? ... Diese Frage richtete Benno an den schwarzen Todtenbruder ... Fast getroffen von Benno ' s Worten hatte sich dieser von seinem Sitz erhoben ... Vom Nachthimmel sich abzeichnend stand die Gestalt in schöner , langer , schlanker Haltung - ein Bote des Minos , ein Abgesandter des Richters aus der Unterwelt ... Benno hatte noch einmal geglaubt den Versuch machen zu sollen , den stummen Passagier zu einer Antwort zu bewegen ... Der Todtenbruder sprach in der That auf seine Frage ein leises und hohles : Man - sagt - das ... Benno horchte der Stimme und fuhr fort : Eine entsetzliche Vorstellung , sich so feige Mörder denken zu müssen , die eine Zeit der allgemeinen Auflösung des Vertrauens , eine Zeit der Trauer benutzen , um mit gedecktem Rücken einen dann wahrscheinlich sichern Mord auszuführen ... Wieder schien der Todtenbruder von diesen Worten eigenthümlich berührt ... Er schwieg , fiel nicht zustimmend ein , drückte keine Verachtung eines so feigen Mordes aus , sondern wandte sich nur ab , um durch seine kleinen Augenöffnungen auf die bald erreichte Brücke der » Vier-Häupter « zu sehen ... Als sich nun auch Benno erhob , gerieth der Kahn in ein Schwanken ... Felice spreitete rasch die Beine aus und hielt das Gleichgewicht ... Um seine ohnehin wie auf der Flucht vor dem Schmerzlichsten befindlichen Gedanken nicht zu sehr aufzuregen , fragte Benno : Kennst du das Haus des Rienzi , Felice - ? ... Im selben Augenblick sprach aber auch der Todtenbruder noch eine Antwort auf Benno ' s Aeußerung von vorhin ... Sie kam verspätet , kam aus der kleinen Oeffnung der Kapuze , die nur allein dem Mund und der Nase das Athmen erlaubte , dumpf und hohl ... O gewiß - es gibt - genug der Falschheit - in der Welt ... Diese Worte klangen seltsam ... Sie klangen wie von einem Ergrimmten ... Wenigstens wurden sie durch die Zähne gesprochen ... Benno , der selbst eben gesprochen hatte , verstand nicht sogleich und fragte : Es gibt - ? sagten Sie ? - ... Genug der Falschheit in der Welt ! wiederholte der Todtenbruder scharf und gereizt ... Benno horchte auf ... Diesen Ton der Stimme glaubte er zu kennen ... Noch kürzlich , vielleicht erst gestern hatte er diese Stimme gehört ... Wer ist das - ? sagte er sich staunend und haftete auf einer Erinnerung an einen der bei Olympien gesehenen Gäste - Zunächst an den Fürsten Corsini - der in der That seinen Palast jenseits der Tiber hatte ... Der Todtenbruder kehrte ihm jetzt den Rücken ... Eben fuhren sie unter der Brücke Quattro-Capi hinweg ... Wo liegt das Haus des Rienzi ? wiederholte Benno noch einmal , sich zu Felice wendend ... Er mußte dabei dem Klang der Stimme nachdenken ... Signore , das Haus des Rienzi kenn ' ich nicht , erwiderte Felice eiligst , aber ich versichere Sie , nach Civita Castellana ist es die schönste Reise von der Welt ... Auch Cicero hat da gewohnt ... Es geht gegen den Strom , aber wir nehmen noch meinen fünften Bruder - Euere Brüder sind zahllos ! unterbrach Benno ungeduldig ... Dann nach dem Todtenbruder sich wendend , sagte er : Wo hat nicht alles in Italien Cicero gewohnt ! ... Cicero und Virgil sind dem Italiener geläufig wie die Heiligen ... Aber Cola Rienzi , euer Volkstribun , ist euch unbekannt geblieben , Felice ! ... Jetzt glaubte Benno für bestimmt annehmen zu dürfen , daß der schwarze Leichenbruder unter seiner Kapuze lachte ... Es war ein Lachen des Hohns ... Prinz Corsini konnte das nicht sein ... Corsini gehörte zu den Freimüthigen , aber er war in seinen Manieren höflich ... Unter dem ersten Hermenkopf der » Vierhäupterbrücke « , eines alten Römerwerks , stieg der Todtenbruder aus ... Er schien voll Ungeduld die Steintreppe erwartet zu haben ... Beim Abschied bot er Benno auch nicht den leisesten Gruß ... Seinen kupfernen Obolus warf er dem Schiffer in die Mitte des Kahns wie ein Almosen ... Felice ' s Grazie Eccellenza ! sagte wenig über seinen Stand ... Benno zahlte mehr , als üblich ... Da durfte er sich nicht wundern , daß Felice , den er fragte , ob er den Todtenbruder kenne , behauptete , diesen nicht blos öfters , sondern alle Tage zu fahren ... Er nannte ihn einen Herzog , einen Principe , » wenn er auch nur zahlte , was in der Regel « ... Daß er Cardinäle fahre , offen und geheim , Principessen , mit und ohne Schleier , setzte er ermuthigend hinzu ... In jener Unermüdlichkeit , mit der der Italiener seinen Einen Gedanken des Gewinns , darin ganz dem Juden gleich , festhält , kam er wieder auf die Reize einer Stromfahrt von zwei Tagen bis zu dem Ort zurück , zu deren Merkwürdigkeiten nun auch noch der Eingang in die Hölle gehören sollte ... Benno war endlich von ihm befreit und ging , umrauscht vom Lärm der Straßen ... Das Benehmen des Todtenbruders , sein stolzes , festes Dahinschreiten am Quai , das Benno noch beobachten konnte , sein höhnisches Lachen , die scharfe Betonung über die Falschheit der Welt veranlaßte Benno , dem Unfreundlichen noch einige Schritte weiter als nöthig zu folgen ... Er hatte Worte gehört , die sein Innerstes erschütterten ... Wandelte er denn auch auf Wegen , die offene und gerade waren ? ... In wenig Augenblicken war die gespenstische Erscheinung verschwunden ... Benno sah ein offenes Thor , durch das der Todtenbruder mit seinem flatternden schwarzen Gewande hindurchschritt ... Benno befand sich hier bei den Hinterpforten größerer Häuser , die nach vorn dem Theater des Marcellus zu liegen ... Hier gibt es kleine Gärten , kleine Pavillons ... Die Dunkelheit verbarg den unschönen Anblick italienischer Hinterfronten mit ihren schmutzigen Galerieen , ihren ausgehängten alten Teppichen , ihrer aufgehängten zerrissenen Wäsche , ihren schmutzigen Geräthschaften und jenem Colorit der Wände , dessen vorherrschender