von seinen Verehrern , den reichen Bürgern der Stadt , Sollicitanten und selbst dann und wann Contravenienten zum Geschenke gemacht wurden . Da waren die Glasschränke voll Porzellan , voll Gold und Silber . Kostbare Blumentöpfe beschatteten die Fenster , die mit Ampeln und hängenden Rankengewächsen geziert waren . Selbst ein Papagey , vor Allen aber Schooßhunde und Katzen fehlten nicht , wie bei einer alten Jungfrau , die ihren reichen Schatz an Liebe zuletzt doch mit irgend Jemand in der Welt theilen muß . Charlotte Ludmer hatte den ehemaligen derbauftretenden Wachtmeister doch zum verweichlichten Junggesellen erzogen , und die halbe Stadt wußte , wann Herr Pax seinen Geburtstag feierte . Die guten Bürger erdrückten ihn dann mit Überraschungen , von denen ihn die Naturalgeschenke trotz seines guten Appetits oft in Verlegenheit setzten , da sie zur Verköstigung für Monate ausreichen konnten . Eben trug ihm eine junge Haushälterin in silbernem Service den Kaffee herein , als ihn Hackert freundlich begrüßte und ihm Glück wünschte zu den wahrscheinlich sehr reichen Fängen , die er auf seiner Rundreise gemacht hätte . Pax lächelte mit dem Bewußtsein eines Mannes , der das Wohl des Staates an seinen Fingern hat und , wenn er nicht Acht gäbe , das ganze Gewebe der öffentlichen Ordnung fallen lassen könnte ... Er rückte einen kostbaren Fauteuil seinem Protégé zu und fragte ihn , ob er schon gefrühstückt hätte . Die Sahne war schäumend . Das Weißbrot war das zarteste . Der Mocca vom schönsten Rothschwarz . Die Haushälterin allerliebst . Doch lehnte Hackert ab . Schmelzing hat mir schon gestern Abend mancherlei erzählt , sagte der Oberkommissär . Was haben denn inzwischen Sie erlebt ? Hackert zog seine Liste verdächtiger Personen und die Notizen noch verdächtigerer Zustände hervor und bat den Oberkommissär , ihm nur auf den Zahn zu fühlen . Er würde ihm dann eine reiche Ernte mittheilen können . Das ist ja charmant . Die Zeiten sind schlimm ! Die Umtriebe wachsen immer gefährlicher . Setzen Sie sich , Hackert . Wirklich ? Haben Sie schon gefrühstückt ? Damit wollte der freundliche Herr , der wie Mancher erst im Schlafrock Gemüth hatte , an einem kostbar gestickten Schellenzuge klingeln und hatte schon den krystallnen Ring in der Hand ... Hackert lehnte ab ... Wie Sie wollen ! sagte der freundliche Wirth und lenkte zu den Geschäften ein . Schmelzing erzählt mir ja Wunderdinge von dem Karl Eisold ' schen Begräbniß . Er hat alle Namen aufgeschrieben , die er erkannte - Ich sah Schmelzing nicht - Er war zugegen . Es ist erstaunlich , was sich für Menschen kompromittirt haben . Der Staatsanwalt wird zu thun bekommen . Es ist viel gesprochen worden , sagte Hackert ruhig , aber Aufregendes ? Hackert , entgegnete Pax herablassend , aber doch drohend . Sie haben keine Neigung für politische Fragen . Sie sind Schmelzing überlegen in der Auffassung , aber Schmelzing beobachtet schärfer ... Ohne hören und sehen zu können ? Pax lächelte und schlürfte seinen Mocca , den er stark trank , da es ihm an Bewegung nicht fehlte ... Sie wissen doch , sagte er , daß es in der Gaunersprache der Revolutionärs ein Auf- und Abwiegeln gibt . Nichts ist gefährlicher als das Abwiegeln . Da werden die Leidenschaften zurückgedrängt und brechen nur um so gefährlicher in unbewachten Augenblicken hervor ... Aha ! sagte Hackert ruhig . Leidenfrost soll in dieser Art am Grabe abgewiegelt haben . Er ist , berichtete Hackert , mit einer Sendung von Maschinen auf die Güter unsres Premierministers , um sie dem dortigen Generalpächter Ackermann zuzuführen . Zwei Arbeiter , Heusrück und Alberti , begleiten ihn ... Der dritte im Bunde , Danebrand , soll sitzen ... Man beschuldigt ihn , den Karl Eisold durch eine Heldenthat haben rächen zu wollen , die an die bekannte Geschichte von Arnold von Winkelried erinnert . Kennen Sie diese Geschichte , Herr Oberkommissär ? Der ehemalige Wachtmeister schien die Geschichte der Schweiz nicht studirt zu haben , ob er gleich mit ihr in naher Verbindung stand und einen lebhaften Briefwechsel über das » Treiben « der Flüchtlinge daselbst unterhielt . Die Geliebte Danebrand ' s hat einen andern Verehrer gefunden , fuhr Hackert fort ; einen Inspektor auf dem königlichen Schlosse Buchau . Es ist derselbe Mann , der jene Auguste Ludmer heirathen wollte ... Apropos , Hackert , unterbrach Pax die unangenehme Erinnerung an seine Pseudo-Schwester , ich habe ein Briefchen von der Familie des Geheimraths von Harder vorgefunden . Man dankt mir sehr für Ihre Empfehlung ; aber Sie haben sich einem Auftrage nicht unterzogen , den man Ihnen daselbst ertheilte - In Betreff jenes zweideutigen , falschen Engländers - Ganz Recht ! Das Briefchen ist schon einige Tage alt . Dieser Mensch ... Den man auf Caution freigelassen hat ... Etwas voreilig - Assessor Müller ließ sich von hohen Personen imponiren - Die Identität des Individuums , das jene charmante Dame , Madame Ludmer , zu erkennen wünscht , paßte nicht auf diesen Murray - es sind völlig verschiedene Personen ... auch wollte mich Müller in keiner Beziehung zur Justiz anerkennen . Hm ! Ich meine denn doch , der Fall war wichtig . Ich habe in Hohenberg diesen Mann mit großem Aufwand beobachten lassen und seine Gefangennehmung ist mit einem Verbrechen verbunden gewesen . Gegen alles Das hat ein ehemaliger Diplomat , Baron von Dystra , durch sein Zeugniß und eine enorme Kaution den Beweis besseren Sachverhalts geführt . Hab ' ich gehört und beauftrage Sie auch , diesen Dystra in ' s Auge zu fassen . Alles , nachgrade Alles wird verdächtig ! Einstweilen weiß ich , daß dieser Sonderling sich beim königlichen Schlosse Buchau ankaufen will und eine gewünschte Parzelle dazu erhalten hat . Er interessirt sich für das Unglück der Eisold ' schen Familie und hat Louisen vorgeschlagen , sie möchte in seinem Auftrage mit ihren Geschwistern nach Buchau gehen und ihm dort Vorbereitungen treffen , dem Bau , den er auf der Ruine