doppeltem Werte steht . « Aber dies Entlassen des Pächters aus der Pacht war nur eins . Auch in seiner eignen unmittelbaren Umgebung gefiel ihm nicht alles , und er zeigte sich gewillt , auch hier eine Reform eintreten zu lassen . Als erstes Opfer fiel » die Hohendorff « , ein adliges Fräulein , das schon zu Lebzeiten der Frau von Hertefeld dem Hause zugehört und sich namentlich unmittelbar nach dem Tode derselben unentbehrlich zu machen gesucht hatte . Nicht ohne zeitweiligen Erfolg . Aus ihrem weiteren Leben aber erlaubt sich der Schluß , daß sie dabei von ziemlich selbstsüchtigen Motiven geleitet wurde . Der alte Freiherr durchschaute dies und schüttete darüber sein Herz aus . » Ich fühle mich der Hohendorff , wegen ihrer früheren Dienste , wirklich verpflichtet , es bleibt aber dabei , daß es schwer mit ihr zu leben ist . Immer ist sie krank , will es aber nicht wahr haben , und gefällt sich in diesem Heldensinn . « Und an andrer Stelle : » Ich mag nicht geradezu behaupten , daß es ihr an gutem Herzen fehlt , auch weiß sie sich in Gesellschaft gut genug zu benehmen . Aber an allem andren gebricht es ihr , und Einsicht , richtige Menschenbeurteilung und Unterscheidungskraft wird sie nie bekommen . « In der Tat , ihr nervös aufgeregtes , altjüngferlich verschrobenes Wesen , in das sich vielleicht auch stille Hoffnungen mischten ( wenn diese nicht die Wurzel alles Übels waren ) machte schließlich ein längeres Zusammenleben mit ihr unmöglich , und sie wurde zu benachbarten Predigersleuten in Pension getan , aus welcher Abgeschiedenheit sie zehn Jahre später noch einmal erscheint , inzwischen in völlig » hysterisch-pietistische Verrücktheit « verfallen . Es blieb aber nicht bloß bei der Hohendorff , und im Spätsommer 1803 war überhaupt ein aus neuen Elementen bestehender Kreis geschaffen , der nun durch viele Jahre hin ausdauerte . Genauer angesehen , war dieser Kreis ein doppelter , und zwar ein äußerer und ein innerer . Der äußere bestand aus dem Wirtschaftspersonale , dessen in den Briefen immer nur kurz und wie gelegentlich Erwähnung geschieht , während die Gestalten des inneren Zirkels auf jeder Blattseite wiederkehren und zuletzt in aller Leibhaftigkeit vor uns stehen . Es waren dies : Demoiselle Neumann , der alte Tackmann , der junge Reichmann und Herr Hauslehrer Greif . Alle vier erfreuten sich der Auszeichnung , nicht bloß Haus- , sondern auch Tischgenossen zu sein . Ebenso gestaltete sich ihr Einvernehmen untereinander aufs beste . Demoiselle Neumann , die jetzt das Haus regierte , war alles , nur keine Dame , wodurch sie gerade des Vorzuges genoß , nach dem sich der alte Freiherr durch Jahre hin am meisten gesehnt hatte . » Ich habe jetzt eine Demoiselle Neumann engagiert « , so schreibt er an Alexandrine D. , » keine elegante Gouvernante , denn sie weiß nichts von französisch , aber aus einem guten Bürgerhause , sorglich , umsichtig , fleißig . « Und bald darauf : » An die Spitze der Ökonomie habe ich jetzt die Neumann gestellt , die das alles versteht , weil sie vor Jahren schon auf dem Amte Blankenfelde die Wirtschaft gelernt hat und mit anzugreifen weiß . Und auch wirklich mit angreift . Da müssen denn die Mägde folgen . Sitzet aber die Haushälterin auf dem Lehnstuhl , so setzen sich die Mägde auf den Strohsack . « Alles was von Vertrauen aus diesen Zeilen spricht , bestätigte sich , und die Neumann , » treu wie Gold « und von selbstsuchtsloser Ergebenheit , wurd ' in allen Sachen des Hauses und der Familie Beistand und Beraterin . In Ehren dienend , beglückte sie das Haus , dem sie diente , wobei sich ' s freilich auch wieder zeigte , daß ein solches freies und selbstsuchtsloses » für andere da sein « im Laufe der Jahre zur Herrschaft über diese Anderen führt . Alles hatte Respekt vor ihr . Einmal warf eine der jungen Damen ein Stückchen Band aus dem Fenster , und die Neumann , als sie ' s aufgesucht , brachte es mit der Reprimande zurück : » So was wirft man nicht auf die Straße . « Ihr an Ansehen zunächst stand der alte Tackmann , von Profession ein Zuckerbäcker , der in seiner Jugend weite Reisen in überseeische Länder gemacht hatte . Namentlich war er das Entzücken des nun zehnjährigen Karl von Hertefeld , und hatte dabei das Vorrecht , seine wunderbaren Abenteuer bei Tische zum Besten geben zu dürfen . Ob er zu dem alten Freiherrn auch in geschäftlichen Beziehungen stand ( vielleicht als eine Art Kommissionär ) , ist aus den Briefen nicht bestimmt erkennbar . Er lebte meist in Liebenberg , in einem in der » Bibliothek « ihm eingerichteten Zimmer , und ging alljährlich auf kurze Zeit nach Berlin , um daselbst ein Zuckerbrot zu backen , auf dessen Herstellung er sich vorzüglich verstand . An Tackmann schloß sich der junge Reichmann , ein Student , der aus Mangel an Mitteln seine Studien unterbrochen hatte . Derselbe bekleidete das Amt eines Privatsekretärs und war tüchtig und gescheit , aber leider auch melancholischen Temperaments . An allem verzweifelnd , an Vaterland , Leben und sich selbst , erschoß er sich später aus romantisch-mystischen Grübeleien . Eine völlig entgegengesetzte Natur war endlich Herr Hauslehrer Greif . Er nahm nichts schwer und wußte sich in alles zu schicken , am leichtesten in Prinzipien , die den seinigen widersprachen , vorausgesetzt , daß er überhaupt Prinzipien hatte . Jedenfalls indessen war es eben diese seine Nachgiebigkeit gewesen , was ihn dem alten Herrn von Anfang an empfohlen hatte . » Zu meiner Freude « , so schreibt der Letztere , » glaub ' ich jetzt den rechten Mann gefunden zu haben . Und zwar ist dies der Herr Kandidatus Greif , der , weil er noch jung und in keinem andren Hause gewesen ist , mir passend und geneigt erscheint , sich nach meiner Meinung