diesen Musikfluten , von denen ich nicht weiß , ob sie Wert haben können für ein ander Ohr , das schadet nicht , sie reden mit mir und sagen mir volle Lebensakkorde , die ich erkenne als eins mich machend mit der Natur , das ist ' s , was mich hindert . Es ist mir , als wolle ich in Weissagungen pfuschen . - - Ja , es wird schwer gehen mit dem Lernen . Und doch ! - ich hab den Willen und tue das mögliche in dieser Einöde von Talentlosigkeit ; - und von dem Geist , der Leben in mir ist , da muß ich Abschied nehmen , wenn ich lernen will , da sag ich mir , es sei nur auf Zeiten , er werde wiederkehren der Geist , und dann fühl ich mich reif zum Abschied und sterb , wenn ich lernen will . Jetzt will ich Dir auch noch auf Deine letzte Frage antworten von der gemeinen Frau , das war kurz ehe ich von Frankfurt hier herauskam , da war ich allein von dem Bockenheimer Tor aus dem Garten , wo die Tonie wohnt , hereingegangen in die Stadt . Da begegnete mir eine Frau , der war das Band aufgegangen am Schuh , und sie konnte sich nicht bücken , denn sie ging mit einem Kinde und seufzte sehr unter ihrer Last , ich ließ sie ihren Fuß auf mein Knie stellen , um das Schuhband ihr zuzubinden , dann aber führte ich sie nach ihrer Wohnung , weil sie so sehr jammerte über Schmerzen , es war schon dämmerig , als wir in die Stadt kamen , da begegnete mir eben auch die Frau Euler , welche unser beider böser Dämon zu sein scheint , ich machte ihr eine tiefe Verbeugung zu meinem Pläsier , und schleppte die Frau weiter , die fing aber an , mir bang zu machen , denn sie seufzte so schwer und ward so blaß und der Schweiß trat ihr auf die Stirn , da kam der gute Doktor Neville , dem übergab ich die Frau , und als ich auf den Roßmarkt kam , da begegnete mir der Moritz , der sagte : » Ach , wie blaß sehen Sie aus , es fehlt Ihnen was . « » Ich habe so großen Hunger « , sagte ich - und es war auch wahr , die Angst mit der Frau hatte mir Hunger gemacht , der Moritz griff in die Tasche , die hatte er voll getrockneter Oliven , die esse ich gern , er leerte seine Tasche in meinen Handschuh aus , den ich ausgezogen hatte , um sie hineinzufüllen , da führt der Kuckuck die Lotte vorbei ; der Moritz ging , die Lotte kam an mich heran und fragte : » Wie kannst du nur auf offner Straße mit dem Moritz Hand in Hand stehen ? « Das ärgerte mich , ich ging ins Stift zu Dir herein , wo ich meine Oliven speiste und die Kerne alle in eine Reihe legte aufs Fensterbrett , Du standst neben mir und warst ganz still versunken in die Dämmerung , und endlich sagtest Du : » Warum bist Du heute so schweigsam ? « Ich sagte : » Ich esse meine Oliven , das beschäftigt mich , aber Du bist doch auch stille , warum bist Du still ? « - » Es gibt ein Verstummen der Seele , « sagtest Du , » wo alles tot ist in der Brust . « - » Ist es so in Dir ? « fragte ich - Du schwiegst eine Weile , dann sagtest Du : » Es ist grade so in mir wie da draußen im Garten , die Dämmerung liegt auf meiner Seele wie auf jenen Büschen , sie ist farblos , aber sie erkennt sich , - aber sie ist farblos , « sagtest Du noch einmal , und dies letzte Mal so klanglos auch , daß ich Dich im Nachtschimmer ansah , verwundert und verschüchtert , denn ich traute mich nicht mehr zu reden , ich sann auf Worte , wie ich mit Dir anheben sollt ; ich suchte in weiten Kreisen umher , nichts schien mir geeignet , diese Stille zu unterbrechen , die immer tiefer und tiefer sich wurzelte und mir wie einen Schlummer durch den Kopf strömte , dem ich nicht mehr widerstand - ich legte mich träumend auf die Fensterbank mit dem Kopf , und so , wer weiß , wieviel Zeit verging , da kam Licht ins Zimmer , und als ich aufsah , da standst Du über mir gebeugt und sahst auf mich , und als ich Dich fragend ansah , da gabst Du zur Antwort : - » Ja , ich fühle oft wie eine Lücke hier in der Brust , die kann ich nicht berühren , sie schmerzt ; « ich sagte : » Kann ich sie nicht ausfüllen , diese Lücke ? « - » Auch das würde schmerzen , « sagtest Du ; da reicht ich Dir die Hand und ging , und lang verfolgte mich Dein Blick , der so still war und so innerlich und doch nur wie über mir hinstreifte . O ich hatte Dich im Heimgehen so lieb , ich schlang meine Arme um Dich so fest in Gedanken , ich dacht , ich wollte Dich tragen auf meinen Armen ans End der Welt und dort Dich an einen schönen moosreichen Platz niedersetzen , da wollt ich Dir dienen und nichts Dich berühren lassen , was Dir wehtun könne ; ja , so war ' s in meinem kindischen Herzen , mit Gewalt wollt ich Dich fröhlich machen und dachte einen Augenblick , es solle mir gelingen , aber ich weiß wohl , daß mir so was nicht gelingen kann , und daß es nur Verwechslen ist von meinen Sinnen , die wie Kinder Fernes und Nahes nicht unterscheiden können , die auch meinen , sie können