Einfluß auf seinen Entschluß hatte . Dies grade ist es , was Euern Vater beschäftigt , worüber er von Euch Auskunft hofft . - Da ich einmal angefangen habe zu sprechen , in der Hoffnung , meinen Gemahl dadurch nicht zu beleidigen , und in der Gewißheit , daß mein Vater stets die Gefühle der Gattin in mir schonen wird , so will ich jetzt , wofern sich auch meinen Worten irgend etwas gegen die Absicht meines Gemahls enthüllen lassen sollte , Euch Alles sagen , was mir selbst davon bekannt werden konnte , ohne die Grenzen überschreiten zu dürfen , die mir wohlanständig waren . Der Herzog empfing in meiner Gegenwart einen Courier vom Prinzen und reiste schon am Abende ab , indem er mir sagte , daß der Prinz ihm Dinge von Wichtigkeit mitzutheilen habe . Es hat in Bezug auf den Prinzen immer unter uns diejenige Zurückhaltung in unsern Mittheilungen geherrscht , die man sich auch in den nächsten Verhältnissen schuldig ist , wenn das Interesse Anderer dabei betheiligt ist , oder eine uns bekannte und nicht auszugleichende Verschiedenheit der Meinungen obwaltet . Ich suchte nie meinen Gemahl von diesen Zusammenkünften abzuhalten , die ihn mir oft und auf lange raubten . Ich fragte nie nach der Zeit seiner Rückkehr , wenn er nicht die Güte hatte sie mir selbst anzuzeigen ; aber eine lange Erfahrung ließ mich stets eine Trennung von mehreren Wochen fürchten . Ich ward daher sehr überrascht , als ich ihn den nächsten Tag zurückkehren sah , und der unwillkürliche Schrecken , der mich ahnend zurückbeben ließ , fand sich nur zu sehr gerechtfertigt durch das veränderte Ansehen meines Gemahls . Seine edeln , offenen Züge waren der Verstellung unfähig , und ich sah in ihnen einen sanften Schmerz , einen Ausdruck von Unruhe und eine besorgte Zärtlichkeit um mich , die mir das Herz um so mehr belastet , da ich vergeblich einer Aufklärung entgegen sah . Erst nachdem er sich und mich bis zum andern Tage mit seinem Schweigen beunruhigt hatte , erhielt ich durch die Anzeige seiner Reise nach Spanien eine theilweis traurige Auflösung . Er sagte mir nämlich , er wolle den lang genährten Wunsch meines Vaters erfüllen und ihm Robert vorstellen . Nach diesen Worten schwieg er , und ich mit ihm , denn von dem Augenblicke an ergriff mich der namenlos bittere Schmerz seines Verlustes , und die Qual des Geheimnisses , das über diesem Ereignisse ruhte , zerschnitt mir das Herz . Ich wagte ihn an die Jahreszeit , an die Abwesenheit Richmonds zu erinnern , wodurch der Wunsch meines Vaters nur halb erreicht werden könnte . Er schwieg , nahm liebevoll meine Hand und sagte mit einem Tone der Weichheit , der nie aus meinem Gedächtniß kommen wird : Ich muß dennoch reisen ! Ich nahm nun all meinen Muth zusammen und erwiederte ihm : So sei Gott mit Euch , ich werde aller Welt sagen , daß Ihr unsern Sohn meinem Vater vorstellen müßt . Nach dieser Ergebung in seinen Willen sagte er mir tausend Worte der Liebe , die mir seine Dankbarkeit verriethen , daß ich ihn schonen wollte . Aber ich täuschte mich so wenig , als er selbst . Wir wußten bei unserer Trennung , daß wir uns nicht wiedersehen würden ; unser Schmerz konnte durch nichts als durch diese Ahnung gerechtfertigt werden . Ihr wißt jetzt Alles . Es blieb mir nie ein Zweifel , daß der Prinz ihn zu dieser Reise bestimmt , zu welchen Zwecken jedoch , ist mir , wie Ihr seht , unbekannt und muß auch meinem Vater unbekannt geblieben sein , denn er kam ja nur zu ihm , um sein Sterbelager zu besteigen . Graf Archimbald fühlte sich nach der Beendigung dieser Erzählung von Theilnahme und Achtung für seine edle Schwägerin erfüllt ; dies verlieh ihm jene Wärme und Güte des Ausdrucks , der , leicht verständlich , dem Herzen so wohlthuend , besonders wenn er von Personen kommt , zu deren Gefühl man sonst schwer Zugang gewinnt . Er hat bei dem wahren und tiefen Ausdruck von Schmerz und Edelsinn , womit die Herzogin gesprochen , fast ganz den politischen Zweck der Sache vergessen , und die gefühlvollen Worte , womit er die Leidende zu ehren wußte , führten diese beiden einander so würdigen Personen für einige Zeit ohne das gewöhnliche Rüstzeug ihres Verstandes zu einander . Die Herzogin erinnerte ihn selbst an seinen Zweck , indem sie ihn bat , ihr zu sagen , ob ihr Vater aus den letzten klaren Tagen des Herzogs vor der Zunahme seiner Krankheit , die so bald seinen schönen Geist verdunkelte , über seine eigentlichen Absichten habe Schlüsse machen können , und Graf Archimbald theilte ihr nun , theils erzählend , theils lesend , Stellen aus den Briefen des Grafen mit . Der Herzog war erkrankend angekommen , dennoch nach einer kurzen Zwischenzeit , die er dem Erguß der verwandtschaftlichen Gefühle gegönnt , hatte er nach allen , auf die im Werke stehende Vermählung des Prinzen und der Infantin bezughabenden Umständen gefragt . Als aber der Graf seinerseits von ihm , als dem genauesten Freunde des Prinzen , über dessen Stimmung habe Auskunft haben wollen , sei er von ihm auf spätere Mittheilungen verwiesen worden , die nachher nicht mehr erfolgen konnten . Während seiner Phantasien war er stets mit seiner Vorstellung bei Hofe und einer Privat-Audienz bei der Infantin beschäftigt . Zuletzt rief er noch mit qualvoller Angst den Prinzen , bis Alles ohne Deutlichkeit in der Nacht seines zerstörten Geistes untertauchte . So fürchte ich , hob die Herzogin nach einer Pause an , wird mein Vater seinem eigenen Scharfsinn überlassen bleiben . Aber sagt mir Mylord , so ihr es dürft , ist über die Wünsche des Prinzen , die er , wenn ich offen mich erklären darf , so abenteuerlich durch seine Reise nach Spanien an den Tag gelegt , ein Zweifel ? und worüber ? und wohin gewendet ? Wie sonderbar