Symbolen der Freiheit der Natur , Symbolen des allbindenden alles entfesselnden Liebestriebs - wer kann Blüten von Orchideen , Lilien , Nymphäen , Gardenien sehen , ohne an die Mysterien des Lebens erinnert zu werden ... Ein fernes leises Rauschen konnte vom Sturz des Anio kommen - es konnte auch der Sang der Cicaden sein ... Trenta due ! schnarrten die Methusalems der Rucca-Familie beim Spiel ... Der Alte selbst war bei seinem Sohn geblieben und nicht nach Villa Tibur gefahren , wo er überhaupt nur selten verweilte , weil er dort morgens nicht zum Auszanken all seine Arbeiter beisammen hatte ... Aber auch diese genossen abendlich ihren Lebenstraum ... Einige sangen in schmelzenden Tenortönen : » Amore re del mondo ! « ... Andere spielten bei Laternenschimmer die Morra - leidenschaftlich und wild und wie alles in Italien gleich auf Leben und Tod ... Felicissima notte ! ... sprach endlich gegen halb elf Uhr Olympia zu Benno , als sie von des schon halb schlafwandelnden Ercolano Arm entführt wurde ... Es klang wie der letzte Gruß - einer Braut vor dem Hochzeitstage ... Gegen Thiebold konnte sich Benno nicht mehr aussprechen ... Die Lose waren zu ernst , zu furchtbar bestimmend gefallen ... Thiebold sprang dem zum Pavillon Vorauseilenden von der Gesellschaft angeregt und lachend nach ... Benno erzählte , als sie durch den Garten huschten , von Bonaventura ' s Gefahr , von seiner Berufung vor ein geistliches Gericht , vom Stab , der für immer über Paula ' s Seelenleben gebrochen wurde ... Thiebold fand sich aus seinen römischen Verwickelungen mit Schwierigkeit in die eigentliche Aufgabe der Freunde zurück ... Die aus Thiebold ' s Vaterstadt gekommene , an sich wohlwollende , die Anschuldigungen der Frau von Sicking und des Cajetan Rother sogar zurückweisende Anfrage enthielt Stellen , die in deutscher Uebertragung lauteten : 1 » Ist die Person , über welche die Manetisirte gefragt wird , abwesend , so ist dazu eine Haarlocke von deren Haupte vollkommen hinreichend . Sobald die Haarlocke in ihrer Handfläche ruht , sieht sie schlafend und mit geschlossenen Augen , wo diese Person verweilt und was sie thut « ... Eine Haarlocke ! ... sprach Benno ... Schon ergrauten des theuern Freundes Locken ... Und seine eigenen - ? ... Er sah den Aschenbecher Armgart ' s ... Gedachte des Abschieds - des Briefwechsels durch - » ausgetauschtes Blut « ... Thiebold verstand Benno ' s heute so düsteres Leid nur aus Bonaventura ' s Gefahr und vertröstete , übermüdet von den Huldigungen , die seine Galanterie so vielen Contessinen und Principessen dargebracht hatte - und die wiederum auch ihm zu Theil geworden waren , sich entkleidend , mit Olympiens und Ceccone ' s Schutz ... » O so wolle « , übersetzte Benno eine andere Stelle , » eine hohe Curie nach deren Weisheit , zur größern Ehre des Allmächtigen , zur größern Wohlfahrt der Seelen , die unser Heiland so theuer erlöst hat , entscheiden , ob alles das eine göttliche oder nur satanische Einwirkung ist « -2 Benno schleuderte das Papier von sich ... Die Versicherung Thiebold ' s , daß Olympia alle schützen würde , konnte wenig nachhaltenden Trost gewähren ... Thiebold ermunterte zum Ausharren ... Mit größter Spannung sprach er von dem Fest im Braccio Nuovo , auf das er sich nicht nur in der Toilette , sondern auch mit einem Handbuch der Antiquitäten gründlich vorbereiten wollte ... Am folgenden Morgen - wieder ein Brief der Mutter und - unter dem mit verstellter Handschrift geschriebenen Couvert , wieder die kurze Anzeige , daß sich Advocat Clemente Bertinazzi aufs neue nach Signore d ' Asselyno hätte erkundigen lassen ... Benno kleidete sich rasch an , ließ im Stall des Fürsten ein ihm immer zu Gebot gestelltes Roß satteln , verbarg sich vor jedermann , selbst vor Thiebold , und sprengte sofort und in höchster Eile nach Rom . Fußnoten 1 Dieser Anfrage wörtlich entlehnt . 2 Gleichfalls . 9. Unterweges hatte Benno ein Misgeschick mit seinem Pferde ... Er mußte dem Thier , das sich den Fuß verstauchte , mitten auf der Heide , in einer Schäferhütte der Campagna , einige Stunden Ruhe gönnen ... So war es schon spät Nachmittag , fast Abend geworden , als er in Rom ankam ... Er mußte sogleich das kranke Pferd in Palazzo Rucca den Leuten des alten Fürsten übergeben ... Dann eilte er in seine Wohnung ... Sein Zustand war der der Verzweiflung ... Für morgen erwartete ihn die junge Fürstin auf Villa Rucca ... Zu gleicher Zeit mahnten ihn die Freunde der Gebrüder Bandiera ... Nicht umsonst war er in die Kreise der Revolution getreten ... Unsichtbare Geister nicht nur , nicht nur die Stimmen seines Innern , sondern wirkliche Personen , die ihn beobachteten , ihn vielleicht richteten , verlangten eine Entscheidung .... Todt blickte ihn die » Stadt der Städte « an ... Nur Opfer des geistigen Despotismus sah er überall ... Jeder Abbate , der an ihm vorüberhuschte , lächelte ihm wie mit geheimem Hohn ... Die Menschen gingen und kamen so gedankenlos und leer ... Die Trümmer des Alterthums waren ihm mehr denn je nur Gräberstätten - und was war - die lebendige Gegenwart ? Aus Gebetbüchern an den Schaufenstern der Buchläden sprach sie ... Es war fast Abend ... Er fürchtete sich , zur Mutter zu gehen ... Die Scham , eingestehen zu müssen , wie weit er mit Olympien gekommen , hielt ihn zurück ... Aber dennoch , dennoch mußte er nach einer Trennung von mehreren Tagen sie begrüßen , mußte um die auffallenden Mahnungen Bertinazzi ' s nähere Erkundigungen einziehen ... Er nahm ein leichtes Mahl in der Nähe des Corso ... Im Winter besuchte er , um den Kaffee zu trinken , öfters das Café Greco ... Sonst setzte er sich gern zu den deutschen Malern , die im Café Greco hausen ... Aber auch hier war es ihm jetzt nur unheimlich geworden ... Die Monotonie klappernder Dominosteine , das