als unserer höhern Bestimmung zuwider verdammten , hielten mich ab , ihm meine Empfindungen zu entdecken . Ich ehrte seine Grundsätze , weil ich ihren Ursprung in einem vom Irdischen abgezogenen Gemüth erkannte , weil ich einsah , daß nur solche Gesinnungen ihm die heilige Achtung für Alles einflößen konnten , was er für Pflicht hielt , daß er nur durch sie fähig war , das Apostelamt bei barbarischen Völkern zu übernehmen , jede Bequemlichkeit des Lebens , und das Leben selbst für gering zu achten . Ich verschloß meine Freuden , mein süßes Geheimniß in meiner Brust , und genoß sie vielleicht um desto inniger . Mein Vorsatz war , sogleich nach Nikomedien zu gehen , wo ich Agathokles selbst , oder doch Nachricht von ihm zu finden hoffte . Wir nahmen Pferde , und auf mein dringendes Bitten einen Sclaven zur Begleitung . Heliodor war mein Vater , ich seine Tochter , die Wittwe eines Kaufmanns aus Byzanz . So machten wir uns auf den Weg . O welche glänzenden , entzückenden Bilder malte mir nicht meine Phantasie ? Welche frohen Geschichten erzählte ich mir nicht in den vielen stillen Stunden unserer Reise ? Ich wußte , daß Synthium , Agathokles Landgut , an der Straße von Chalcedon nach Nikomedien liegt . Der Gedanke , dahin zu gehen , ihn vielleicht dort zu treffen , wenn er im düsteren Schatten seiner Gärten schwermüthig ging , und manches Bild einer bessern Vergangenheit vor seinen Blicken schwebte , ihm dann zu begegnen , und wenn er erstaunt zurückbebte , an seine Brust zu sinken , und ihm zu sagen , daß wir glücklich , daß wir vereinigt wären - dieser Gedanke , diese Aussichten machten mein Herz vor Freude zittern , und so näherten wir uns den waldigen Hügeln , hinter denen es verborgen liegt . Heliodor ' n wagte ich nicht , meinen geheimen Wunsch zu entdecken , ich gab eine große Ermüdung vor , und bat ihn , weil der Abend einbrach , in dem Dorf , das vor uns lag , zu übernachten . Wir ritten langsam die Straße hin , und schon sah ich das Dach des Hauses freundlich zwischen dunkeln Pinien hervorblicken . Ein Theil des Gartens erstreckt sich bis an den Weg , gegen welchen er sich in ein großes Gegitter endigt , das die Aussicht auf die Straße und die Gegend umher gewährt . Das wußte ich noch recht wohl , und freute mich , Alles so zu finden , wie es in den guten Tagen meiner ersten Jugend gewesen war . Wie wir uns dem Garten näherten , sah ich zwei Frauenzimmer in häuslicher Tracht , die aber trotz ihrer Einfachheit Reichthum und hohen Stand verrieth , Arm in Arm den Platanengang herabwandeln . Das Gitterthor war offen , unser Anblick hatte sie herbeigezogen , sie traten heraus . Es waren zwei vollkommen schöne Gestalten ; die Eine schlank und majestätisch gebaut , mit dunkeln Augen und Haaren , schien älter , und ein Zug von Kummer in dem blassen Gesichte machte sie mir lieber , als ihre jüngere Gefährtin , die in der Fülle der Jugend und Schönheit neben ihr stand . Die Erscheinung befremdete mich . Eine unangenehme Empfindung bemächtigte sich meiner . Hatte Agathokles das Landgut verkauft ? Wohnte er nebst diesen schönen Frauen hier ? Mein Herz schlug ängstlich . Jetzt hatten auch sie uns erblickt , und grüßten uns freundlich . Ich sandte den Sclaven ab , um mich bei ihnen zu erkundigen , wem die Villa gehöre , und ob wir im Dorf eine Nachtherberge finden könnten . Der Sclave kam bald zurück , und brachte die Antwort , die Villa gehöre einem kaiserlichen Tribun , im Dorfe würden wir keine anständige Unterkunft finden ; wenn wir ihnen aber das Vergnügen machen wollten , bei ihnen zu bleiben , so würden sie sich bemühen , uns einen erträglichen Aufenthalt für diese Nacht zu verschaffen . Das Zuvorkommende dieser Einladung , noch mehr aber die Begierde hier klar zu seyen , trieb mich an , das Anerbieten anzunehmen , trotz manches Widerspruchs meines Begleiters , der gegen die schönen geschmückten Frauen , gegen den hohen Wohlstand , den hier Alles verrieth , Manches einzuwenden hatte . Mein unseliger Vorwitz siegte . Ach was sollte ich erfahren ! Wie bitter wurde meine Falschheit gegen Heliodor , die Absichtlichkeit meines ganzen Betragens gestraft ! Wir stiegen ab . Die Frauen empfingen uns sehr freundlich , man erkundigte sich nach unsrer Reise , und mit vieler Feinheit nach unsern Umständen . Wir erzählten , was wir bereits verabredet hatten . Mein Mann war in Byzanz gestorben , ich ging nach seinem Tode mit meinem Vater nach Nikomedien zurück . - Unsere wahre Geschichte hätte viel unglaublicher geklungen , als diese gewöhnliche Erdichtung . So kamen wir in den Garten . Ach , tausend Erinnerungen wehten mich aus den Wipfeln dieser Bäume an , bei jedem Schritte dachte ich den Eigenthümer des Gartens aus einem Gebüsche hervortreten zu sehen - die theure Gestalt zu erblicken , die stets vor meinen Augen schwebte ! Wir setzten uns , das Gespräch fiel bald auf die Neuigkeiten des Tages ; es wurde vom Kriege , von des Cäsars letztem Siege , von den Hoffnungen des armenischen Prinzen Tiridates , dessen Ansprüche der Hof von Nikomedien so thätig unterstützte , gesprochen . Heliodor nahm eifrig Theil an diesen Nachrichten , das Gespräch wurde lebhaft . Die schöne junge Person lächelte ihre ältere Freundin schalkhaft an , und ein angenehmes Lächeln , das den trüben Blick dieser zweiten erhellte , zeigte mir , daß des Prinzen Schicksal sie nahe anging . Bald hörte ich auch ihren Namen . Es war Sulpicia , jene Römerin , von deren unglücklichen Leidenschaft mir Agathokles öfters erzählt hatte . Wie sie aber nach Bythynien und auf diese Villa kam , war mir unerklärlich . Heliodor , der noch einige Anstalten für unsre Reise zu machen hatte , entfernte sich jetzt