der Prinzessin wolle er entsagen , die ihm bestimmt , dies arme Mädchen aber aufsuchen , - » so recht vertraut , haarklein ihr aufzuzählen , was mir so taglang , so nächtelang tät fehlen , Vertrauen , ewiges in Lieb gebunden , im armen Mädchen hab ich ' s nun gefunden ; die Krone will ich ihr zu Füßen legen , kommt Kuß dem Kuß , der Blick dem Blick entgegen , und daß dies alles sei kein Augenblick , wie jener Kuß , der noch mein ganzes Glück , nein die Gewohnheit aller meiner Stunden durch heil ' ges Band auf Leben und Tod gebunden . « - Indem er so deklamiert , ist er mit seiner Hand der Prinzessin so nahe gekommen , daß er ihr ins Gesicht schlägt ; sie schreit auf : eine Szene des freudigen Wiedererkennens und der Verzweifelung , sie beleidigt zu haben . Doch sie vergibt ihm mit vielen dicken Küssen . Die Szene verwandelt sich in das Eßzimmer des Fürsten , der sehr böse ist , daß seine Tochter alle auf sich warten läßt . Kasperl frißt heimlich alle Schüsseln aus , und sagt immer , das habe nichts auf sich , sie könnten immer noch warten . Endlich wird Spaßine nach der Schwester geschickt und kommt mit der Nachricht wieder , daß sie in den Armen eines fremden Ritters liege . Der Fürst fordert Kasperl auf , die Ehre seines Hauses , dem er nun bald verbunden , mit dem Schwerte zu verteidigen . Kasperl will nicht , weil er kein Blut sehen könne , er verflucht die törichten adeligen Sitten . Alle dringen in ihn mit Gabel und Messer , daß er ihre Ehre verteidige ; endlich zieht er sein hölzernes Schwert , als aber der Prinz mit Ernestine hereintritt , wird er gleich rückgängig und fällt ihm zu Füßen . Der Prinz reißt ihm seine Kleider ab und nun erscheint er in dem jüdischen Schlafrock , dessen Saum mit Cymbeln besetzt ist . Gretel erkennt ihn und wird unmäßig böse und zärtlich gegen diesen ihren verlaufenen Mann . Sie machen einander schöne Vertraulichkeit , ihre Kinder haben alle öffentliche Stellen am Pranger bekommen ; endlich fangen sie sich an zu schlagen und die Cymbeln klingeln so laut , daß die ganze Judenfamilie erscheint , ihren Messias und ihren Schlafrock aufzusuchen . Sie wollen ihn mit Gewalt der Gretel entreißen , und der Fürst , der nun durch den fremden reichen Schwiegersohn Mut gewonnen , bestraft sie für diesen frevelhaften Eingriff in eine glückliche Ehe mit dem Verluste der Schuld für das verpfändete fürstliche Ehrenbette . Die Juden bringen mit Lamentieren das große Bette aufs Theater , der Fürst segnet die liebenden Verlobten ; Kasperl schlägt an seinen Cymbelnrock und die ganze Judenschaft muß tanzen . Die Zuschauer hatten alle des Stücks herzlich gelacht , besonders die Kinder , nur die beiden Söhne Wallers hatten oft während des Stücks bitterlich geweint , und als sie um die Ursache befragt wurden , sagten sie , daß sie die Reden der Ernestine so oft von der Mutter hersagen gehört . Der Graf gewann die beiden Kinder sehr lieb ; so auffallend ihm im Anfange ihr wildes , neugieriges , aufspürendes und nachahmendes Wesen geschienen , so bedeutsam wurden ihm jetzt manche ihrer Fragen . Die Gräfin teilte diese Neigung nicht ; seit sie selbst an den ersten Beschwerden der Schwangerschaft litt , und ihre sonst unzerstörbare Gesundheit geschwächt fühlte , sogar fürchtete , einen ihrer schönen Zähne einzubüßen , haßte sie alle Kinder , und schwor ihrem Manne im Übelbefinden ihres Magens , womit sich dieser Tag schloß , nie wolle sie mehr als dies eine Kind haben , das ihr schon so viel Not bereite . Vierundzwanzigstes Kapitel Traugotts erste Erinnerung Gleich am andern Morgen , als Waller noch schlief , fand der Graf die beiden Knaben schon mit Angeln beschäftigt , sie wiesen ihm mit Jubel einen kleinen Fisch . Hier erfuhr der Graf , daß nur der jüngere Knabe Alonso Wallers Sohn sei ; der andere , Traugott , war ein Kind erster Ehe ; die Mutter hatte sich aber durch keine Gewalt von ihm trennen lassen . Alonso hatte die Nacht geträumt , die Mutter sei vom Himmel herunter gestiegen und habe in ihre schwarz seidene Schürze , die sie gewöhnlich zu tragen pflegte , den Traugott eingewickelt und mit sich geführt . Der Traum setzte den Grafen in Verwunderung , da beide Kinder eben kein träumerisches Ansehen hatten , doch schien Traugott den Tag viel stiller als sonst ; er mußte ihm etwas aus seiner früheren Geschichte erzählen . Weil er nun noch nie darnach gefragt war , so lag alles sehr bunt unter einander , wie die Umgebung es ihm zurück rief . Viel sprach er von einem Wasser , worin er einmal gelegen ; der Bruder sagte aber , das sei nicht wahr , man habe ihnen bloß erzählt , der Storch hätte sie aus dem Wasser geholt , davon käme die Geschichte . Traugott ließ es sich nicht abstreiten , er sagte , daß er ganz allein gewesen und daß ihn ein unbekannter Mann herausgezogen . Dann erzählte er viel von einem kleinen Fürchtegott , mit dem er als Kind gespielt ; der sei älter gewesen und habe immer alles im Spiele so schön einzurichten gewußt , daß er noch jetzt die Paläste nicht beschreiben könne , die jener aus Bausteinen und ausgeschnitztem Papiere mit einem durchscheinenden Lichte hervorgebracht habe ; er werde nie wieder die künstliche Pracht sehen ; er habe so viel Ehrfurcht vor ihm gehabt , daß er jeden Schlag von ihm als eine Gnade angenommen , und sich Gott nicht anders , als wie seinen Fürchtegott gedacht habe ; ihm habe er alles geschenkt , was er bekommen an Geld und Früchten , ungeachtet er bei dem Anblicke eines Apfels schon ein begehrliches Zucken im Munde verspürt . Diesem Fürchtegott hätte er auch seine Kleider gegeben , und als