blitzte in Benno ' s Augen ... Er küßte den Arm um dieses goldenen Glanzes willen , der wie ein Zauber auf ihn wirkte ... Seine Knie wankten ... Erst jetzt war er in gleicher Höhe mit ihr ... Er verlor die Besinnung ... Olympia war es , die sein glühendes Antlitz mit Küssen bedeckte ... Sie nannte ihn Verräther ! Treuloser ! Geliebter ! ... Sie versicherte , ihn nicht mehr lassen zu können , ihn bis in den Tod lieben zu müssen - ... Benno ! sagte sie dann , fast die Buchstaben zählend , und nichts mehr anderes sprach sie ... Aber dennoch will das Glück seinen vollen Ausdruck haben ... Diese Statuen , die hier einst standen , rief sie endlich , kann ich nicht mehr anrufen , Zeugen unserer Liebe und Hörer unserer Schwüre zu sein ... Vernimm , mein Freund ! Im Braccio Nuovo bin ich auf dem Fest des Heiligen Vaters ! Ich bin nur allein dort ! Nur bis elf Uhr darf im Vatican der Fuß eines Weibes verweilen ! Die Männer werden sich so zeitig nicht von dem Bacchanal Sr. Heiligkeit trennen wollen ! Geliebter , mein Auge sieht dich auf dem Fest in allem , was die Statuen Schönes bieten ... Antinous , Apollo bist nur du ... Das genügt - gehe du selbst nicht auf dies Fest ! ... Sei aber um die elfte Stunde an Villa Rucca , wo ich - übernachten will ... Dort , an der Stelle , wo Pasqualetto Lucinden und die Herzogin entführen wollte , ist ein leicht zu gewinnender Eingang in die Villa ... Ersteige die Mauer ! ... Du kennst die Stelle an der Veranda ... Dorthin begeb ' ich mich , wenn ich vom Fest zurückgekommen bin ... Ich werde vorschützen , im Garten noch frische Luft schöpfen zu wollen und find ' ich dann dich - so bleibst du in meinen Armen - ... Schwöre mir ' s , daß du kommst ! ... Zwei Nächte noch - Schwöre ! ... So lag einst Armgart an Benno ' s Brust - Sie » das Vögelchen « in seiner Hand , wie er sie damals genannt ... Die Genien senkten die Fackeln ... Keine Störung , keine Hülfe ... Feuer loderte durch Benno ' s Adern ; die Berührung hatte die Glieder seines Körpers mit elektrischen Strömen erfüllt ... Auf der Lippe brannte ihm der Ausruf : Ich komme ! ... Nur ihre Lippen hinderten ihn , ihn wirklich auszusprechen ... Da zuckte sie aber plötzlich selbst auf ... Diesmal war es nicht der sickernde Tropfenfall am moosbewachsenen Gestein , es war der Fuß eines eilend Daherschreitenden ... Ich komme ! war noch nicht gesprochen ... Die Fürstin nahm sein Ja ! aus seinen Augen , von seinen Lippen ... Die Störung verdroß sie nicht mehr ... Das junge Paar fuhr auseinander und gab sich die Miene , als wär ' es hier nur aufgehalten worden von einer gleichgültigen Absicht ... Benno ließ die Fürstin frei , trat seitwärts , suchte etwas Blinkendes unter den Steintrümmern an der Bogenlichtung des Gemäuers ... Die Fürstin that , als wartete sie nur auf ihn , um weiter vorwärts zu schreiten ... Der Zeuge , der sie überraschte , war Lucinde ... Da ihr Antlitz glühte , so war sie rasch gegangen ... Als sie sah , daß sie das Paar zu stören fürchten mußte , kam sie wie auf einer harmlosen Promenade und that , als suchte auch sie nur , selbst eine Verirrte , auf diesem Weg zur übrigen Gesellschaft zurückzukommen ... ... Sie leuchtete im festlichen Glanz ... Ein leichter Sommerhut mit kleinen Federn schwebte lose auf ihrem gescheitelten Haar ... Ueber dem hellfarbigen seidenen Kleid trug sie einen großen breitgewebten Shwal von phantastisch bunten , grünen , rothen und gelben Querstreifen ... Indem sie scheinbar ruhig die Hände übereinander legte , schlugen die beiden Flügel dieses Shawls zusammen und machten den Eindruck einer Erscheinung aus der Zigeuner- oder Zauberwelt ... Sie wollte Olympien nicht erzürnen , vermied auch die leiseste Spur eines Lächelns und sagte nur athemlos : Ich suchte Sie , Herr von Asselyn ... Ich bekam eben vom Cardinal , der sich empfohlen hat , Mittheilungen , die nicht gut sind - ... Worüber ? fragte Olympia ohne allen Verdruß ... Sie bot Benno den Arm , um weiter zu wandeln ... In der Ferne hörte man die Annäherung der Gesellschaft ... Lucinde beherrschte ihre Erregung ... Konnte sie doch diesen Augenblick der Leidenschaft Olympiens für Benno zu irgendeinem Vortheil benutzen ... Ich höre , sagte sie , daß die Gefahren Ihres Vetters , des Bischofs , immer drohender heraufziehen ... In der That ist er förmlich nach Rom beordert und befohlen worden ... Was kann ihm geschehen ? fragte Olympia , sich an Benno ' s Arm pressend ... Benno wiederholte , wie mit Beschämung : Der Bischof von Robillante ist nach Rom beordert worden ? ... Ich kann nicht sagen , fuhr Lucinde fort , ob wegen Prüfung des Magnetismus von der Pönitentiarie oder wegen der Dominicaner und seiner Vorwürfe gegen die Gerechtsame der Inquisition ... Der Bischof von Robillante ? sagte Olympia leicht und obenhin ... Was thut das ihm und uns ! ... Tod seinen Feinden ! ... Fefelotti soll ihm sein eigenes Erzbisthum abtreten müssen ! ... Das will ich ! Ich ! Ich ! Der Hut des Cardinals soll ihn für jede Kränkung entschädigen ... Das will ich ! Ich schütze ihn - und seine Freunde ... Sie blickte voll Zärtlichkeit auf Benno ... Lucinde hielt ein Papier in Händen , das sie halb in ihrer Brust verborgen getragen und zaghaft halb hervorgezogen hatte ... Es war ein in lateinischer Sprache gedruckter kleiner Zettel ... Die an alle Cardinäle vertheilte Anfrage des Domkapitels von Witoborn über den Magnetismus ! erklärte Lucinde , als Olympia dies Papier ihr abgenommen hatte ... Benno nahm das Blatt , versprach , es Bonaventura zu senden und