meldeten sich freilich nicht , leise quillend und unwillkürlich , aber er mußte doch zu Murray sagen : Sie sind ein Priester von der Art , wie wir keine haben ! So wär ' s mir schon recht . Jeder müßte eigentlich seinen eignen ... Hackert stockte ; aber Murray verstand und fuhr rasch fort : Seinen eignen Erlöser finden ... So etwas ! sagte Hackert ; wenigstens Einen , der ihn hinausführte in die Natur und ihn durch Milde bekehrte ! Junger Mann , sagte Murray ... Suchen Sie nur die Einsamkeit , dann ist der Priester immer bei Ihnen . Hackert dachte an den schönen Julitag , wo er zu Tempelheide im Korne unter den blauen Blumen lag und sich an Siegbert anschließen wollte , aber nicht konnte , da es noch viel zu wild in ihm damals tobte ... Indem fesselte Murray eine neue Inschrift . Er zog sein Portefeuille , um sie aufzuschreiben . Indem er es aufschlug , klang etwas auf dem Grabstein , vor dem er stand . Etwas Metallenes war ihm entfallen . Hackert hob es auf . Es war ein halber goldner Ring ... Wie Murray diesen halben goldnen Ring , den ihm Louis Armand nach dem Wiedersehen und dem Erörtern des im Schranke der Jägerwohnung Gefundenen gegeben hatte , von Hackert empfing und wieder in das Portefeuille legen wollte , sah er in dem jungen Manne eine seltsame Bewegung . Was ist Ihnen ? fragte Murray . Unwillkürlich griff Hackert in seine eigne Rocktasche und zeigte mehr wie zu spielendem Zufall die andre von Schlurck empfangene Hälfte eines Ringes . Murray erst scherzend , hielt seine Hälfte an diese , sagte aber nun plötzlich erschreckend , während seine Hand zitterte : Gott ! Sie passen ja ! Hackert , wirklich nicht minder bewegt , blickte in den innern Rand . Wie er die Buchstaben P.v.R. deutlich zusammengefügt erblickte , mußte er sich an einem Kreuze halten , so erschütterte seine schwachen Nerven dies Zusammentreffen ... Und Murray rief mit schon ersterbender Stimme : Was ist Das ? Woher haben Sie die Hälfte dieses Ringes ? Dabei streifte er mit der Hand die Binde zurück , sein Hut entfiel , die Binde entfiel , die Gestalt hob sich ... Ich bin ein Findelkind , sagte Hackert . Wie man mich an der Thür des Waisenhauses dieser Stadt aussetzte , fand sich in dem Korbe , in dem ich schlief , die Hälfte dieses Ringes ... Und Murray sank schon halb auf einen Leichenstein , halb hielt er Hackert ' s Arm , bohrte seine Augen in die des jungen Mannes , hob die Lippen , als wollte er sprechen , wischte die Augen , als wollten sie weinen , lachte , griff nach seiner Stirn , betrachtete den Ring - Paul ? rief er endlich . Nicht Paul ... sagte Hackert ... Gütiger Heiland , nicht Paul Zeck ... stammelte Murray erblassend . Paul Zeck ? Paul Zeck ? ... rief Hackert sich besinnend . Und schon wühlte er in den Papieren seines Portefeuille . Der Schein , den Hackert in jener Nacht Bartuschen abgenommen , zitterte in Murray ' s Händen ... Dann sammelte sich Der aber und sprach , indem er krampfhaft Hackert ' s Hand ergriff : Diesen Ring gab ich einst meiner Schwester Ursula Zeck . Paul Zeck ist nicht ihr Kind ; es ist mein Sohn und der Sohn dieser Frau , deren Name P.v.R. lautete . Es sind jetzt drei Fälle ! Entweder : Paul Zeck ist durch Naturgesetze todt , oder Ursula Zeck hat ihn ermordet , oder sie setzte Paul Zeck am Waisenhause dieser Stadt aus und machte den Ursprung des Kindes kenntlich durch die Hälfte dieses Ringes , die andre wurde bei ihr gefunden ... Hackert blickte bald auf die Ringtheile , bald auf Murray und sagte dann leise : Ihr Sohn ? Sie ? Und ich ? Ja , ich bin ja dieser ausgesetzte , erst im Waisenhause erzogene Findling ... Es war das erste reine Gefühl der gebrochenen Eiseskälte des Herzens , das erste Herzensbeben dieses jungen Mannes , indem er diese Worte sprechen mußte . Murray betrachtete den Sprecher , die Gestalt , die Züge des Antlitzes ... Auch das Haar ging ihm plötzlich wie in Flammen auf ... Ha ! sagte er . Daher ! Daher ! Von jener Nacht ! Lichterlohes Haar ! Du bist ' s ! Bist - mein Sohn ? ... Die Todtengräber überraschten eine Gruppe . Sie wollten das Thor schließen , das auf zwei Schritte in der Nähe war . Unwissentlich hatten der Vater und der Sohn diesen Weg genommen ... Sie halfen Hackerten , der sich bald sammelte , den ohnmächtigen Mann , der seinen Sohn gefunden und seine Freude nicht auszujubeln wagte , an das Thor führen , wo noch Miethwägen hielten ... Die beiden verspäteten Theilnehmer des Leichenzuges fuhren , wie Hackert dem Fiaker zugerufen , nach der Brandgasse Nr. 9 , wo Murray ja noch wohnte ... Die Todtengräber fanden die Scene , die Ausrufungen , die Umarmungen seltsam . An der Stelle , wo alles Das vorfiel , fand sich nichts zur Aufklärung , kein Leichenstein , kein Denkmal , nur ein Blättchen Papier , auf dem mit Bleistift eine der Grabschriften ihres Friedhofes in der Nähe aufgeschrieben stand . Sie lautete : » Den Lebenden ist Nacht . Den Todten bricht , Den Schlummernden ein neuer Morgen an . « Vierzehntes Capitel Wolken Der umsichtige , thätige Oberkommissär Pax saß eines Morgens bald nach dem Begräbniß des Karl Eisold noch im Schlafrock und blätterte in gemischten Papieren . Sieht es bei alten von Frauen verwöhnten Junggesellen ohnehin schon in ihrer Behausung behaglich und mit pedantischer Ordnungsliebe gepflegt aus , so hat ein hochgestellter Diener der öffentlichen Sicherheit vollends Gelegenheit , sich eine comfortable Existenz zu begründen . Herr Pax schlüpfte über Teppiche , lehnte die Arme auf Stickereien , den Rücken an schwellende Kissen , die ihm