zu richten . Er ist mir in diesem Stücke lieber , als solche , die schon in andren Häusern allerlei Grillen aufgefaßt haben . « Und an anderer Stelle : » Mit Greif geht es und ich bin nach wie vor mit ihm zufrieden . Er ist nicht so prätentiös wie sein Vorgänger Wisselink und hat mehr Gutmütigkeit . Auch läuft er nicht so dem Witze nach . « Das war der neu geschaffene Kreis und mit Behagen und Freude konnte er um Weihnachten 1803 an seinen Schwiegersohn schreiben : » Ich habe nun mein Personal in Ordnung . « In der Tat , es ging alles am Schnürchen , und es hätte sich von ungetrübt glücklichen Tagen sprechen lassen , wenn nicht der » Vetter in Häsen « gewesen wäre . Wer aber war dieser Vetter ? Häsen selbst ist Nachbargut und gehörte damals einem nahen , aber stark verschuldeten Anverwandten . Es scheint , daß dieser einen Teil seines Lebens in der Vorstellung zugebracht hatte , früher oder später der Erbe des gesamten Hertefeldschen Besitzes werden zu müssen , aus welcher Vorstellung er sich plötzlich gerissen sah , als dem schon alternden Friedrich Leopold von Hertefeld unerwartet ein Sohn geboren wurde . Den Unmut darüber zu bezwingen , war ihm ( dem Vetter ) nicht gegeben , und als er gleichzeitig seine pekuniären Bedrängnisse wachsen sah , ersann er sich das Märchen , daß der spätgeborene Sohn des alten Liebenberger Freiherrn in Wahrheit ein Enkel desselben und zwar der älteste Sohn Alexandrines von Dankelmann sei . Mit andern Worten also ein untergeschobenes Kind , untergeschoben einzig und allein in der Absicht , ihm , dem Vetter , ein ihm zustehendes Erbe zu entreißen . Ein solches Märchen erzählt und weiterverbreitet zu sehn , war an und für sich schon schlimm genug ; aber der » Häsener « ging weiter und wußte seinem Übelwollen auch praktische Folgen zu geben , indem er Gelder aufnahm , und zwar unter beständigem Hinweis darauf , » daß ihm , aller Machinationen und Intriguen unerachtet , über kurz oder lang das Liebenberger Erbe doch zufallen müsse . « Dies schuf Ärgernis über Ärgernis , auch wohl Sorgen , und bedrohte den alten Herrn genau in den zwei Stücken , in denen er am empfindlichsten war : in seinem Vermögen und seiner Ehre . » Der tolle Mensch von Häsen « , so schreibt er , » ist wieder in voller Bewegung . Unter der Hand wendet er sich nach Münster und Cleve , und versichert , daß er alleiniger Herr meiner Güter sei . Die , an die er schreibt , erkundigen sich bei mir , ob es in des Briefschreibers Kopfe richtig stehe ? Sie wollen aber nicht genannt sein . Sonst hätt ' ich den Narren schon längst beim Kammergericht provoziert . « Und an anderer Stelle : » Der tolle Mensch in Häsen , der seit sieben Monaten in Berlin auf Kredit lebt , fängt wieder an zu rasen . Vor acht Tagen hat er mir einige Bogen voll Unsinn geschrieben , um etwas aus mir herauszulocken , was seine Prozeßlust reizen könnte . Ich hab ' ihm aber kurz , kalt und überhaupt so geantwortet , daß er den Brief keinem Gerichtshofe vorlegen wird . « Äußerungen ähnlicher Art kehren an vielen Stellen wieder , und wenn er schließlich auch dieser unbequemen Stechbremse Herr wurde , so geschah es doch erst , nachdem ihn die Stiche derselben aufs empfindlichste verletzt hatten . Um eben diese Zeit zog auch noch ein neues Ärgernis herauf , und zwar der Prozeß , der gegen die Giftmischerin Geheimerätin Ursinus geführt wurde . Die Hertefelds waren in zurückliegenden Jahren mit dieser Frau bekannt geworden , nicht eigentlich intim , aber doch so , daß der alte Freiherr über sie schreiben konnte : » Wenn Frau Geheimerätin Ursinus zu mir kommt , so soll es mir angenehm sein . Denn obgleich sie sich mit ihrer Geschwätzigkeit ziemlich lächerlich macht , so kenne ich sie doch als eine Frau , bei der das Gute überwiegt . « Und nun war eben diese Frau wegen denkbar schwerster Verbrechen angeklagt . Auch nur in einem alleroberflächlichsten Verkehr mit ihr gestanden zu haben , mußte peinlich empfunden werden , und durch Jahr und Tag hin , ist nun der » Ursinus-Fall « ein immer wiederkehrendes und mit einer gewissen Gêne behandeltes Briefthema . » Die Geschichte mit der Ursinus « , so heißt es im April 1803 , » ist leider so garstig wie nur möglich . Ich weiß jetzt , daß sie schon früher ( in Stendal ) in dem Rufe stand , zu mausen . Der von seiner Vergiftung wiederhergestellte Bediente soll darüber allerlei Kuriosa ausgesagt haben . « Und im Oktober desselben Jahres , » daß die Ursinus auf Lebenszeit eingesteckt wird , wirst Du wissen ... Was dieses garstige Weib , außer dem Erwiesenen , auch noch an andrem abscheulichen Verdachte gegen sich hat , ist kaum zu glauben . « Und dann : » Über der Ursinus Dreistigkeit kann ich mich nicht genug wundern . Wie kann sie es nur wagen , anständige Personen um ihren Besuch zu bitten , alles bloß , um ihnen etwas von ihrer Unschuld vorzuklagen ? Um Versuche zu machen , habe sie das Gift gegeben . So sagt sie . Gut ; aber warum hat sie nicht allerpersönlichst eine Unze Gift genommen ? Das wäre das weitaus Beste gewesen . « Und endlich ( am 16. März 1804 ) : » Die Ursinus war überall und auch bei mir vergessen . Vorgestern hab ' ich mich ihrer wieder erinnern müssen , als ich aus der › Hamburger Zeitung ‹ ihre Abführung nach Glatz sah . Sie hatte , wie Du wissen wirst , appelliert . Das Urteil ist aber einfach bestätigt worden , und sie hat nun ausgespielt . « Das sind die letzten Worte , die sich über diese » cause celèbre « finden . Die Geheimrätin