großen Schmerze den Trost geben kann , den sie allein aufzufassen vermag , den nämlich : mich nicht von ihr zu trennen . Es scheint mir demnach dies Verfahren vollständig durch die Umstände gerechtfertigt , und ich muß Alles im Voraus zurückweisen , was Ihr andeuten wollt , indem Ihr dies nicht so anseht . « » Wir sind also beide entschlossen , « sprach der Marquis , und es drängte sich diesen Worten aus der Tiefe seines erbitterten Inneren eine Fülle des heftigsten Grolles nach - » und wir wollen uns beide über das , was wir thun und zulassen müssen , eine Sicherheit und Rechtfertigung verschaffen , mit der wir uns vor uns selbst und den Anforderungen der Welt zu behaupten vermögen . « » Thut das ! « erwiederte Leonin und verließ seinen Gefährten , noch wohl gerüstet für seine Absichten durch die heil ' gen und theuren Ansprüche , die an ihn in jedem Augenblicke ergingen . Der Marquis hatte die Wohnung , in die der Tod eingekehrt war , nicht wieder betreten , er hatte das Schloß bezogen und erwartete , gleich Leonin , die Ankunft des Lord Gersey mit größter Ungeduld . Dagegen war seit dem Tode des ehrwürdigen Greises der junge Graf von Crecy gegen seine Dienerschaft , wie gegen die Bewohner des Schlosses unverholen mit seiner Vermählung hervorgetreten , und hatte seine Wohnung in der Abtei genommen , um seiner leidenden Gemahlin jeden Trost gewähren zu können , dessen sie so sehr benöthigt war . Zugleich war ein Bote nach Edinburg zum Grafen Gersey gegangen mit der doppelten Anzeige des Todes und der Vermählung , und nachdem die Ueberreste des ehrwürdigen Vaters der Erde übergeben waren , verständigte sich der junge Graf mit Emmy Gray über die Anstalten zur Abreise , welche er zu beschleunigen trachten mußte , da er vor der festgesetzten Zeit seiner Rückkehr nach Paris , Fennimor nach Ste . Roche führen mußte , und dort durch seine Gegenwart ihrem Verhältnisse die Ehrbarkeit verleihen , die er ihm vorzüglich zu sichern trachtete . Er fand auch , trotz der früher erwähnten Ansicht , jetzt in Emmy eine willige und bereite Stütze , der es , sobald die Dinge , denen sie dienstbar sein sollte , ihre Zustimmung hatten , keinesweges an Verstand und Ueberlegung fehlte , die sie bald in volle Thätigkeit setzte , um ihre junge Herrschaft mit allem Erforderlichen auszurüsten . Erst jetzt , nach dem Tode ihres angebeteten Herrn , sah sie die Stütze ein , die ihre junge Herrin durch ihre Vermählung erhalten , und fing an , sich um so lieber mit dieser Maaßregel auszusöhnen , da der junge Graf , ganz gegen ihre argwöhnische Befürchtung , bemüht war , sein Verhältniß auf alle Weise zu ehren , und von seinen übernommenen Pflichten vollkommen durchdrungen schien . Zuerst ward daher der armen müdgeweinten Fennimor von ihrer eifersüchtigen Gefährtin der süße Trost zugeraunt , daß ihr Gott ja einen Gatten zur rechten Stunde gegeben , der ihr den Vater sicher ersetzen würde . Wir können nicht läugnen , daß Emmy kein Mittel hätte ersinnen können , wirksamer , das Herz der Leidenden aus ihrem maaßlosen Grame zu erheben , als diese Worte , die ihr den Geliebten aufs Neue sanktionirten , und das von der einzigen feindlichen Macht , wie sie wähnte , die der neuen Richtung ihrer Hoffnungen bis jetzt entgegen getreten war . Und so handelten alle drei in Uebereinstimmung , wobei Fennimor freilich nicht selbst thätig , sondern nur sich fügend anzutreffen war . John Gray hatte seiner despotischen Gattin versprechen müssen , sich ihrem Willen in nichts zu widersetzen ; und selbst wenig eigene Gedanken hegend , war er hierauf willig eingegangen . Sie erklärte ihm , ihre junge Gebieterin vor ' s Erste nicht verlassen zu wollen , und gab ihm die Hoffnung zu ihrer Rückkehr erst , wenn die Verhältnisse derselben dort ihre Anwesenheit unnöthig machten ; dagegen begehrte sie , daß er sich augenblicklich nach ihrer Abreise mit ihrer kleinen einjährigen Tochter auf den Weg nach England machen , und sie dort dem Bruder der jungen Gräfin Crecy , dem Pfarrer Lester , der in Yorkshire und jetzt verheirathet lebte , zum Schutze und zur Erziehung übergeben solle . Ob er selbst dort bleiben oder nach der Heimath zurückkehren wolle , stellte sie ihm mit der größten Gleichgültigkeit anheim ; und überzeugt , der Pfarrer Lester , der Emmy Gray , als Spielkameradin und treue Pflegerin der Familie , wie eine Schwester liebte , werde ihrem Kinde die Aeltern ersetzen , glaubte sie ihr Haus völlig versorgt zu haben und widmete ihm keine Aufmerksamkeit mehr . Fennimor meldete ihrem Bruder in einem Briefe , so ausführlich sie es jetzt vermochte , den Tod des Vaters und die eigene Schicksalsveränderung , und bat ihn um seinen Segen für ihre Zukunft . - Auf Niemanden jedoch machte die Entdeckung des Vorgefallenen vielleicht einen größeren und unangenehmeren Eindruck , als auf Lord Gersey . Der Tod des Sir Reginald war ein so erwartetes Ereigniß , daß es ihn völlig unberührt ließ , besonders , da er mit praktischer Umsicht schon für einen Nachfolger gesorgt , und dieser bereit war einzuziehen . Was kam aber der Bestürzung gleich , womit ihn die Vermählung des jungen Grafen von Crecy erfüllte ? - dieses Jünglings , der ihm anvertraut ward mit einem Aufgebote von Vertrauen , welches ihn auf sich selbst stolz gemacht hatte , den man bei ihm vor jedem bösen Einflusse gesichert gehalten , und der ihn selbst durch sein ganzes Verhalten so gänzlich zu täuschen gewußt hatte , daß er in die jämmerliche Lage kam , jetzt eingestehn zu müssen , er habe diesen jungen Mann nicht zu beurtheilen vermocht , dessen Geistesfähigkeiten er doch so weit unter sich geschätzt hatte . Sein Zorn verwirrte ihn zuerst über die Macht , die ihm zustand , er wollte augenblicklich den jungen Mann zwingen , seine Vermählung widerrufen zu lassen , er war