, daß sein Vetter bei ihm im Hause sei , und klagte über dessen seltsames Betragen . Der Obrist freute sich sehr auf das Zusammentreffen mit seinem jungen Freunde und bedauerte nur , daß er ihn noch nicht erblickte . Endlich trat der junge Mann , sorgfältig gekleidet , in den hell erleuchteten Saal ; sein Auge schweifte über die glänzende Gesellschaft hinweg und haftete auf der würdigen Gestalt eines Greises , der , in das Gespräch mit seinem Oheim vertieft , ihn nicht sogleich bemerkte . Eine glänzend neue Uniform , die ganze für sein Alter zwar passende , aber mit Sorgfalt gewählte Kleidung , deutete auf eine Wohlhabenheit , die den jungen Grafen irre machte und sich am Wenigsten mit seinen letzten Nachrichten vereinigen ließ ; aber das edle ihm so wohl bekannte Gesicht , die dünnen Haare , die sich silberweiß an die Schläfe schmiegten , ließen keine Zweifel . Er wollte eben vortreten und den Obristen anreden , als dieser sich umwendete und ihn erkannte . Mit väterlicher Liebe trat er dem jungen Manne entgegen , dessen Staunen ihn verhinderte , sein Gefühl auszudrücken . Sie haben mich hier nicht erwartet , rief mit Gutmüthigkeit lächelnd der Obrist nach den ersten Begrüßungen , aber kommen Sie nur , ich will Sie noch mehr in Verwunderung setzen , Sie sollen auch meine Tochter begrüßen . Betäubt hatte der junge Graf sich führen lassen und stand nun vor einem reizenden Wesen , dessen schlanke Gestalt von leichten Gewändern umschwebt , von Blumen umrankt war , und das ihm aus heitern braunen Augen mit unschuldiger und unverhehlter Freude entgegen lächelte . Der junge Graf stand verwirrt . Theresens Bild hatte ihn begleitet in allen Gefahren , in allen kummervollen und in allen besseren Stunden , aber in der Dürftigkeit war sie ihm erschienen , wie er sie gekannt hatte ; das Letzte , was er von ihr erfahren , hatte ihn in Verzweiflung versenkt , ja er mußte sie für verloren halten , und nun fand er sie hier , umgeben mit allen Zeichen des Wohlstandes , in allem Uebrigen den versammelten Damen gleich , nur daß statt der reichen Perlen , der glänzenden Steine , mit denen die andern geschmückt waren , eine feine venetianische Kette , das Weihnachtsgeschenk der Gräfin , den schlanken Hals bescheiden umschlang . Sie hier , stammelte endlich der junge Graf , wie bin ich so glücklich , Sie hier zu finden . Setzen Sie sich zu mir , sagte Therese mit vor seliger Freude feuchten Augen , ich will Ihnen Alles erzählen . Der Graf nahm einen Stuhl neben ihr ein , und die Welt umher entschwand ihm . Er horchte mit Entzücken auf die Töne , die den rothen Lippen begeisternd entschwebten ; das im schönen Gefühle der Dankbarkeit befeuchtete Auge blickte so rein , so zärtlich in das seine , daß er dem Zauber zu erliegen fürchtete ; die Fassung wollte ihn verlassen ; die Rücksicht auf die Gesellschaft entschwand ihm , und er war nahe daran , zu den Füßen des Wesens hinzusinken , das ihm wie durch ein Wunder so verschönert , so veredelt zurückgegeben wurde , nachdem es von ihm mit finster menschenfeindlicher Verzweiflung betrauert worden war . Die Gräfin hatte schon längst das Auffallende einer so langen und innigen Mittheilung in einer großen Gesellschaft bemerkt ; sie war einige Male vorbei gegangen , aber die jungen Leute waren zu sehr mit sich beschäftigt , als daß sie auf einen leichten Wink hätten achten können . Die Gräfin bot also Theresen die Hand , als hätte sie ihr etwas zu sagen , und führte sie , freundlich mit ihr sprechend , von dem jungen Grafen hinweg , dessen trunkene Augen jeder Bewegung seiner reizenden Freundin folgten . Die Musik spielte einen französischen Kontretanz , und St. Julien forderte Theresen auf , neben der die Gräfin saß , die ihrer jungen Freundin noch einige Worte zuflüsterte , worüber diese wie die schönste Rose erröthete , indem sie doch zugleich liebevoll zu der Gräfin auflächelte . Der junge Graf war mit seinen Gedanken wenig bei dem Tanze , man sah es ihm an , daß Gefühle seine Brust bewegten , die er sich vergeblich zu beherrschen bemühte . Der Tanz war geendigt , und St. Julien hatte Theresen kaum zu ihrem Sitze zurückgeführt , als der junge Graf hastig zu ihm trat , seinen Arm merklich drückte und mit bewegter Stimme ihm eilig zuflüsterte : Folgen Sie mir auf einige Augenblicke in den Garten . St. Julien war erstaunt ; der heftige Druck , das glühende Auge , die bewegte Stimme des Grafen , der schon den Saal verlassen hatte , ließen auf eine Erneuerung der Feinschaft schließen , und er folgte ihm mißvergnügt darüber , daß er ihm die wenigen Stunden der Freude zu verbittern strebte . Der junge Graf stürmte durch die Gänge des Gartens , so daß St. Julien ihn mit Mühe erreichte , und beide standen endlich auf demselben von Gebüschen umgebenen Platze , wo sie den Morgen ihr feindliches Gespräch geführt hatten . Es war eine stille , warme Nacht , der Mondschein ruhte auf dem Laube der Bäume und breitete seinen Silberschimmer über den Rasen aus , ein Springbrunnen plätscherte in der Nähe , und nur einzelne Töne der Musik klangen wie lockend zu ihnen vom Schlosse herunter . Der Graf wendete sich hier plötzlich , und indem er St. Juliens Arme , die dieser über die Brust zusammen geschlagen hatte , mit beiden Händen heftig faßte , rief er : St. Julien , ich muß reden , heute noch ; mein Herz würde sonst zerspringen ; ich könnte das Gefühl der Qual und Seligkeit nicht diese Nacht hindurch ertragen . Nicht wahr , rief er aus , indem ihm die Thränen über die Wangen strömten , es wäre lächerlich , wenn Einer von uns den Andern für feig halten wollte , da wir Beide , jeder für sein Vaterland , aus schmerzlichen