darauf machte . Außer einem kleinen Vorrat von Effekten , worunter auch jenes Gemälde und das Diarium sich befand , kam nichts an uns . - So endete der Bruder eures Vaters . Ich sage , Friede sei mit ihm ! Ich werde ihn aufrichtig beweinen bis an meinen Tod , ob ich gleich was er tat nicht billigen kann und jeden warnen muß , dem Gott ein so gefährlich Temperament verlieh , daß er den Fallstrick des Versuchers vermeide und nie die Bahn heilsamer Ordnung verlasse . Ich denke hier an meinen eigenen Sohn , an Theobald . Der Junge hat , so fromm und sanft er ist , mich manchmal schon erschreckt . So ganz das Gegenteil von mir ! So manches Übertriebene , Unnatürliche ! So heute wieder - mir läuft die Galle über , wenn ich ' s denke - was soll die dumme Neugierde auf die Fremde ? nichts , als daß seine Phantasie toll wird ! Und du , Adelheid , machst oft gemeinschaftliche Sache mit ihm , statt ihn zu leiten - Er läßt sich nicht wie andere Knaben seines Alters an . Da - stundenlang oben im Glockenstuhl sitzen , wie ein Träumer , Spinnen ätzen und aufziehen , einfältige Geheimnisse , Zettel , Münzen unter die Erde vergraben - was sind mir das für Bizarrerien ? Und daß ich einen Maler aus ihm mache , soll er sich nur nicht einbilden . Das ist das ewige Zeichnen und Pinseln ! wo man hinsieht , ärgert man sich über so ein Fratzengesicht , das er gekritzelt hat , und wär ' s auch nur auf dem Zinnteller . Wenn er einmal sonntags nachmittag zur Erholung sich eine Stunde hinsetzte und machte einen ordentlichen Baum , ein Haus und dergleichen nach einem braven Original , so hätt ich nichts dagegen , aber da sind es nur immer seine eigenen Grillen , hexenhafte Karikaturen und was weiß ich . Bei Gott ! gerade solche Possen hat Onkel Friedrich in seiner Jugend gehabt . Nein , bei meiner armen Seele , mein Sohn soll mir kein Maler werden ! Solange ich lebe und gebiete , soll er ' s nicht ! « Die Mädchen machten große Augen zu diesen Worten , denn es war beinahe das erstemal , daß der Vater über seinen Liebling entrüstet schien , und doch war auch dies nur der ängstliche Ausdruck seiner grenzenlosen Vorliebe für ihn . Endlich brach er auf und noch während des Auskleidens redete er nach seiner heftigen Gewohnheit laut mit sich selber über den störenden Vorfall des Abends . Am folgenden Morgen meldete der Knecht , daß , als er mit Tagesanbruch aufgestanden und in den Hof getreten , um Wasser zu schöpfen , das Zigeunermädchen ihm dort in die Hände gelaufen sei ; sie hätte sich nur ihr Kleiderbündel von ihm bringen lassen , um sogleich weiterzugehen . Sie habe ihm einen freundlichen Gruß an Adelheid , besonders aber an den jungen Herren befohlen . Ein Medaillon , das sie vom Halse losgeknüpft , soll man ihm als Angebinde von ihr einhändigen . Der Vater nahm das Kleinod sogleich in Empfang ; es war von feinem Golde , blau emailliert , mit einer unverständlichen orientalischen Inschrift ; er verschloß es und verbot jedermann aufs strengste , seinem Sohn etwas von diesem Auftrage kundzutun . Der junge Mensch hatte außer Adelheiden keine Seele , der er sein Inneres hätte offenbaren mögen . Er wandelte , seitdem er Elisabethen gesehen , eine Zeitlang wie im Traume . Wenn er seit seinen Kinderjahren , in Rißthal schon , so manchen verstohlenen Augenblick mit der Betrachtung jenes unwiderstehlichen Bildes zugebracht hatte , wenn sich hieraus allmählich ein schwärmerisch religiöser Umgang wie mit dem geliebten Idol eines Schutzgeistes entspann , wenn die Treue , womit der Knabe sein Geheimnis verschwieg , den Reiz desselben unglaublich erhöhte , so mußte der Moment , worin das Wunderbild ihm lebendig entgegentrat , ein ungeheurer und unauslöschlicher sein . Es war , als erleuchtete ein zauberhaftes Licht die hintersten Schachten seiner inneren Welt , als bräche der unterirdische Strom seines Daseins plötzlich lautrauschend zu seinen Füßen hervor aus der Tiefe , als wäre das Siegel vom Evangelium seines Schicksals gesprungen . Niemand war Zeuge von dem seltsamen Bündnis , welches der Knabe in einer Art von Verzückung mit seiner angebeteten Freundin dort unter den Ruinen schloß , aber nach dem , was er Adelheiden darüber zu verstehen gab , sollte man glauben , daß ein gegenseitiges Gelübde der geistigen Liebe stattgefunden , deren geheimnisvolles Band , an eine wunderbare Naturnotwendigkeit geknüpft , beide Gemüter , aller Entfernung zum Trotze , auf immer vereinigen sollte . Doch dauerte es lang , bis Theobald die tiefe Sehnsucht nach der Entfernten überwand . Sein ganzes Wesen war in Wehmut aufgelöst , mit doppelter Inbrunst hielt er sich an jenes teure Bild ; der Trieb zu bilden und zu malen ward jetzt unwiderstehlich und sein Beruf zum Künstler war entschieden . In kurzem starb der Vater am Schlagflusse . Die Kinder wurden zerstreut . Theobald ward einem wackern Manne ( dem Förster zu Neuburg ) in die Kost gegeben , von dessen Hause aus er die benachbarte Malerschule zu * * * besuchte . Nach fünfthalb Jahren fleißiger Studien fand ein reicher Gönner sich bewogen , dem jungen Manne die Mittel zu seiner weiteren Bildung im Auslande zu reichen . In hohem Grade fruchtbar ward ihm der Aufenthalt zu Rom und Florenz , aber selbst die mannigfaltigen Anschauungen dieser herrlichen Kunstwelt vermochten den Grundton jener früheren Eindrücke nie völlig zu verdrängen , deren mysteriöser Charakter zunächst in der Idee des Christlichen eine analoge Befriedigung fand . Elisabethen hat er nie wiedergesehen . Zweiter Teil Leopold ging unter tiefer Betrachtungen nach der Stadt zurück . Er kommt an dem Garten des wunderlichen Hofrats vorbei . Der Liebling des letztern , ein zahmer Star , sitzt auf dem Spitzdache eines Pumpbrunnens , über den sich eine Trauerweide neigt . Der