Tiber befahren wollten ... Er nannte sich Felice und beschrieb seinen Vater , der den Stand an Quattro-Capi drüben hätte und der beste Schiffer von der Welt wäre ... Benno kannte , was man alles bei solchen Gelegenheiten in Italien zu hören bekommt ; jede neue Kundschaft wird sogleich fürs Leben festgehalten ... ... Er war nicht in der Stimmung , die Unterhaltung mit Felice fortzuführen ... Er sah auf den Todtenbruder , der vielleicht das Gelübde des Schweigens abgelegt hatte ... Vielleicht war es ein Vornehmer , den sein nächtliches Amt verdroß ... Wieder glitt eine Barke mit zwei Benfratellen , die von der Bartolomäusinsel kamen , vorüber ... Auch diese hatten ihre Kapuzen über den Kopf gezogen ... Sie wurden von einer dritten Barke gekreuzt , die gleichfalls ein Mitglied der Todtenbruderschaft führte - in weißer Verhüllung ... Der Gedanke lag nahe , an eine große Sterblichkeit zu denken , die über Rom gekommen ... Im Herbst pflegte sich seit einigen Jahren regelmäßig die Cholera einzustellen ... Felice besaß den angeborenen Scharfsinn der Italiener ... Eine angeschnittene Melone , die neben dem Mantel Felice ' s lag , betrachtete Benno mit einem Blick , der bei so vielen Todeserinnerungen keinen Appetit danach ausdrückte und Felice las sogleich die Gedanken in der Seele seines zweiten Passagiers , denn er sagte : Eh ! ... Sie kommt dies Jahr nicht wieder ... Benno wußte , was Felice meinte , mochte aber die Conversation nicht fortführen ... Felice aber im Gegentheil ... Signore , flüsterte er , als handelte sich ' s um einen Gegenstand der größten Discretion , ich stehe drüben bei Capo di Bocca - dicht an der Apotheke ... Da , wo meine Mutter die Melonen verkauft ... Saftige , Herr ! ... Sehen Sie , versuchen Sie ! ... Signore ! Nein , sie kommt dies Jahr nicht wieder ... Die Krankheit mein ' ich , Signore ... Der Padrone der Apotheke hat es selbst an die Leute gesagt ... Signor , bei Capo di Bocca ... Rufen Sie nur immer : Felice ! ... Woher weiß der Padrone der Apotheke , daß die Cholera diesmal nicht wiederkommt ? fragte Benno , um dem Redestrom ein Ende zu machen ... Signore ! Weil sie kein Gift mehr verkaufen dürfen ... Er sagt ' es gestern erst dem Wirth der Navicella ... Signore , das ist das Kaffeehaus drüben , wo mich jeder findet , der nur am Ufer nach Felice - ... Gift verkaufen ? Wozu Gift - ? unterbrach Benno , der sich die Pein dieser Kundschaftsempfehlungen abkürzen wollte ... Haha ! lachte Felice und stieß sein Ruder auf ein hartes Gestein , das - vielleicht der Torso einer Statue des Praxiteles war ... Die Brunnen vergiften sie nicht mehr ... Das glauben die dummen Leute ... Eh - ! ... Die Brunnen ! ... Haha , Signore ! ... Aber machen Sie eine Partie , Herr - Nach Ceri , Herr - Ceri ist die älteste Stadt der Welt - Ich nehme meinen Bruder mit ... Morgen ? ... Meinen Bruder Beppo ... Warum sagt ihr : He ? und lacht - Was glauben die klugen Leute über die Cholera - ? ... Felice machte eine Miene , als durchschaute er alle Geheimnisse der Welt ... Was ist ' s , wenn die Apotheker kein Gift mehr verkaufen dürfen ? wiederholte Benno ... Gift ? ... Nicht verkaufen ? ... Die Apotheker sagen ' s und die armen Leute glauben ' s ... Aber die Reichen - die bekommen Gift , soviel sie wollen ... Und die Aerzte - die brauchen ' s gar nicht aus der Pharmacia zu kaufen ... Die Armen ? Die Reichen ? Die Aerzte ... Wie hängt das alles zusammen ? ... Felice machte Mienen , die Benno allmählich verstand ... Er ließ nur einfach die eine Hand vom Ruder los und fuhr damit hinter ' s Ohr mit ausgespreizten Fingern ... Eine Miene , die etwa sagte : Wir sind nicht so dumm , wie wir aussehen - die Aerzte vergiften zur Zeit der Cholera auf Befehl der Reichen die Armen - ... Signore - nach Ceri ! fuhr Felice fort , als Benno verstanden zu haben schien und seinerseits gleichfalls eine Geberde machte , die mit südländischer Offenheit soviel sagte , als : Felice , du bist ein Esel ! ... Ceri ist die älteste Stadt der Welt ! ... Vielleicht morgen - ich nehme noch meinen andern Bruder mit - Außer Beppo noch den dritten , den Giuseppe ... Die Cholera ist also eine Krankheit , die von obenher befohlen wird ! unterbrach Benno ... Alle Jahre soll einmal der Staatskörper von seinem Ungeziefer gereinigt werden ! Nicht so , ihr Thoren ? ... Die Miene und Betonung Felice ' s drückte das starrste Festhalten seiner Meinung aus ... Wie wenig ihm daran lag , seine Gesinnung über die Aerzte , Apotheker und die Reichen in Rom geändert zu bekommen , sagte die Mahnung : Herr , die Tiber kennen selbst die Römer noch nicht alle ... Gewiß , Herr , selbst wenn Sie ein Römer sind , haben Sie noch nicht Castellana gesehen ... Civita Castellana ist das Wunder der Welt ... Wenn wir Morgens um vier Uhr einen Kahn nehmen , natürlich - mit Beppo , mit Giuseppe und Francesco - Francesco , Herr , ist mein vierter Bruder ... Das erzählt man allerdings aus der Cholerazeit , unterbrach Benno mit Entschiedenheit ... Wer einen Feind hatte , tödtete ihn bei dieser Gelegenheit ; schlechte Frauen vergifteten ihre Männer , schlechte Männer ihre Frauen , ruchlose Kinder ihre Aeltern ... Im allgemeinen jammervollen Klagen und Sterben ging eine Leiche mit der andern , ohne daß man danach fragte , ob wol das Gift , an dem sie den Geist aufgeben mußten , aus der schlechten Luft oder - aus den Kellern kam , wo nur die Ratten daran sterben sollten ... Sagt man nicht das