was Euch ergriffen , ist die Geschichte eines Schottenkönigs , der von seinen Barden erstochen wurde , weil ein Drache ungestört das Land verwüstete . « - Der König erhob den Alten , küßte ihn und sprach : » Mag Eure Geschichte mir fremd sein , Eure Lehre ist mein geworden , der Sänger Wort ist ein höherer Ruf und wie es uns trifft im Innersten , im Geist , im Herzen zugleich mit einem Strahle , so wirkt ein höherer Geist durch das Wort ; wohl mögt Ihr mich noch vergessen haben und des fernen Schottenkönigs gedenken , dennoch steht mein Reich ich und meine Gedanken im Spiegel Eures Geistes , Euch selbst unbewußt und ich schaudre vor meinem Abbild . « Das Bild stellt den König dar , wie er seine Brust dem Dolche entblößt , während die Krone von seinem Haupte fällt . Viertes Bild Der König fühlte sich entschlossen , wieder selbst zu herrschen und fragte nach Kostnitz am Bodensee , wo der Graf der Nibelungen , als besonderer Günstling des Königs wohnte . Gleich war ein Knabe mit einer Kienfackel dazu bereit und der Alte gab ihm seltsame , ahndungsvolle Worte auf den Weg . Und der Knabe führte ihn die wunderbarsten Wege auf umgestürzten Baumstämmen über Abgründe , in denen die Wölfe heulten . So waren sie bei dem Morgenlichte schon am Waldrande , wo der König den Knaben mit vielem Dank zurücksandte , gern hätte er ihm auch eine Gabe gereicht , aber schon lange hatte er kein Geld mehr gehabt und verlangt . Gegen Abend erreichte der König das Schloß des Grafen der Nibelungen , versteckte seine Krone und sein Schwert unter dem Mantel und warf die Armbrust unter einen Steinhaufen , daß er sie einst wieder finden könnte . Das Schloß war hell erleuchtet , er mischte sich unter das müßige Volk der Zuschauer , die alten Reime sagen : Und er geht zum hohen Schlosse , Helle jedes Fenster blitzt , Viele kommen da zu Rosse Und sie haben ihn bespritzt , Und er läßt die Wagen rollen , Steht da , wie ein armer Tropf , Fackeln , die sie putzen wollen , Schlagen sie auf seinen Kopf , Daß das heiße Pech ihm rinnet In den Nacken , auf das Kleid , Wahrlich , keine Seide spinnet , Wer so zusieht wilder Freud . Ruhig wärmt er sich am Feuer , Das der Wagen Spur erhellt , Einen Brand nimmt da ein Geier , Trägt ihn in das reife Feld , Und des Armen Feld muß brennen , Weil der Reiche fröhlich zecht , Doch sie werden bald erkennen , Daß noch lebt ein göttlich Recht . Und wie der König dem ernstlich nachdachte , hatte sich die Menge , die keine Gäste mehr zu sehen erwartete , schon vom Wachtfeuer verlaufen , er stand allein , als ein Haufen Reiter eine gebundne und dennoch würdig scheinende Jungfrau auf einem Pferde herbeiführten und am Tore zu Boden setzten . Die Reime sagen : Von dem Mund der Jungfrau nehmen Sie das Band , das ihn verschloß , Meinen , daß sie sich soll schämen Vor dem glanzerfüllten Schloß . Doch die Jungfrau ruft dem Winde , Sagt ' s der keuschen Sternennacht , Daß sie ihren Gram verkünde Und die nahe Übermacht : » Harter Graf , der mich geraubet , Schlechter König , der nicht hört , Heut hat Myrte mich umlaubet , Morgen bin ich schon zerstört . « Diesen Raub der schönen Jungfrau seht ihr hier auf dem Bilde und wie der König nach dem Degen greift . Fünftes Bild Die Besonnenheit des Königs beschwichtigte diese Aufwallung , er gedachte der Zahl jener Räuber und beschloß , der armen Geraubten , deren Schönheit ihn tief gerührt hatte , mit sicherer Klugheit zu helfen , oder selbst der Strafe für die lange Vergessenheit seiner Pflicht zu unterliegen . Sein Schwert wieder im Mantel versteckt , wie seine Krone , trat er ins Schloß und vertraute einem Diener des Grafen , er habe seinem Herrn willkommne Botschaft von einer schönen Frau zu überbringen . Der Diener , solcher Verhältnisse des Grafen kundig , wies ihn nicht ab , wie der König wohl gefürchtet hatte , aber er brachte ihn auch nicht zum Grafen , wie er gehofft hatte , sondern nach einem abgelegnen , unerleuchteten Zimmer des Schlosses und verließ ihn , um seine Anwesenheit dem Grafen zu melden . Der König war nicht lange mit sich allein , als Seufzer aus dem Nebenzimmer ihm hörbar wurden ; gleich dachte er , es sei die unglückliche Jungfrau , die den Untergang ihres Lebens , zum Schutz ihrer Ehre , beschließe , und sang zu ihrer Vertröstung : Liebeszauber , Unschuldtränen , Ihr erweckt mein totes Schwert , Wie der Blitz , der durch die Mähnen Eines müden Rosses fährt , Und es bäumt sich kühn zum Himmel , Wo der Donnerwagen rollt , Möcht ihn lenken durchs Getümmel , Daß er nicht der Erde grollt . Dieser Gesang schien die Seufzer zu stillen , bald hörte der König von der andern Seite Menschentritte und der Graf trat mit einer Kerze ein , erhitzt vom Traume der Freude , sehnsüchtig der Verheißenen . - » Bist du es selbst , liebe Freundin « , sagte er eintretend , » ich schwor darauf , als mir ein Unbekannter im Mantel verhüllt gemeldet wurde , der mir frohe Botschaft bringe . « - Aber statt des Kusses , den der Graf erwartete , als jetzt der König den Mantel abwarf , sah er ein Schwert in seiner Hand blitzen , er wollte zurück springen und Verrat rufen , da erkannte er den König und war wie von einer Erscheinung erschüttert und verwirrt . » Gnädiger Herr « , stammelte er , » Ihr beehrt dies Fest mit Eurer Gegenwart , möchte es Eurer würdig sein , Euch erheitern . « - Der König sagte darauf mit Ruhe : » Das