Zimmer wiedersah , die die Teure vor ihrem Heimgange bewohnte , bald aber wurd ' ich meines Schmerzes Herr , und zwar gerade dadurch , daß ich mich , abweichend von dem , was andere wohl in gleicher Lage zu tun pflegen , mit allem umgab , was der teuren Toten einst lieb und wert gewesen . Ich krame täglich in ihrem Schreib- und Nähtisch , in ihren Wäsch- und Kleiderschränken umher , stell ' alle Nippsachen an ihren rechten Platz und sehe vergilbte Blätter und Briefe durch , die mir alte glückliche Zeiten ins Gedächtnis rufen . Und warum all dies nicht ? Warum es vermeiden ? Umgekehrt , es ist mir , als ob mir ein unendlicher Trost daraus erflösse ... Meine Ruhe wiederzufinden , ist mir freilich noch nicht geglückt , aber es ist der Verlust , der mich daran hindert , nicht das Gewissen . Ich habe mir keine Vorwürfe zu machen , und das hält und trägt mich , und wird mir über lang oder kurz auch meine Gesundheit wiedergeben , die , für den Augenblick , beinahe mehr noch durch das lange Kommensehen des Ereignisses , als durch das Ereignis selbst erschüttert worden ist . « Und an anderer Stelle : » Wisse , Kind , es sind Pflichten , die mich halten . Am liebsten aber ruht ' ich mit in der Liebenberger Gruft . « Alle philosophische Betrachtung , in der er vorher so fest zu stehen vermeint hatte , reichte nicht aus , ihm jene Freudigkeit der Seele wiederzugeben , die bis dahin , wie der hervortretendste Zug seiner Natur , so sein eigenstes Glück gewesen war . Und doch vielleicht , daß er diese Freudigkeit sich wiedergewonnen hätte , wenn unser gesamtes öffentliches Leben ein anderes gewesen wäre . Aber der ganze Zuschnitt mißfiel ihm . Es war die Zeit der Üppigkeiten und der Geistererscheinungen , der Rietz und des Rosenkreuzertums , und viele seiner Briefe geben uns wenigstens Andeutungen über den Gegensatz , in dem er innerlich zu Hof und Hauptstadt stand . » Es hat nun wirklich « , so schreibt er am 18. März 1797 , » das kirchliche Aufgebot des Grafen Stolberg-Stolberg und der Gräfin von der Mark ( Tochter der Rietz-Lichtenau ) stattgefunden . An demselben Abende wurde in der Stadtwohnung der Lichtenau Komödie gespielt , und eine Oper kam zur Aufführung . Über das Brautpaar wird inzwischen allerlei gesprochen . Der Graf , dessen Vater vor dem Bankrott steht , erfreut sich keines guten Rufes . Er glaubt aber wohl in der Braut das Huhn mit den goldenen Eiern zu haben , und rechnet natürlich auf die Börse des Königs . Als ein Zeichen für die Stimmung , die gegen die Lichtenau herrscht , mag Dir das dienen , daß in derselben Stunde , wo die Theateraufführung stattfand , in ihrem Charlottenburger Palais ein Einbruch ausgeführt wurde . Diebe , die keine Diebe waren , sperrten den Kastellan ein , und begannen nun ein Werk völliger Zerstörung : Spiegel und Porzellane wurden zerschlagen , Tapisserien und Vorhänge zerrissen , Betten und Überzüge beschmutzt , all das , ohne daß auch nur eine Nadel entwendet worden wäre . Dagegen ließ man Karten zurück , auf denen die heftigsten Beschimpfungen und Schmähworte gegen die Lichtenau standen . Alles offenbar ein Akt der Rache . Die Polizei forscht den Exzedenten nach , ohne sie bis jetzt finden zu können . Aber wehe ihnen , wenn sie gefunden werden . Denn der König ist begreiflicherweise voll Entrüstung über einen Hergang , der sich unmittelbar gegen ihn selber richtet . « Einem ablehnenden Tone derart begegnen wir überall , und so kann es nicht überraschen , daß der Schreiber dieser und ähnlicher Briefe noch einmal an den Rhein zurückging , um gegen alle » Hoflust « gesichert zu sein . In Liebenberg aber ließ er nicht bloß einen Pächter zurück , » der Artigkeit und Devotion mit Wahrnehmung eigener Vorteile geschickt zu verbinden wußte « , sondern räumte die leerstehenden Zimmer auch dem Obersten von Cocceji ( Neffen des Großkanzlers ) ein , einem alten Sonderlinge , der überall , wo die Briefe seiner Erwähnung tun , um seiner enormen Grandezza willen , als » Sa Majesté , le Colonel de Cocceji « vorgestellt zu werden pflegt . * Friedrich Leopold war nun wieder in seiner Cleveschen Heimat , die wenn nichts Besseres , so nahm er an , ihm wenigstens Zurückgezogenheit und Stille bieten sollte . Doch es gestaltete sich anders , und wenn er sich aus der Hoflust heraus und in die Ruhe hinein gesehnt hatte , so mußte er bald wahrnehmen , daß diese Ruhe jenseits des Rheins noch weniger anzutreffen war , als diesseits . In dem französisch gewordenen Lande mehrten sich die Trakasserien und als er eines Tages ein ihm angetragenes Ehrenamt , aus dem sich später ein » Senateur de l ' Empire « entwickelt haben würde , zurückgewiesen hatte , war ihm klar erkennbar , daß seines Bleibens unter den neu-französischen Gewalthabern nicht länger sein könne . Dieses Erkennen war es denn auch , was ihn 1802 nach Liebenberg zurückkehren ließ , und zwar nicht mehr » versuchsweise « , sondern umgekehrt , mit dem von nun an festen Entschluß , ein für allemal auf märkischer Erde bleiben zu wollen . Er richtete sich demgemäß auch ein und intendierte sofort allerhand Reformen , hielt es aber doch für klug , ehe er zu wirklicher Änderung der vorgefundenen Zustände schritt , diese Zustände vorher sorglich zu beobachten . Ein Jahr erschien ihm dazu Zeit genug , nach dessen Ablauf er denn auch wußte , was zu tun sei . Die Wirtschaft erschien ihm altmodisch und vernachlässigt , weshalb er ihre Führung selber übernahm . » Ich habe Schreyer « , so schrieb er an Alexandrine D. , » aus der Pacht entlassen und ihm 9400 Taler für Super-Inventarium und Vorräte gezahlt . Er konnte keinen besseren Zeitpunkt finden , weil alles jetzt in