und anständigen waren , ließ mir durch die Neumann sagen , ich solle doch nur so weit wie möglich fortlaufen , um mich den Mißhandlungen der Wütriche nicht auszusetzen , deren einige bereits anfingen , meinen Leuten ihr Zeug vom Leibe zu reißen . Und so schlich ich mich durch den Garten in den Busch , ohne etwas anderes mitzunehmen , als den Morgenrock , den ich auf dem Leibe hatte . Selbst die Kirche war erbrochen worden , um das Silberzeug und was sonst Wert haben mochte , zu stehlen . Endlich neigte sich der Tag , und als alles still geworden war , ging ich ins Haus zurück , in dem ich eine vollständige Zerstörung fand . Matratzen und Bettdecken existierten aber noch und ich nahm von diesen mit mir , was einige Mann tragen konnten . Ebenso konnte ich mein Portefeuille retten , das ich unter allerhand umhergeworfenen Papieren entdeckte . Wir hatten nur einen Augenblick Zeit und eilten , als neue Marodeurs in Sicht kamen , nach dem Busche zurück , in welchem wir nun drei Tage und zwei Nächte blieben . Den 28. erschien wieder eine Infanteriedivision in und bei Liebenberg , und beschränkte sich darauf , Mobiliar in Stücke zu schlagen . Am 29. Marketender und Knechte . Sie machten sich über die Reste her , und kein Schlupfwinkel blieb ununtersucht . Am 30. endlich zog ich zu einem meiner Tagelöhner und wieder ein paar Tage später in eine Stube des › roten Hauses ‹ . Es war aber noch zu früh und ich geriet nicht bloß in Gefahren aller Art , ich wurd ' auch Zeuge der verdrießlichsten Szenen . Immer neue Durchmarschierende kamen , Schweine und Schafe wurden fleißig getötet , und ein Colonel , der in dem benachbarten Falkenthal die Nacht zubringen sollte , ließ mir achtunddreißig Schafe nehmen , um sein Kommando damit zu füttern . Einige Tage später erschienen zwei Offiziere und dreiunddreißig Gendarmen und nahmen Quartier im Wirtschaftshause ; Hafer und Heu mußten herbeigeschafft werden und ihre Forderungen hatten kein Ende . Dabei ließ sich mein Wirtschafter , den man einzuschüchtern gewußt hatte , durch die Fragen eines gut deutschsprechenden Gendarmerieoffiziers derart überholen , daß er ihm meinen Aufenthalt in Liebenberg eingestand , worauf ihm der Offizier erwiderte : › Sie müssen das niemandem sagen ; es wäre Ihres Herrn Unglück . ‹ Nach den Gendarmen kamen Dragoner und nach den Dragonern Chasseurs . An der Spitze dieser stand der Oberst Tessier , ein brutaler Mensch . Er wollte Wein , der nirgends mehr zu haben war , durchlief alle Wohnungen und Ställe und kam auch in meine Stube , wo ich auf einem alten Lehnstuhl saß . › Hoho ! ‹ rief er . › Bon soir . Was ist das für ein Benehmen ! Ein jeder läuft vor mir , und ich kann kein anständiges Quartier finden . Sacre Dieu , für einen Obersten muß doch etwas geschehen ! ‹ Ich antwortete ihm , daß die Plünderung uns alles genommen hätte , was einem Offizier das Leben angenehm machen könne . Man hätte zur Stadt nach Wein geschickt , aber es werde nichts helfen , da schon vorher keiner mehr zu haben gewesen sei . Der Schloßherr sei nach Berlin gereist ; ich persönlich sei früher der erste Aufseher in seinem Dienste gewesen . Er besänftigte sich um etwas und stieß nur einige ruhmredige Redensarten gegen unsern König aus . Am folgenden Tage erfuhr ich , daß er beständig nach dem › Schloßherrn ‹ gefragt und geforscht habe , worauf hin beschlossen wurde , daß ich Liebenberg ganz aufgeben und nach dem Vorwerk › Hertefeld ‹ ziehen solle . Das war am 20. November . Endlich , im Januar , ging ich nach Berlin , um mich wieder mit Kleidungsstücken und dem nötigsten Hausgerät zu versehen . « So Friedrich Leopold von Hertefelds Bericht . * Als Friedrich Leopold von Hertefeld im Mai nach Liebenberg zurückkehrte , war er beflissen , über die Verluste jener mehrtägigen Plünderung einen Überblick zu gewinnen . Er stellte Jegliches zusammen und dem betreffenden Aktenstück entnehme ich folgende Daten und Zahlen : Wein , Branntwein , Bier , Schlachtvieh , Fourage , Holz , Brot , Butter , Schmalz , Speck , Kartoffeln , Eier , Käse , Materialwaren , Backobst 3485 Taler Pferde , Wagengeräte , Kutschen , Kaleschwagen 2601 Taler Bares Geld und Gold , Silber und Scheine 3836 Taler Gold- und Silbersachen , Pretiosen 4734 Taler Tischzeug ( darunter 96 Tafelgedecke mit über 2000 Servietten ) , Bettzeug , Gardinen , Leinen usw. 6250 Taler Hausgerät ( Kessel , Porzellan , Fayence-Geschirre usw. ) 549 Taler Physikalische Instrumente 605 Taler Bücher 700 Taler Gemälde , Stiche usw. 800 Taler Waffen aller Art 90 Taler Forsthaus mit Stall niedergebrannt 600 Taler Sämtliche Zäunungen und Hecken niedergebrannt 100 Taler Summa 24 350 Taler In vorstehendem hab ' ich ausschließlich die großen Gruppen gegeben , ohne mich auf Einzelheiten einzulassen . Es fehlt aber in dem Aktenstücke keineswegs an solchen und werden unter anderm , um nur eins herauszugreifen , fünfundneunzig Bilder aufgezählt , die seitens der Plünderer aus dem Rahmen herausgenommen und » aufgerollt « wurden . Unter ihnen waren folgende Blätter in Stich , Aquatinta und Buntdruckmanier : General Wolfes Tod , Tod des Kapitän Cook , der Tod der Jane Gray , Cromwell löst das lange Parlament auf , Karl II. landet bei Dover , – alle nach Benjamin West . Ferner : die Wahrsagerin , die Herzogin von Devonshire usw. von J. Reynolds . Die Kaskaden von Tivoli , die Ruinen von Palmyra , das Bad des Cäsar , die Grotte des Neptun usw. , alle in Buntdruck . Auch aus der Reihe der Bücher sei hier einiges aufgezählt : Les Oeuvres complètes de Corneille , Montesquieu , Voltaire , Rousseau , Frédéric II. , Prachtausgaben von Voltaires Henriade und Pucelle d ' Orleans . Dazu große naturhistorische Kupferwerke , Atlanten usw. Es genügt dies , um