, nicht zornig , aber erstarrt vor dem Mißton zwischen des Vaters Dankgebet und der Mutter Lästerung : » Weib , ich meldete Deinem Gatten , daß Gott Euer Kind errettet hat . « - Was sie aber antwortete , vernahm ich nicht , ich verstand nur , daß sie mir augenblicklich ihr Haus zu verlassen gebot . Hier verließ Herrn Boswell die angewohnte Schlaffheit seines Betragens , um einem Anfall von unwürdiger Heftigkeit Platz zu machen ; er faßte seiner Gattin Arm , rief einige donnernde Worte , die ich mir nicht erinnre , warf sie zur Seite und eilte in der Kranken Gemach . - Die Frau erregte mein inniges Mitleid , aber meine Kräfte sanken so schnell , daß ich nicht , was ich gern wollte , ihr zu sagen im Stande war . Ich gehe , ich gehe , gleich gehe ich , sprach ich stammelnd , wankte nach meinem Zimmer und sank ohne Besinnung zu Boden . Eine sonderbare Betäubung bemächtigte sich nun meiner . Schwarze Schatten , von blutrothen Lichtstreifen durchkreuzt , schwammen vor meinem Blick , abscheuliche Gespenster wimmelten um mich her , und eines von ihnen , das scheußlichste , legte seine glühende Hand an meine Stirn . Dann folgte eine dunkle Hoffnung , daß alles nur ein schrecklicher Traum sey , aus dem ich bald erwachen würde , ich strebte mich aufzurichten , diesen Traum abzuschütteln - doch plötzlich sah ich mich am Rand eines Abgrunds liegen und mußte froh seyn , mich fest an die glühenden Felsen schmiegen , jede Bewegung , bei deren geringster ich nothwendig herabstürzen mußte , zu vermeiden . Doch noch einmal war ich mir bewußt , daß diese Schrecken nur in Täuschung beständen . Ich glaubte mein Zimmer zu erkennen , ich war mir bewußt , daß es bestimmte Gegenstände gäbe , an die ich denken sollte ; doch , anstatt sie zu finden , drängten Larven und Töne sich um mich , und der Gedanke , den Verstand verloren zu haben , schnitt furchtbar durch mein Gehirn . Nach einer Zeit , die ich nicht ermessen konnte , glaubte ich eine Gestalt sich mir nahen zu sehen , die ich für meine Mutter oder Miß Mortimer hielt . Ich rief sie , sie nahte sich mir , ergriff mich aber unsanft , hüllte mich in ein rauhes dunkles Gewand , das ich für mein Leichentuch hielt , und übergab mich zwei finstern Gespenstern , die mich auf ein Rad legten , das sich im Wirbel umherdrehte , bis ich alles Gefühl und Bewußtseyn des Schmerzes selbst verlierend , dem Elend dahingegeben war . Der erste Eindruck , von dem ich mir wieder Rechenschaft zu geben vermochte , war der Ton rauher , mißklingender Stimmen , die mich aus einem tiefen , schweren Schlummer zu wecken schienen . Ich öffnete meine Augen und befand mich in dichter Finsterniß . Mühselig hob ich mein Haupt empor und empfand eine scharfe Nachtluft , die in ein kleines Fenster zu meinen Füßen , doch hoch an der Wand , hereinströmte . Die Nacht war dunkel , doch unterschied ich endlich , daß es mit eisernen Gittern verwahrt sey . » Bin ich denn in einem Gefängniß ? « fragte ich mich bestürzt ? aber Schwäche senkte mein Haupt wieder nieder und ich dachte : » mag es auch ein Gefängniß seyn ! für die wenigen Momente , die ich noch zu leben habe , ist das einerlei . » Ich schloß meine Augen und meine noch immer trüben Gedanken erhoben sich sehnsuchtsvoll zu der Welt , die mir in glücklichen Tagen so fremd war und mit der mich auch die Prüfung des Unglücks noch wenig vertraut gemacht hatte . Nicht lange so vernahm ich eine weibliche Stimme , die im Ton der sanftesten Klage zu singen begann ; dann lebhafter fortfahrend , unglückliche Liebe besang , bis sie von einer ersterbenden Cadenz zum Gesprächston übergehend , in unzusammenhängenden Reden die Verwirrung ihrer Begriffe offenbarte , und sich selbst in die wildeste Heftigkeit hinein schwatzend , in die stille Nacht hinein rief . Endlich schien der Ton einer fernen Glocke ihre wandernden Gedanken in einen bestimmten Jammer zusammen zu fassen ; denn sie rief ängstlich : sie läuten , sie läuten ! und verstummte in herzbrechendem Schluchzen . - In einem Tollhaus ! sagte ich mit selbst und mein Blut erstarrte vor Schrecken ; aber er dauerte nur einen Moment . Und wenn auch ? jenseits der Pforte an der ich stehe , ist der Verrückte und der tiefste Philosoph seiner Fesseln entledigt . - O wär ich ihr wirklich so nahe gewesen dieser Pforte , welche beschämende Rechenschaft hätte ich dem Hausherrn von dem Geschäft , das er mir übertragen , geben müssen ! Heil , daß seine Welt so groß ist , um jedem Schüler Hoffnung zu geben , daß er in ihr irgendwo Raum zur Belehrung , zur Besserung finden werde ! Doch in diesem Augenblick wurden mir diese Betrachtungen nicht klar ; mein Geist war mit meinem Körper so geschwächt , daß meine Todeserwartung sehr bald in tiefen , aber dieses Mal in einen natürlichen Schlaf überging . Bei meinem auf ihn folgenden Erwachen , war es heller Tag . Ich konnte nun meinen Aufenthalt übersehen . Ich befand mich in einer Art von Zelle , eben nur lang genug für mein niedriges Bett , die nackten Wände waren mit zahllosen albernen Sprüchen beschrieben , aber durch sie hin hatte eine meiner unglücklichen Vorgängerinnen einen Namen , der vielleicht die Veranlassung ihres Elendes war , in jeder Richtung mit den zärtlichsten Beinamen geschrieben . Nie kann ich diesen Namen vergessen , so unbekannt mir der blieb , der ihn trug , der ihn schrieb ; denn wenn ich in der erdrückenden Unthätigkeit meiner Einkerkerung alle diese Sprüche hundert Mal gelesen hatte , kehrte meine Aufmerksamkeit auf ihn zurück . Indem ich noch meine Umgebungen betrachtete , hörte ich einen festen Schritt meiner Thür nahen ,