand , zu unüberlegten Schritten treiben könnte , da er sie von Ihnen nicht gewohnt ist . Vielleicht wäre es sogar besser , Sie überließen es dem Onkel einzuschreiten , obgleich mein Vater mir rieth , Ihnen zuerst die Mittheilung zu machen . Das war gut , war klug , sagte die Commerzienräthin , denn Dir darf ich es bekennen und Du weißt es vielleicht selbst , daß niemals ein gutes Vernehmen zwischen Ferdinand und seinem Vater herrschte . Männer vergessen es leicht , daß sie einst selbst jung und der Nachsicht bedürftig gewesen sind , und - fuhr sie fort , plötzlich umgestimmt durch den Gedanken , ihr Liebling Ferdinand könne irgendwie den Tadel seines Vaters auf sich ziehen - vielleicht ist es mit Ferdinand so schlimm nicht , als wir glauben . Deshalb versprich mir , seinem Vater nichts zu sagen , bis ich selbst eine Antwort von meinem Sohne erhalten haben werde . William versprach das , aber die Kränkung , die ihr Stolz erlitten hatte , der Schreck und die Unruhe , die sie empfunden , waren so lebhaft gewesen , daß ihre gewohnte Selbstbeherrschung sie verließ und sie von nervösen Zufällen ergriffen wurde , welche sie nöthigten , ein paar Tage ihr Zimmer zu hüten und ihr Clara ' s Pflege und Wartung unentbehrlich machten . Dadurch bekam William seine Braut , denn als solche betrachtete er die Cousine , wenig nur zu sehen . Trotzdem mußte ihm ihr Betragen auffallen , das offenbar zurückhaltender und befangener war , als sie sich ihm jemals gezeigt hatte . Er konnte nicht begreifen , weshalb sein Onkel mit keinem Worte seiner Verlobung gedachte , er sah , daß man sie wie ein Geheimniß behandelt haben müsse , und obgleich dieses gewissermaßen durch die Umstände entschuldigt werden oder selbst geboten sein konnte , fand er die strenge Beobachtung der Etiquette unter so nahen Verwandten , die alle einig und glücklich über diese Verbindung waren , übertrieben . Er nahm sich vor , sobald die Commerzienräthin wieder wohl und sichtbar sein würde , auf die Bekanntmachung seiner Verlobung mit Clara zu dringen , weil ihm seine jetzige Stellung lästig war , und er hoffte , die ungewöhnliche Schüchternheit seiner Braut werde sich von selbst geben , wenn ihr beiderseitiges Verhältniß zu einander kein Geheimniß mehr sei . Am zweiten Abende hatte sich denn auch der Zustand der Mutter so weit gebessert , daß Clara sie auf ihren ausdrücklichen Befehl verlassen mußte , um sich ihrem Bräutigam nicht unnöthig zu entziehen , der , innig erfreut , sie wieder zu haben , ihr den Vorschlag machte , mit ihm nach Berghoff zu fahren . Er wünschte , Clara möge sich nach den in der Krankenstube ihrer Mutter verlebten Tagen in freier Luft erholen und zugleich mit ihm die befreundete Familie besuchen , von der er noch Niemand gesehen hatte . Clara lehnte aber Beides ab und bat William , ihr in ihr Zimmer zu folgen , da sie ihn allein und gleich zu sprechen habe . Als sie sich in demselben allein mit ihm befand , sagte sie : Ich weiß wirklich nicht , lieber William , wie ich es machen soll , Dir zu sagen , was Du doch erfahren mußt . Du bist mir mit so herzlichem Vertrauen entgegen gekommen , so gut , so freundlich gegen mich gewesen , daß ich Dir nie genug danken kann . Sie stockte ; William sah sie verwundert an und sagte : Ist denn das Versprechen , die Meine zu werden , nicht der schönste Dank , den meine Liebe von Dir begehrt ? Das ist es eben , fiel Clara ein , was mich beunruhigt . Glaube mir , ich erkenne Deine treue Anhänglichkeit mit tiefer Beschämung , ich achte Dich von Herzen - Aber Du liebst mich nicht , rief William , sage es kurz , Clara ! Du schlägst meine Hand aus , weil ich Dir gleichgültig , oder wohl gar zuwider bin . Nein , das nicht ; gewiß , das nicht . Ich habe Dich lieb , William , von Herzen lieb , ich bin überzeugt , daß einer Frau ein schönes Loos an Deiner Seite werden muß - aber ich kann Deine Frau nicht werden . So liebst Du einen Andern ? fragte William heftig und stand auf . Ein leises , kaum hörbares Ja von Clara ' s Lippen gab ihm darauf Antwort . Er trat erschreckt zurück . Dann blieb er lange schweigend vor Clara stehen und fragte endlich , mühsam seinen Schmerz bekämpfend : Und weiß der Glückliche , daß Du ihn liebst ? Verdient er das Glück , das er mir raubte ? Er weiß es , antwortete Clara , aber glücklich ist er nicht und bin ich nicht , und können wir nie werden . Jetzt verstand er sie ; und im