gesehen und betrachtete lange ernsthaft das wunderschöne Mädchen . Romana kam auf die beiden los und empfing sie mit einer auffallenden Heftigkeit . Nun entlud sich auch das Zelt auf einmal eines ganzen Haufens von Gästen , und Leontin war in dem Gewirre gar bald in seine launigste Ausgelassenheit hineingeärgert , und spielte in kecken , barocken Worten , die ihm wie von den hellen Schneehäuptern der Alpen zuzufliegen schienen , mit diesem Jagdgesindel , das ein einziger Auerochs verjagt hätte . Auch hier war die innerliche Antipathie zwischen ihm und dem Prinzen bemerkbar . Der Prinz wurde still und vermied ihn , wo er konnte , wie ein Feuer , das überall mit seinen Flammenspitzen nach ihm griff und ihn im Innersten versengte . Nur Romana war heute auf keine Weise aus dem Felde zu schlagen , sie schien sich vielmehr an seiner eigenen Weise nur immer mehr zu berauschen . Er konnte sich , wie immer , wenn er sie sah , nicht enthalten , mit zweideutigen Witzen und Wortspielen ihre innerste Natur herauszukitzeln , und sie hielt ihm heute tapfer Stich , so daß Rosa mehrere Male rot wurde und endlich fortgehn mußte . » Gott segne uns alle « , sagte er zuletzt zu einem vornehmen Männlein , das eben sehr komisch bei ihm stand , » daß wir heute dort oben an einem schmalen Felsenabhange nicht etwa einem von unsern Ahnherren begegnen , denn die verstehn keinen Spaß , und wir sind schwindlige Leute . « - Hier wurde er durch das Jagdgeschrei unterbrochen , das nun plötzlich von allen Seiten losbrach . Die Hörner forderten wie zum Kriege , die Hunde wurden losgelassen , und alles griff nach den Gewehren . Leontin war bei dem ersten Signal mitten in seiner Rede fortgesprungen , er war der erste unter dem Haufen der anführenden Jäger . Mit einer schwindelerregenden Kühnheit sah man ihn , sich an die Sträucher haltend , geschickt von Fels zu Fels über die Abgründe immer höher hinaufschwingen ; er hatte bald alle Jäger weit unter sich und verschwand in der Wildnis . Mehrere von der Gesellschaft schrien dabei ängstlich auf . Romana sah ihm furchtlos mit unverwandten Blicken nach ; » wie sind die Männer beneidenswert ! « sagte sie , als er sich verloren hatte . Die Gesellschaft hatte sich unterdes nach allen Richtungen hin zerstreut , und die Jagd ging wie ein Krieg durch das Gebirge . In tiefster Abgeschiedenheit , wo Bäche in hellen Bogen von den Höhen sprangen , sah man die Gemsen schwindlig von Spitze zu Spitze hüpfen , einsame Jäger dazwischen auf den Klippen erscheinen und wieder verschwinden , einzelne Schüsse fielen hin und her , das Hifthorn verkündigte von Zeit zu Zeit den Tod eines jeden Tieres . Da sah Friedrich auf einem einsamen Fleck nach mehreren Stunden seinen Leontin wagehalsig auf der höchsten von allen den Felsspitzen stehen , daß das Auge den Anblick kaum ertragen konnte . Er erblickte Friedrich und rief zu ihm hinab : » Das Pack da unten ist mir unerträglich ; wie sie hinter mir drein quickten , als ich vorher hinaufstieg ! Ich bleibe in den Bergen oben , lebe wohl , Bruder ! « Hierauf wandte er sich wieder weiter und kam nicht mehr zum Vorschein . Der Abend rückte heran , in den Tälern wurde es schon dunkel . Die Jagd schien geendigt , nur einzelne kühne Schützen sah man noch hin und wieder an den Klippen hängen , von den letzten Widerscheinen der Abendsonne scharf beleuchtet . Friedrich stand eben in höchster Einsamkeit an seine Flinte gelehnt , als er in einiger Entfernung im Walde singen hörte : » Dämmrung will die Flügel spreiten , Schaurig rühren sich die Bäume , Wolken ziehn wie schwere Träume - Was will dieses Graun bedeuten ? Hast ein Reh du lieb vor andern , Laß es nicht alleine grasen , Jäger ziehn im Wald und blasen , Stimmen hin und wider wandern . Hast du einen Freund hienieden , Trau ihm nicht zu dieser Stunde , Freundlich wohl mit Aug und Munde , Sinnt er Krieg im tück ' schen Frieden . Was heut müde gehet unter , Hebt sich morgen neugeboren . Manches bleibt in Nacht verloren - Hüte dich , bleib wach und munter ! « Es wurde wieder still . Friedrich erschrak , denn es kam ihm nicht anders vor , als sei er selber mit dem Liede gemeint . Die Stimme war ihm durchaus unbekannt . Er eilte auf den Ort zu , woher der Gesang gekommen war , aber kein Laut ließ sich weiter vernehmen . Als er eben so um eine Felsenecke bog , stand plötzlich Rosa in ihrer Jägertracht vor ihm . Sie konnte der Sänger nicht gewesen sein , denn der Gesang hatte sich nach einer ganz andern Richtung hin verloren . Sie schien heftig erschrocken über den unerwarteten Anblick Friedrichs . Hochrot im Gesicht , ängstlich und verwirrt , wandte sie sich schnell und sprang wie ein aufgescheuchtes Reh , ohne der Gefahr zu achten , von Klippe zu Klippe die Höhe hinab , bis sie sich unten im Walde verlor . Friedrich sah ihr lange verwundert nach , später stieg auch er ins Tal hinab . Dort fand er die Gesellschaft auf der schönen Wiese schon größtenteils versammelt . Das Zelt in der Mitte derselben schien von den vielen Lichtern wie in farbigen Flammen zu stehn , eine Tafel mit Wein und allerhand Erfrischungen schimmerte lüstern lockend zwischen den buntgewirkten Teppichen hervor , Männer und Frauen waren in freien Scherzen ringsumher gelagert . Die vielen wandelnden Windlichter der Jäger , deren Scheine an den Felsenwänden und am Walde auf und nieder schweiften , gewährten einen zauberischen Anblick . Mitten unter den fröhlich Gelagerten und den magischen Lichtern ging Romana für sich allein , eine Gitarre im Arm , auf der Wiese auf und ab . Friedrich glaubte eine auffallende Spannung in ihrem Gesichte und ganzem Wesen zu bemerken