und aller Welt Feind . Und es konnte ihr keiner mehr etwas anhaben . Aber sehet , da sind wir schon . Lebet wohl , vielleicht daß ich Euch schon heute nacht wiedersehe . Ich steige jetzt ins Land hinab , und bringe dann dem Herrn in der Höhle Kundschaft , wie es dort unten aussieht . Vergesset nicht , an der Brücke Brief und Ring dem Herrn des Schlosses zu senden , und hütet Euch , das Siegel selbst zu brechen . « » Sei ohne Sorgen ! ich danke dir für dein Geleite , und grüße meinen werten Gastfreund in der Höhle . « Georg sprach es , trieb sein Pferd an , und in wenigen Augenblicken war er vor der äußeren Verschanzung von Lichtenstein angelangt . Ein Knecht , der das Tor bewachte , fragte nach seinem Begehr und rief einen anderen herbei , ihrem Herrn das Brieflein und den Ring zu übergeben . Georg hatte indes Zeit genug , das Schloß und seine Umgebungen zu betrachten . War ihm schon in der Nacht , beim ungewissen Schein des Mondes und in einer Gemütsstimmung , die ihn nicht zum aufmerksamsten Beobachter machte , die kühne Bauart dieser Burg aufgefallen , so staunte er jetzt noch mehr , als er sie vom hellen Tag beleuchtet , anschaute . Wie ein kolossaler Münsterturm steigt aus einem tiefen Albtal ein schöner Felsen , frei und kühn , empor . Weitab liegt alles feste Land , als hätte ihn ein Blitz von der Erde weggespalten , ein Erdbeben ihn losgetrennt , oder eine Wasserflut vor uralten Zeiten das weichere Erdreich ringsum von seinen festen Steinmassen abgespült . Selbst an der Seite von Südwest , wo er dem übrigen Gebirge sich nähert , klafft eine tiefe Spalte , hinlänglich weit , um auch den kühnsten Sprung einer Gemse unmöglich zu machen doch , nicht so breit , daß nicht die erfinderische Kunst des Menschen durch eine Brücke die getrennten Teile vereinigen konnte . Wie das Nest eines Vogels auf die höchsten Wipfel einer Eiche oder auf die kühnsten Zinnen eines Turms gebaut , hing das Schlößchen auf dem Felsen . Es konnte oben keinen sehr großen Raum haben , denn außer einem Turm sah man nur eine befestigte Wohnung , aber die vielen Schießscharten im unteren Teil des Gebäudes , und mehrere weite Öffnungen , aus denen die Mündungen von schwerem Geschütz hervorragten , zeigten , daß es wohlverwahrt und trotz seines kleinen Raumes eine nicht zu verachtende Feste sei ; und wenn ihm die vielen hellen Fenster des oberen Stockes ein freies , luftiges Ansehen verliehen , so zeigten doch die ungeheuren Grundmauern und Strebepfeiler , die mit dem Felsen verwachsen schienen , und durch Zeit und Ungewitter beinahe dieselbe braungraue Farbe , wie die Steinmasse , worauf sie ruhten , angenommen hatten , daß es auf festem Grunde wurzle , und weder vor der Gewalt der Elemente noch dem Sturm der Menschen erzittern werde . Eine schöne Aussicht bot sich schon hier dem überraschten Auge dar , und eine noch herrlichere , freiere , ließ die hohe Zinne des Wartturms und die lange Fensterreihe des Hauses ahnen . Diese Bemerkungen drängten sich Georg auf , als er erwartend an der äußeren Pforte stand , die wohlverschanzt herwärts über der Kluft , auf dem Lande den Zugang zu der Brücke deckte . Jetzt tönten Schritte über die Brücke , das Tor tat sich auf , und der Herr des Schlosses erschien selbst , seinen Gast zu empfangen . Es war jener ernste , ältliche Mann , den Georg in Ulm mehreremal gesehen , dessen Bild er nicht vergessen hatte ; denn die düsteren , feurigen Augen , die bleichen aber edlen Züge , seine große Ähnlichkeit mit der Geliebten , hatten sich tief in die Seele des Jünglings geprägt . » Ihr seid willkommen in Lichtenstein « , sagte der alte Herr , indem er seinem Gast die Hand bot , und eine gütige Freundlichkeit den gewöhnlichen strengen Ernst seiner Züge milderte . » Was steht ihr müßig da ihr Schlingel ! « wandte er sich nach dieser ersten Begrüßung zu seinen Dienern . » Soll etwa der Junker sein Roß mit hinauffahren in die Stube ? schnell , hinein mit in den Stall ; das Rüstzeug traget auf die Kammer am Saal ! - Verzeihet , werter Herr , daß man Euch so lange unbedient stehenließ , aber in diese Bursche ist kein Verstand zu bringen . Wollet Ihr mir folgen ? « Er ging voran über die Zugbrücke , Georg folgte . Sein Herz pochte bei diesem Gang , voll Erwartung , voll Sehnsucht , seine Wangen röteten sich vor Liebe und vor Scham , wenn er an die letzte Nacht und an die Gefühle zurückdachte , die ihn zuerst vor diese Burg geführt hatten . Sein Auge suchte an den Fenstern umher , ob es nicht die Geliebte erspähe , sein Ohr schärfte sich um vielleicht ihre Stimme zu vernehmen , wenn auch ihr Anblick ihm jetzt noch verborgen war . Aber umsonst suchten seine Blicke diese Mauern zu durchbohren , umsonst fing sein scharfes Ohr jeden Laut begierig auf , noch schien sie sich nicht zeigen zu wollen . Sie gelangten jetzt an das innere Tor . Es war nach alter Art tief , stark gebaut , und mit Fallgattern , Öffnungen für siedendes Öl und Wasser , und allen jenen sinnreichen Verteidigungsmitteln versehen , womit man in den guten alten Zeiten den stürmenden Feind , wann er sich der Brücke bemeistert haben sollte , abhielt . Doch die ungeheuren Mauern und Befestigungen , die sich von dem Tor an rings um das Haus zogen , verdankte Lichtenstein nicht der Kunst allein , sondern auch der Natur ; denn ganze Felsen waren in die Mauerlinie gezogen , und selbst der schöne , geräumige Pferdestall und die kühlen Kammern , die statt des Kellers dienten , waren in den Felsen eingehauen . Ein bequemer , gewundener Schneckengang führte