. Schlurck folgte vernichtet . Er sann darüber nach , wie er bis zu einer Entscheidung über Melanie ' s seltsame Andeutung den Zustand seiner Angelegenheiten verdecken sollte . Zum zweiten Male verdankte er seinem geliebten Kinde einen großen moralischen Sieg über sich selbst ! Vor Hackert hatte er niemals Furcht gehabt ... Hackert schwankte seiner kaum selbst bewußt durch die Straßen . Er war nicht im Stande , zum Profoßhause zurückzukehren . Es war ihm , als sprächen Stimmen mit ihm aus der Luft . Was ihn sonst von ähnlichen bewegten Regungen auf frivole Stimmungen gebracht hatte , verfehlte heute seine Wirkung . Wie malte er sich aus , was er erlebt hatte ! Erst den blutigen Tod , die Trauer , dann ein Verbrechen , erstickt wol nur im ersten Keime , dann Melanie und ihre Geständnisse ! Wie einsam , wie jammervoll sah es in allen diesen Herzen aus ! Zum ersten Male kam es ihm , daß er sich selbst fast ohne Schuld , ohne Reue erschien . Ein junger Lebensmuth konnte sich über Das , was Melanie beklagte , keine Vorwürfe machen . Es rührte ihn , aber es peinigte ihn nicht . So bracht ' er den Tag bis zum Abend hin , wo in den Straßen die Zeitungen ausgeboten wurden , die die Geschichte vom gestern gesprengten Maschinenarbeiterverein erzählten . Am Schloß des Königs standen die kleinen » fliegenden Buchhändler « , unter ihnen trotz der Trauer , trotz ihres häuslichen Leids , Wilhelm und Karoline , die eignen Geschwister des Getödteten . Sie riefen ihres eignen Bruders Tod aus ... Und Hackert kaufte ihnen ihre Blätter ab und hörte , daß sie eigentlich deshalb weinten , weil sie heute zum letzten Mal die Zeitungen auf der Straße verkaufen durften . Und Euer guter armer Bruder Karl ? Darauf sagten sie nichts , als weinend die Worte : In der heutigen Zeitung steht Alles ... Es ist aber die letzte ... Und indem verkauften sie ihr Leid . Daß die Regierung den Straßenverkauf der Zeitungen heute zum letzten Male gestattete , war ihnen fast größerer Kummer ... Hackert wollte bitter werden . Er fand im Menschen Etwas , was vom Uranfange an zum Schlimmen zieht . Er sagte sich , daß die Lage , in der wir uns der Materie gegenüber befinden , unsre Tugenden und unsre Laster bedinge . Der Mann mit dem rothen Barte ! spottete er . O ! O , Louise ! So leicht bizarre Äußerungen bei Hackert den Übergang zu seinem genußsüchtigen , gedankenlosen Leichtsinn bezeichneten , heute verlockten sie ihn nicht recht . Er ergab sich nur der Verachtung aller Lebensverhältnisse und beschloß , am Montag zu Assessor Müller zu gehen und ihn zum letzten Male , da Madame Ludmer ihm wiederholt geschrieben hatte , um Einlaß bei Murray zu bitten . Wie er am Montage in der Frühe an das Profoßhaus kam , ging eben eine Gruppe von Menschen aus dem Hause tretend an ihm vorüber . Die Menschen schienen ihm bekannt . Der , welcher ihm am meisten auffiel , war Murray selbst ; er erkannte ihn an der schwarzen Binde . Die Übrigen waren Dankmar Wildungen , der von Melanie so Heißgeliebte ; jener wunderliche , verwachsene Fremde , den er in die Stadt hatte einfahren sehen und ein ihm Unbekannter , wir kennen ihn , Louis Armand . Louis hatte den gebückten , lächelnden Gefangenen unter ' m Arme gefaßt und führte ihn wie im Triumph . Auch Otto von Dystra schien den Befreiten wie einen längst Bekannten zu begrüßen und Dankmar betrachtete ihn so forschend , daß er Hackerten übersah , obgleich dieser dicht an ihm stehen blieb und verwundert den Vieren nachsah . Am Portal des Profoßhauses erführ er , daß man auf eine persönliche Bürgschaft jenes Herrn im Schnurrock und die Niederlegung einer großen Summe eingewilligt hätte , Murray während seiner Untersuchung , die sich ohnehin schon zu seinen Gunsten gewandt hätte , auf freien Fuß zu stellen ... Zu spät gekommen ! sagte er und gedachte des üblen Eindrucks , den er mit diesem so gescheiterten Auftrage bei der Verwandten seines Vorgesetzten Pax machen würde . Diese Entdeckung war ihm nicht gleichgültig ; ja , als er lauernd jenen Vieren folgte und Murray ' s Ruhe , die Freundschaft und Zuvorkommenheit jener Ehrenmänner für den Verdächtigen beobachtete , witterte er schnuppernd die Fährte neuer Lügen und Laster . Doch zu nahe wagte er sich den ruhig Dahinschreitenden nicht . Es war ihm , als könnte sich Dankmar wenden und ihm ein Wort zurufen wie einst auf dem Hohenberg . Wenn er dich einen elenden Spion hieße , was könntest du erwidern ? Die Möglichkeit mehrte doch seine Pein . Louisen ' s Jammer an der Leiche ihres Bruders , die sittliche Gefahr des Justizraths , Melanie ' s Thränen hatten sein Inneres nicht erweicht , aber ein wenig erhellt . Er wurde Andern ein Licht , wie sollte es in ihm selber dunkel bleiben ! Er sah sich wenigstens wie im Spiegel und war aus der brütenden Ruhe seiner Unmittelbarkeit aufgeschreckt . Da überfiel ihn eine solche Angst , daß er jener Frau , die ihm so viel Vertrauen geschenkt hatte und beunruhigt einmal über das andre in seine Wohnung schickte , ob Herr Hackert nicht sogleich zur Geheimräthin von Harder kommen wollte , keine Anzeige von Murray ' s Freiheit zu machen wagte , ihm aber nachschlich und außerhalb des Gefängnisses , in das ihn die Richter nicht hatten einlassen wollen , sich ihm irgendwie zu nähern suchte . Am Mittwoch früh fand das Begräbniß des Karl Eisold statt unter Umständen , die die ganze Bevölkerung in Bewegung setzten und Veranlassung wurden , daß Hackert den Privatauftrag erhielt , die am Grabe gehaltenen Reden zu überwachen . Die Sicherheitsbehörde hatte keinen feierlichen Leichenzug dulden wollen und deshalb sogleich den Todten auf den neuen Kirchhof schaffen lassen , wo er bis zum Begräbniß im Leichenhause beigesetzt blieb . Die