Bescheinigung , daß die Pferde wieder gekauft sind , sonst nehmen eure Nachfolger sie doch ‹ , lachten sie herzlich und der eine , ein verschmitzter Elsässer , sagte mir : › Ich will dir eine Sauve Garde schreiben ; gib nur Papier ‹ . Ich holte denn auch Papier und er schrieb : Sauve Garde par le General de la Selle . › Da ‹ , sagte er , › mache das an ; das wird vielleicht helfen . ‹ Kaum aber war er fort , so kam ein Schwarm Husaren , Dragoner und Knechte , die meinem Pferdestall zueilten und die darin befindlichen zwanzig Pferde mitnahmen . Ich sah dem allen zu und wollte wenigstens um die Rückgabe eines Pferdes bitten , als ein Offizier den Hof heraufkam und mir sagte : › êtes vous le proprietaire d ' ici ? ‹ Auf meine Bejahung antwortete er : › Le prince Murat vous fait dire , de me suivre incessament ; il veut vour parler ‹ . Ich folgte bis zum Jägerhause und fand in dem Prinzen einen gut gebildeten , gewandten und verschmitzten Franzosen . Ich mußt ' ihm sagen , wie stark die gestern in Liebenberg gelegenen Preußen gewesen und wohin sie gegangen wären , immer unter der Mahnung : › Dites la vérité ! ‹ Einer seiner Adjutanten sprach unterdessen mit Dorfleuten , verstand sie nicht und sie ihn nicht . Er meinte jedoch etwas von meinen Angaben Abweichendes verstanden zu haben und sagte zum Prinzen : › cet homme l ' a dit autrement . ‹ Ich wandte mich sofort zu meinem Gartenburschen , auf den er wies , und sagte : › Was weißt du , weißt du mehr , so sag ' es . ‹ Der wußte aber nicht mehr als ich , worauf der Adjutant in einem harten Tone mich anließ : › Il ne faut pas nous mentir ; sans cela , on vous arretera . ‹ Dieses Kerls Rede brachte mich ganz außer mir , und die Tränen kamen mir ins Auge . Dann wandt ich mich an den Prinzen , riß meinen Hut ab , wies ihm meinen grauen Kopf und sagte : › Sehen Sie meine mit Ehren grau gewordenen Haare und urteilen Sie , wie hart mir solche Rede fallen muß ; ich lüge nicht , ich sage , was ich weiß , und mehr kann ich nicht sagen . ‹ Murat besänftigte mich und versprach mir eine Sauve Garde . Hernach sagte er mir , › er wolle das Hauptquartier zu Liebenberg nehmen , das wäre meine beste Sauve Garde ‹ , auf welche Zusicherung hin ich , bei meiner Rückkehr ins Dorf , anschlagen ließ : Quartier general du Prince . Der Vorteil , den ich von diesem Zwischenfall hatte , war aber gering , wenn es überhaupt ein Vorteil war . Erst kamen viele seiner Knechte mit Pferden in den Stall und danach Offiziere , Dragoner und Wachmannschaften . Alle wollten Hafer , Wein und Lebensmittel , zwölf Portionen Essen für den Colonel , siebzehn Portionen für den andern Colonel , hier acht Bouteillen Wein , dort zwölf , dort sechs , so ging das Gerufe durcheinander . Wenigstens dreitausend Dragoner und Chasseurs waren im Dorfe oder in unmittelbarer Nähe desselben . Und während die Offiziere sich bei mir beköstigen ließen , wirtschafteten die Gemeinen nach ihrer Art. Alle Zäunungen wurden verbrannt ( obgleich Holz genug da war ) , auf die Schweine wurde Jagd gemacht , viele erstochen , andere zu nichte gehauen , die Federviehställe erbrochen und weder Huhn , Gans , Pute noch Ente blieb am Leben . Zehn Tonnen Bier wurden aus der erbrochenen Brauerei genommen und die Feuer in solcher Nähe der Häuser angezündet , daß nur Gottes Gnade das Abbrennen verhinderte . Mehr als neun Wispel Hafer waren schon vom Boden abgemessen worden . Als nichts mehr davon zu finden war , ging es über die Haferscheuer her und Hafergarben und Heu wurden so verschwendet , daß die Pferde mehr zertraten als fraßen . Küchengeräte wurden überall genommen und nicht wiedergebracht . Der Prinz Murat kam nicht ; er war bereits bis Zehdenick vorgedrungen . Der an seine Stelle gekommene Divisionsgeneral Beaumont mußte nach dem Abendessen noch nach Falkenthal vorrücken und nur ein Brigadegeneral , ein Deutscher , der seinen Namen nicht nannte ( es war General Becker ) , blieb mit dem Generalstabe zurück . Um die Wirtschaft der Gemeinen kümmerte sich niemand . Und so kam der 27. Als um 4 Uhr morgens der General aufbrach , bat ich um eine Sauve Garde , weil die Dragoner mich auf die Gewalttätigkeit und Plünderung ihrer eigenen Infanterie aufmerksam gemacht hatten . Der General bewilligte mir denn auch einen Brigadier ( Gendarmeriewachtmeister ) , der Befehl hatte , das Eintreffen des Infanteriegenerals abzuwarten und denselben um eine Sauve Garde für mich anzusprechen . Und dann erst solle er folgen . Etwa gegen 9 Uhr erschienen die Marodeurs der Infanterie , die wie Strauchräuber aussahen . Sie lachten die Sauve Garde aus , rissen den Branntwein , den man ihnen in Gläsern anbot , in ganzen Flaschen an sich und drangen ins Haus . Gleich darauf hörte man das Aufstoßen der Türen und Spinden , ohne Rücksicht darauf , ob diese verschlossen waren oder nicht . Alles wurde zerschlagen . Ebenso ging es im Wirtschaftshause ; die Keller wurden erbrochen , die Wein- und Branntweinfässer angezapft , und da keiner der Plünderer ans Zumachen dachte , so lief der größte Teil in den Keller . Die Tonnen mit Lebensmitteln , mit Öl und Gemüse wurden umgeworfen und ihr Inhalt in den Moder getreten . Ich blieb , aller Roheiten und Mißhandlungen unerachtet , unter den Plünderern , um durch Aufschließen der Spinden , ihr Zerschlagen und Aufbrechen zu verhüten ; allein vergebens . Es läßt sich die Raubbegierde dieser Menschen mit nichts andrem als mit der einer Tatarenhorde vergleichen . Einer der Dragoner , die die vergleichsweise guten