Anblick der Peterskuppel ab ... Das Bild : Morgen um diese Stunde werden dort die marmornen Bilder des Vatican lebendig ! machte ihm das Blut erstarren ... Er kannte diesen Braccio Nuovo ... Hundert lachende Priester sah er in festlichen Gewändern , bei Fackel- und Kerzenschein , durch die mit den Marmorsärgen der ersten Christen geschmückten Corridore schreiten ... Die Statuen der römischen Kaiser wurden lebendig und schlossen sich ihnen an ... Im Saal des Braccio Nuovo schimmerten Bankettische , Vasen voll Blumen , silberne Urnen voll Eis mit dem » Bier der Franzosen « , wie Sarzana gesagt hatte ; alles im glänzenden Licht , ausgeströmt von zahllosen Kerzen ... Die Julien , Livien und Agrippinen der Imperatorenzeit kamen mit ihren faltenreichen Gewändern in den Saal und setzten sich zu den Zechenden ... Da thront Ceccone , mit dem Rücken gelehnt an die berühmte Gruppe des Nil ... Sechszehn kleine Genien kugeln sich übermüthig auf dem kolossalen Sinnbild der Ueppigkeit und Fruchtbarkeit ... Der lachende Silen blickt auf den neugeborenen Bacchus dicht neben Bischof Camuzzi ... Fefelotti liebäugelt mit der berühmten Statue des Demosthenes , die soviel zierliche Fältchen wirft ; mehr , als ein Redner voll Natürlichkeit seiner Toga erhalten konnte , als er gegen Philipp von Macedonien donnerte ... Nun trommelt die Schweizergarde ... Immer neue Gäste kommen im Purpur vorgefahren und die Medusenhäupter nicken ihnen den Gruß ; die Athleten erheben sich , die Isispriesterinnen verneigen sich ... Olympia - läßt lachend vor Erwartung den Arm auf dem Sockel ihres Apollin ruhen - ... Oder blickt sie finster wie die » verwundete Amazone « - ? ... Er ahnte , daß sie diesmal seiner Flucht aus Villa Torresani nicht im mindesten zürnte , sondern fest und sicher ihn für morgen erwartete ... Die Qual der Entschlußlosigkeit trieb Benno dahin , wie von Furien gepeitscht ... Er kam der Tiber näher ... Die Brücken , die in die innere Stadt führten , waren entlegen ... Hie und da ging eine Treppe nieder , wo in einem angebundenen Kahn ein Schiffer sich streckte und auf einen Verdienst wartete ... Er wollte sich übersetzen lassen ... Wie ein Träumender blickte er um sich ... Hier in der Nähe sind die Spitäler ... Es konnte nicht befremden , daß da und dort jene gespenstischen Gestalten der Todtenbruderschaft auftauchten ... Die Begräbnisse finden des Nachts statt ... Memento mori ! ... Benno erblickte einige dieser bald weißen , bald schwarzen Kutten in Kähnen auf dem gelblichen Strom dahingleiten ... Die Via Lungaretta schien ihm heute endlos ... Er hatte übersehen , daß er die Abbiegung zur Bartolomäusbrücke schon hinter sich hatte und sich an Ponte Rotto befand , einer Gegend , wo es schwerlich Fiaker gab ... Sollte er den Besuch der Mutter für heute aufgeben ? ... Sollte er zu Bertinazzi gehen ? ... Da schritt wieder vor ihm her ein schwarzer Todtenbruder ... Er kam aus dem engen Winkelwerk der Häuser heraus und stieg eine Treppe nieder ... Hier glänzte die Tiber auf ... Im Abenddunkel boten die Lichter am Ufer und die in den Strom hineingebauten Mühlen einen besonders lebhaften Anblick ... Eine Schar von Bettlern und Straßenjungen zeigte Benno hinter einem Gebäude den Kahn , den der Todtenbruder suchte ... Es zog auch ihn zum Tode ... Er musterte die stolze Haltung seines Gefährten ... Oft verbargen sich unter diesem Kleide die angesehensten Nobili , wenn sie gerade die Reihe des Dienstes in der Bruderschaft ihres Viertels traf ... Benno rief dem Schiffer , ihn noch mitzunehmen und stieg die Stufen nieder ... Der schwarze Leichenbruder , eine hohe , schlanke Gestalt , hatte eben zum Abfahren winken wollen ... Jetzt erst , da er noch einen Passagier sich nachkommen sah , setzte er sich ... Auf dem trüben , ungleichen , strudelreichen Bett der Tiber glitt der leichte Kahn dahin , geführt von einem jungen halbnackten Burschen , der den vom Kopf bis zum Fuß verhüllten Todtenbruder scheu betrachtete und vor Freude über die glückliche Eroberung zweier Passagiere statt eines eine Weile sprachlos blieb ... Rings funkelten immer heller und zahlreicher die Lichter von den Ufern auf ... Auch bei den Benfratellen drüben war Licht ... Mancher Leidende mochte dort eben seinen letzten Seufzer aushauchen , mancher Genesende die Hände zum Dankgebet erheben ... Die hie und da auftauchenden Sterne spiegelten sich nur matt in den trüben Wogen , auf deren Grund so tausendfach die Reste der Jahrhunderte schlummern , so mancher Fund , dessen Entdeckung das Entzücken des Forschers sein würde ... Auf der Quattro-Capi-Brücke war es so lebhaft wie auf Piazza Navona ... Noch stachelten verspätete Fuhrleute ihre riesigen weißen Ochsen , deren stolzgewundene Hörner nur eines Kranzes bedurften , um den Opferthieren Griechenlands zu gleichen ... Noch zankten Treiber mit ihren schreienden , in Italien so heißblutigen Eseln ... Die Glocken läuteten ... Ein solcher Abend scheint im Süden erst das Erwachen zum Leben zu sein ... Kähne glitten dahin mit aufgehäuften Gemüsen und Früchten schon für den morgenden Markt ... Die Ruderer mußten Acht haben ; von den Tausenden von Trümmersteinen , die in dem Bett des geschichtlichsten aller Ströme ruhen , ist die Fahrt auf ihm keine ebenmäßige ... Benno , tiefermüdet , redete den Todtenbruder , von dem er nur die Augen sehen konnte , mit den Worten an : Dieser Dienst in der Nacht hat sicher seine Beschwerlichkeit ... Der Todtenbruder antwortete nicht ... Die Römer sind sonst höflich ... Benno glaubte nicht verstanden worden zu sein , wiederholte seine Worte und setzte hinzu : Aber Sie lösen sich häufig ab ? ... Der Todtenbruder zog statt der Antwort jetzt sogar seine schwarze Kopfbedeckung so , daß selbst seine feurigen Augen verdeckt blieben ... Seltsam ! dachte Benno ... Der Mann ist schwerlich taub ... Er trägt vielleicht ein Leid wie du ... Benno schwieg und hörte auf den Schiffer , der in italienischer Gewohnheit schon für jede andere Gelegenheit sich empfahl , wo die Herrschaften vielleicht wieder die