! Sie beruht nicht auf der Vertheilung der Güter , die nur Mord und Brand erzeugen würde , sie beruht auf dem geänderten Begriffe vom Staat . Dahin arbeitet ! Nicht zur Auflösung , sondern zur neuen Bildung hin ! Gehorchen wollen wir , dienen , uns beherrschen , Das ist das Ziel , das wir nur im Siege des Geistes , nicht dem Siege der Materie finden können . Die rechte Freiheit und die rechte Begrenzung ! Darin liegt Glück , darin die Bürgschaft neuen Friedens . Die Römer wußten , was sie wollten ; die ersten Christen wußten , was sie wollten ; wir wissen noch nicht , was wir wollen . Deshalb entwaffnet die materielle Kraft , die Euern Forderungen gegenüber steht , entwaffnet sie nicht durch die schwache , sogleich besiegte Faust , sondern durch den milden Sonnenschein des Geistes und der Verständigung . Der Sonnenschein blies dem Wanderer den Mantel ab , den der Sturm nicht abblasen konnte . Gebt Ruhe , Friede den Todten ! Scheidet von diesem Grabe mit der Hoffnung auf einen neuen Frühling und werfe Jeder eine Handvoll Erde dem edlen Jünglinge nach , als Zeichen , daß wir Erde werden , wie er und uns versöhnen wollen mit unserm Loose , das uns diese Welt gab als einen Schauplatz der Entsagung und eine dunkle Kammer räthselvoller Hoffnung ! Diese wie ein Strom hervorquellenden Worte verfehlten ihre Wirkung nicht . Einer nach dem Andern trat an die Grube und warf eine Handvoll Erde über den Sarg . Louise und die Kinder schütteten Blumen . Die Frauen vieler Arbeiter umringten die Weinenden und führten sie an das Thor des Friedhofes zurück , wo einer der schönsten Wagen , dem ein zweiter , in welchem Mangold saß , folgte , sie aufnahm . Die verstärkte Thorwache machte Spalier . Die Arbeiter gingen ruhig auseinander . Leidenfrost erhielt den Handschlag Dankmar ' s und jenes kleinen mit dem Offizier der Wache sich unterhaltenden Fremden , in dem Hackert wieder den vornehmen Reisenden erkannte , den er in die Stadt Rom gewiesen hatte . Als der Kirchhof von dem Menschengewühl sich entleerte und nur noch die Todtengräber thätig waren und das Grab zuschütteten , bemerkte Hackert in einiger Entfernung einen einsamen , zurückgebliebenen Wanderer . Es war Murray , der Alte mit der schwarzen Binde . Er sah , daß er die Hände über den Rücken zusammenschlug und von Grab zu Grab trat trotz der Kälte , trotz der schon schneidenden trocknen Winterluft . Er hatte ihn schon vorher im Auge gehabt und nur im Tumult nach der ersten Grabrede verloren . Jetzt schlich er sich ihm nach . Jetzt spornte ihn Neugier und die Eitelkeit , sich das Haus einer Geheimräthin verbindlich zu machen ... Doch immer stand der Alte , wenn er dicht an ihn heran kam , an einer Grabschrift und las sie , was ihm schwer zu werden schien , da er sich nur eines Auges bedienen konnte . Hackert fühlte , daß er über den Tod , über diese Grabschriften mit ihm reden mußte , wenn er ihn ansprechen wollte . Dazu konnte er sich trotz der auch in ihm durch die Grabesscene hervorgerufenen Erschütterung nicht entschließen . Religiöse Empfindungen waren ihm fremd . Murray las unter dem feuchten , modernden Blätterabfall hinschreitend zuweilen die Grabschriften halblaut . Derselbe Mann , den er als zweideutigen Gauner im Gefängnisse besuchen sollte , der ihm als hochfahrend , anmaßend , frech bezeichnet war , sprach , indem er bei einer entblätterten Trauerweide stand und er ihm von ferne zuhörte : » Sanfter Schlaf halte dich umfangen bis zum Tage des Wiedersehens . « Es war eine Grabschrift auf ein junges Mädchen ... Hackert blickte zu Murray hinüber , der weiterging und sprach vor sich hin : Es ist kein Engländer ! Das hör ' ich doch wol schon ... Murray stand vor einem Kreuze und las wieder halblaut : » Seit ich entbehre , glaub ' ich . « Murray stand nachdenklich , überlegte offenbar diese Worte und ging wieder weiter . Hackert vergegenwärtigte sich die Kennzeichen , die ihm die Ludmer genannt hatte . Das Haar ist nicht echt , sagte er sich und las nun selbst die Inschrift , die Murray vor ihm gelesen hatte ... Murray war inzwischen weiter gegangen und flüsterte vor einem andern Denkstein die Inschrift lesend . Hackert bemerkte , daß sich das Haar verschob und unter ihm ein helleres sichtbar wurde . Er ist ' s ! sagte er sich . Indem murmelte Murray vor einem Kreuze von Gußeisen : Anbetung Ihm , der die große Sonne Mit Sonnen und Erden und Monden umgab , Der Geister erschuf , Ihre Seligkeit ordnete , Die Ähren hebt , der dem Tode ruft , Zum Ziele durch Einöden führt und den Wandrer labt , Anbetung Ihm ! Finden Sie nicht , sagte nun Murray , sich selbst zu dem nahegetretenen jungen Manne wendend , der wie er an den Gräbern Interesse zu nehmen schien , finden Sie nicht , daß alle diese Denksteine sich recht an den Tod anklammern wie an den einzigen Enthüller des großen Lebensräthsels ? Es ist doch schlimm damit . Man glaubt erst , wenn man an die Schwelle unsres Daseins tritt und in der Stille , die um einen Sterbenden waltet , es doch so gar sonderbar rascheln und flüstern hört , grade wie Sie immer so hinter mir her raschelten , ohne daß ich Sie sah . Hackert konnte nicht recht antworten . Er bemerkte , während Murray sprach , die Ohrlöcher , von denen ihm die Ludmer gesagt hatte . Sie waren verwachsen , aber unverkennbar . Murray ging ohne die Antwort abzuwarten weiter und sprach , halb lesend , an einem kleinen sehr geschmackvollen Denkmal von Marmor : Ein Kind von drei Jahren ? Der kurze Traum eines Schmetterlings ! Sehen Sie die Idee des Künstlers ! Ein Kind mit einem Schmetterling ! Wie es fürchtet , daß eben