hatte viel Ärgernis mit sich geführt , fast so viel wie der » Vetter in Häsen « , aber trotz dieser und ähnlicher Zwischenfälle waren es im ganzen doch glückliche Tage , diese Tage nach der Übersiedelung , am glücklichsten , wenn die Dankelmanns auf Besuch eintrafen : Eltern und Kinder , Hauslehrer und Bonne , Gesellschafterin und Dienerschaften . Da verkehrte sich denn freilich die Ruhe des Hauses in ihr Gegenteil , aber ohne daß der alte Freiherr , in seinem stark ausgeprägten Familiensinn , einen Anstoß daran genommen hätte . Zu besonderer Freude wurde ihm dabei das immer wachsend gute Verhältnis zwischen Sohn und Enkel , die ( beinahe gleichalterig ) am Vormittage dieselben Schulstunden , am Nachmittage dieselben Spielstunden hatten . Und wenn die Tischglocke läutete , so bewahrheitete sich ' s an jedem neuen Tage , » je länger die Tafel , desto besser die Laune . « Das ganze Leben aber , ob es nun stiller oder bewegter verlief , trug den Stempel einer vollkommenen Patriarchalität , an der uns nichts begreiflicher erscheint , als daß sie der alte Freiherr gegen ein öffentliches oder gesellschaftliches Leben nicht austauschen mochte , das ihm widerstand und in seiner Sitten- und Gesinnungslosigkeit auch widerstehen mußte . Denn es war eine wirklich grundschlechte Zeit , und Mirabeau hatte richtig prophezeit , als er das damalige Preußen » eine vor der Reife faul gewordene Frucht « genannt hatte , » die beim ersten Sturm abfallen werde « . Wenn es nun freilich auch nicht wahrscheinlich ist , daß unser Liebenberger Einsiedler ähnliche , den Politiker bekundende Schlüsse zog , so war er doch andrerseits ein so scharfer Beobachter unserer Schwächen überhaupt , daß ihm ein intimer Verkehr mit den Menschen eigentlich schon um dieser scharfen Beobachtung willen unmöglich gemacht wurde . Was an eitler und selbstsüchtiger Regung in den Herzen steckte , lag offen vor ihm , und unter den vielen Hunderten seiner Briefe sind wenige , die nicht , an irgendeiner Stelle , von dieser allereindringlichsten Erkenntnis ein Beispiel gäben . Er kannte den ganzen Adel , am besten den märkischen , schlesischen und niederrheinisch-westfälischen , und wenige Familien abgerechnet , die , wie die Reckes , die Reuß , die Lestocqs , ihm einen unbedingten und gern dargebrachten Respekt abnötigten , richtete sich der Stachel seiner Satire so ziemlich gegen alles , was damals » die Gesellschaft « ausmachte . Und ich fürchte mit Fug und Recht . Einige Zitate mögen auch nach dieser Seite hin seine Schreibweise charakterisieren . » In Berlin hab ' ich gestern den General von Köhler gesprochen . Er ist wohl und vergnügt und tut eine Mahlzeit für zwei . Jedenfalls macht er den Eindruck , als ob er seine Pension noch auf lange hin zu genießen wünsche . « » Gestern war denn auch der Kammergerichtsrat Roitsch hier . Er gefiel mir in seinen Ansichten ganz gut , erschien mir aber in dem beständigen Ajustieren seines Haars und seiner Halskrause von seiner Figur etwas eingenommen . « » In diesen Tagen hab ' ich einen Major von Schuckmann , der ein Landwehrbataillon kommandiert , bei mir gehabt . Er ist ein Bruder des Geheimen Staatsrats gleichen Namens und eine wahre Karikatur : kurz , dick , ängstlich , stets in Verfassung einzuschlafen und äußerst dämlich . « » Etwas Sonderbareres als die Todesanzeige , die mir der Freiherr von Loë nach dem Ableben seiner Frau zugeschickt hat , hab ' ich lange nicht in Händen gehabt . Der Druck der Annonce ( fast in Mönchsschrift ) ist absurde , der Inhalt noch absurder . Die Titulaturen passen nur auf die Eitelkeit dieses Herrn und stellen ein Machwerk her , wie man es in unsern Zeiten nicht mehr erwarten sollte . Vielleicht hat Herr Geheimrat Focke auch so ein Unding bekommen . Befrag ' ihn doch , mit bestem Gruße von mir , ob man darauf antworten müsse ? Sagt er › ja ‹ , so könnte ich vielleicht anfangen : Le Sieur de Hertefeld , ni Senateur , ni Comte , ni Chevalier , ni Grand Croix , a vu avec douleur etc. « » Eine Geschichte , die hier viel Aufsehen macht , ist folgende . Du weißt , daß die Kosaken den westfälischen Gesandten , Herrn von Linden , aufgefangen und unter den Papieren desselben eine bedenkliche politische Korrespondenz der Töchter des Ministers von der Goltz mit eben diesem von Linden gefunden haben . Die Gräfin von Lüttichau ( so heißt glaub ' ich eine der Töchter ) soll die schuldigste sein . Der Linden ist hier als ein äußerst schlechter Mensch bekannt , als ein Spieler , der das Falschspielen verstand . Und der böse Geist muß unser einen plagen , mit solchem Manne in Verbindung zu stehen ! « » Es heißt , Graf H ... sei noch auf seinem Gute bei Magdeburg . Böse Zungen ergänzen , er sei dorthin gegangen , um seine Tochter an einen Franzosen zu verheiraten , der längere Zeit auf seinem Gute in Quartier gelegen hat . Ich mocht ' es anfänglich nicht glauben , obgleich in der Tat nichts verloren wäre , wenn diese Stärke , durch diesen Zwischenfall veranlaßt , ganz nach Paris verzöge . « » J ... tz gibt sich ein Ridikül durch seine Forstbereisungen . In der Neumark ist er ( ebenso wie hier ) durch die großen Forsten rekte hindurch gefahren und hat eigentlich nichts gesehen . Ein vernünftiger Mann aus der dortigen Gegend schrieb mir : › Herr von J. geniert sich nicht 3000 Taler Gehalt zu nehmen , um im Galopp durch die Wälder zu fahren , mit Pferden , die er nicht bezahlt . ‹ Schon in Ostpreußen lachten sie ihn wegen seiner Domänen-Bereisungen aus , die auch im Galopp geschahen . « » Alles was von Untersuchungen gegen einzelne Minister gefabelt wird , ist nicht wahr . Der Hofmarschall interessiert in der ganzen Angelegenheit am meisten und hängt in eigentümlicher Weise mit