die Welt zu mehren ... An Anfechtungen durch die Geistlichen und Behörden fehlte es nicht ... Seine Anspruchslosigkeit und der Schutz der Gräfin bewahrte ihn vor größern Unbilden ... Bis dann freilich die Jesuiten immer mächtiger und mächtiger wurden und die Eifersucht der Dominicaner reizten ... Hof und Cabinet von Turin kamen in die Hände der Jesuiten ... Nun begannen Verfolgungen , Einkerkerungen ... Bald nach Fefelotti ' s Erscheinen verschwand plötzlich der inzwischen zum Greise gewordene gütige und allgeliebte Waldbewohner ... Eines Morgens fand man seine Siedelei leer ; seine Ziege hatte noch ihr Futter für einige Tage , ebenso sein Hund , der angebunden war ... Als er losgeschnitten wurde , rannte er schnurstracks nach Coni bis in das dortige erzbischöfliche Ordinariat , wo die übrigen Gefangenen saßen ... Dort wurde er festgehalten und eingesperrt ... Als man ihn eines Tags losgerissen fand , behauptete man , ihn in Robillante gesehen zu haben und zwar , wie die Gräfin Benno versicherte , mit eingeklemmtem Schweif , herabhängenden Ohren , trauernd hinter einer düstern und verschlossenen Kutsche herlaufen , die von zwei Gensdarmen begleitet wurde ... Die Kutsche kam aus dem Officium der Dominicaner zu San-Onofrio und fuhr der großen Straße gen Osten zu ... Das Thier , sagte sie , hatte die Witterung seines Herrn und konnte ihm in seiner verschlossenen Kutsche nicht beikommen ... Selbst als man später vom Auftauchen Fra Federigo ' s bei Loretto und unter den Räubern der Mark Ancona gehört hatte , ließ sich die Gräfin nicht nehmen , daß jene noch an einigen andern Orten auf ihrer geheimnißvollen Fahrt gesehene Kutsche ihren Freund nach Rom abgeführt hätte - eine Ansicht , die niemand mehr als Bonaventura theilte - er , der sie mit einem Schmerz nachfühlte , dem Benno in Gegenwart der Gräfin nur einen unvollkommenen Ausdruck geben konnte ... Benno ' s Ansicht : Dein Vater erfuhr deine wunderbare Ernennung zum Bischof von Robillante und floh aus eigenem Antrieb vor dir und vor dem möglichen Wiedersehen deiner Mutter und Friedrich ' s von Wittekind ! - ließ Bonaventura in einem Augenblick gelten , im andern trat ihm wieder das Bild der verschlossenen , von Gensdarmen nach Rom geführten Kutsche wie eine Mahnung entgegen , nicht eher zu ruhen und zu rasten bis sein greiser Vater aufgefunden war ... Benno wurde aufs mächtigste von diesen Räthseln ergriffen beim Hinblick auf San-Pietro in Montorio , wo Bruder Hubertus gewohnt hatte ... Er hatte die Mutter in Trastevere gesucht ... Auch in Santa-Cecilia , bei den Benedictinerinnen , fand er sie nicht ... Nun wollte er einen Miethwagen nehmen und nach Monte Pincio zurückfahren ... Da im allerletzten Abendsonnenstrahl leuchtete so schön und verklärt , San-Pietro in Montorio auf ... Wo konnte er sich bessere Kunde vom Bruder Hubertus holen , als dort oder vielleicht - bei Sebastus in Santa-Maria ? ... Letztern zu meiden drängte ihn alles ... Er erstieg den Hügel , auf dem die Paolinischen Wasserleitungen sich sammeln , klopfte an das Kloster , neben einer Kirche , der einst Raphael seine Transfiguration gemalt ... Von den beim Nachtimbiß sitzenden Alcantarinern kam einer an das Sprachgitter und sagte auf Benno ' s Fragen : Wir wissen von dem deutschen Bruder nur , daß man ihn noch in Ascoli sah ... Die Leiden des Bischofs von Macerata sind im Druck erschienen und Ihr werdet sie gelesen haben ... Seine Befreiung ist dem wunderthätigen Marienbild von Macerata beizuschreiben , das eines Tages spurlos verschwand1 ... Das Volk gerieth in Aufregung und beschuldigte das Kapitel von Macerata , das Bild weggeschlossen zu haben , um auf diese Art die Räuber zu zwingen , den Bischof freizulassen ... In der That bemächtigte sich eine solche Unruhe der Gegend , daß die Genossen des Grizzifalcone Angst bekamen und sich herbeiließen , lieber den Bischof auf freien Fuß zu stellen ... Der Heilige hat viel dulden müssen - das Marienbild ist dann wieder erschienen ... Von Bruder Hubertus , der dem Domkapitel jene Hülfe angerathen hat und so ohne alle Mühe den Bischof rettete , ist seither nichts mehr vernommen worden ... Wir wissen , er hat den Grizzifalcone getödtet in einer Nacht , wo wir ganz andere Dinge von ihm erwarteten ... Ein Tollkopf war ' s ... Er auch nur allein konnte sich unter Räuber begeben , deren Hauptmann er getödtet hatte ... Auch von dem Pilger wißt Ihr , der dem Grizzifalcone für seine Bekehrung hat alles lesen und schreiben müssen ? ... Ein Franciscanerbruder sprach vor einigen Tagen bei uns vor und hat ausgesagt , man hätte den Mönch mit dem Todtenkopf und mit ihm zugleich den Pilger jenseit der Grenze in den Abruzzen gesehen ... Auf Benno ' s dringenderes Forschen rief der Pförtner den Guardian ... Dieser kam und versicherte , beide Verschollene wären auch schon lange nicht mehr in den Abruzzen , sondern in Calabrien , wo sie ein Wallfahrer in dem schluchtenreichen Silaswalde wollte gesehen haben ... Im Silaswalde ! ... An der äußersten Grenze Italiens - Auf den meerumbuchteten Landzungen Neapels schon - in den ältesten Hainen der Welt von Eichen-und Kastanienbäumen - ... Immer weiter und weiter rückte die Beruhigung des aufgeregten und selbst so düster bedrohten Freundes in Robillante ... Würde Benno sich freier bewegt haben , er hätte sich an Ort und Stelle begeben , um nach dem geheimnißvollen Pilger zu forschen ... Die Ungewißheit , der Einfall der Gebrüder Bandiera , die Furcht vor Olympia ' s Rache , Bangen vor den Mahnungen Bertinazzi ' s hielten ihn von der Ausführung dieses Vorsatzes ab ... Benno kämpfte mit sich , ob er die Mutter heute aufgeben und nicht lieber sofort zu Bertinazzi gehen sollte , den er erst morgen in erster Frühe hatte besuchen wollen ... Die volle Nacht war hereingebrochen , als Benno von San-Pietro niederstieg ... Die Einsamkeit des Weges beflügelte seinen Schritt ... Schon im zweifelhaften Abendlicht sind die nächste Trümmerhaufen und Gartenmauern Roms unheimlich ... Er wandte sein Auge vom