fragte , ob es nicht möglich wäre , den Freund zu einer nur schriftlichen Vertheidigung zu veranlassen ... Nein ! Nein ! Er soll persönlich kommen ! sagte Olympia ... Er soll seine neuen Würden selbst mit nach Hause tragen ! ... Ein Asselyn ! ... Ein Kampf ? ... Divertimento ! ... Wer sind seine Gegner ? ... Nach einem Augenblick des Nachdenkens sagte sie lachend : Ha , ich besinne mich , die Dominicaner ! ... Wohlan , reisen wir selbst nach Porto d ' Ascoli , um den deutschen Mönch und den Pilger zu suchen ! ... Ich weiß , worauf hier alles ankommt ... Olympia kannte die geheimnißvollen Umstände , unter denen Pasqualetto nach Rom gekommen war ... Sie kannte das Interesse , das ihr Schwiegervater an jenem Vermittler dieses Wagnisses , an dem Pilger von Loretto hatte ... Sie kannte die Botschaft , die der deutsche Mönch Hubertus übernommen ; kannte die mannichfachen Deutungen , die man jetzt dem spurlosen Verschwinden sowol des Suchenden als des zu Findenden geben wollte ... Mein Oheim soll alle seine Zweifel lösen ! fuhr die Fürstin fort ... Noch ist , denk ' ich , Cardinal Ceccone , was er war ... Man sagt , eine Revolution ist im Anzuge ... Nun wohl ! Sie wird mit dem Schaffot endigen ! Wer will uns hindern , die Gesetze zu handhaben ! ... Ich danke Ihnen , Signora , für Ihre Theilnahme zum Besten der Asselyns ... Niemand soll diesem Heiligsten der Priester , der unter meinem Schutze steht , ein Haar krümmen ... Nicht das erste mal , daß ich von den Fußzehen des Heiligen Vaters nicht früher aufgestanden bin , bis ich nicht die Gewährung meiner Bitten erhielt - und - die Zahl der Knienden nach mir war - nicht klein ... Das alles , mit dem Ton des größten Uebermuthes gesprochen , klang wie beruhigende Musik ... Lucinde fühlte ganz die Erquickung , die diese Worte gaben ... Auch Benno stellte sich , sie zu fühlen ... Olympia weidete sich an den Wirkungen ihrer Macht ... Schon war inzwischen der nachgebliebene Rest der Gesellschaft sichtbar geworden ... Graf Sarzana kam fast schmollend auf Lucinde zu und erklärte , sie überall gesucht zu haben ... Er bot ihr den Arm und entführte sie fast wie mit Eifersucht ... Thiebold bildete den Mittelpunkt der Lustwandelnden ... Er war in einem nationalökonomischen Streit mit dem alten Rucca begriffen und zeigte sich nicht im mindesten befangen , als » Marchese « seine Kenntnisse der Holzcultur zu verrathen ... Sah er doch auch nach allen Seiten hin diesen römischen Adel mit Speculationen beschäftigt ... Einige der nähern Verwandten Ercolano ' s , die die Nacht über auf Villa Torresani bleiben wollten , glichen vollkommen den Zickeles und den Fulds ... An ein ungestörtes Alleinsein für den Ablauf des Tags mit Olympien war für Benno glücklicherweise nicht mehr zu denken ... Der unheimliche , Benno zuweilen mit zweideutigem Blick fixirende Sarzana war zwar mit Lucinden auf Villa Tibur gefahren , andere fuhren nach Rom , die Nachbarn zerstreuten sich in ihre Villen , aber genug blieben zurück , die Olympien in Anspruch nahmen ... Genug , die auch unbefangen darüber plaudern konnten , daß Donna Lucinda und Graf Sarzana sicher in kurzer Zeit durch das Band der Ehe verknüpft sein würden ... Schon im Herbst würden sie das kleine Palais bei Piazza Sciarra beziehen , hieß es ... Olympia hörte wenig darauf - Sie ließ allen ihr Glück ; hatte sie doch ihr eigenes ... Jeder Blick aus ihren Augen verwies auf die elfte Stunde nach - noch zwei Sonnenuntergängen ... Für Benno - die ausgelöschten Fackeln seines Lebens , denen eine ewige Nacht folgen mußte ... Einen Punkt in sich zu wissen , wo es nicht hell und rein im Gemüth ist , wird dem edeln Sinn zum tiefsten Schmerz ... Jeder unbelauschte Gedanke fällt dann in ein Grübeln zurück : Wie kannst du diesen Flecken von dir tilgen ! Wie kannst du Ruhe und Zufriedenheit mit dir selbst gewinnen ! ... Jünglinge , Männer können zuweilen in die Lage kommen , an Frauen Empfindungen zu verströmen , die nur formelle Erwiderungen ohne wahre Betheiligung des Herzens sind ... Irgendeine Schonung fremder Schwäche galt es da , irgendein mildes Entgegenkommen gegen einen Wahn , der sich so schnell , wie wol die Wahrheitsliebe mochte , nicht im verirrten Frauengemüth heilen ließ ... Verstrickt dann zu sein in die Folgen solcher Unwahrheit , die sich das Herz , um seiner thörichten Schwäche willen , vorwerfen muß , leiden zu müssen um etwas , was man so gar nicht empfunden , so gar nicht gewollt hatte , das sind Qualen der Seele , die an ihr brennen können wie das Kleid des Nessus ... Nach dieser Scene in den dunkeln Gängen der Villa Hadriani saß Benno am Whisttisch bei den geöffneten Fenstern des schönen Gesellschaftssaals der Villa Torresani ... Da gab es einen Seitenflügel , dessen Zimmer ganz zur nächtlichen Herberge der Verwandten und Gäste bestimmt waren ... So saß im Saal bis zur neunten , zehnten Stunde noch eine große Gesellschaft beisammen ... Die milden Düfte der Orangenbäume zogen in die Fenster ein ... Phalänen mit durchsichtigen Flügeln schwirrten um die Glasglocken zweier hoher bronzener Lampen , die , aus dem Boden zwischen den Säulen sich erhebend , hier einen Atlas vorstellten , der die Weltkugel trägt , dort eine schwebende Eos , die zwei Leuchtgläser auf ihren Fingerspitzen balancirt ... Auf schwellenden Ottomanen rings an den Wänden des Saals entlang streckten sich die ermüdeten Schönen , die halbschlafend sich keinen Zwang mehr anlegten ... Andere schlürften Sorbet und wehten sich mit ihren Fächern Kühlung , hingegossen an den offenen Fenstern auf niedrigen Sesseln , die kaum einen Fuß hoch über dem Marmorboden sich erhoben ... Weich und lind zog die Nachtluft herein ... Bis in die Fenster wuchsen die üppigen Beete ausgewählter Pflanzen mit ihren seltsam gestalteten Blütenkelchen , an sich schon