Schwelle des Gemaches . Mit langsamen Schritten zurückkommend , blieb er in der Mitte der Halle stehen : » Dieser Mensch ist mir zu nahe getreten « , sprach er zu sich . » Er darf nicht leben bleiben . « Dreizehntes Kapitel Dreizehntes Kapitel Der Wald rötete sich an den Halden und die geleerten Fruchtbäume verstreuten leise ihre goldenen Blätter , als in den letzten sonnigen Tagen der hart entbehrte Beichtiger der Frauen von Cazis nach langem Fernsein aus Malland wieder ins Domleschg zurückkehrte . Pater Pancraz hatte die Herstellung seines Klosters in Almens , für die er sich bei den Vertragsverhandlungen in Malland verwendete , nicht erlangt ; aber er brachte andere wundersame und hocherfreuliche Nachrichten . Schon am Abende nach seiner Ankunft begab er sich nach Riedberg und begehrte eine Unterredung mit dem Fräulein , dem er mit freudeglänzenden Augen erzählte , Seine Exzellenz der Herr General Jenatsch , der frühere Todfeind ihrer gut katholischen Familie , sei vor einem Monate , nachdem er die Generalbeichte seiner Sünden abgelegt und vollständige Absolution erhalten , in den mütterlichen Schoß der alleinseligmachenden Kirche zurückgekehrt . Bei diesem Berichte schaute er das Fräulein triumphierend an . Er schien ihr Schicksal mit diesem erfreulichen Ereignisse in Zusammenhang zu bringen und anzunehmen , mit allen übrigen Freveln und Sünden sei durch diesen großen Akt der Buße auch der Tod ihres Vaters vom Gewissen des Mörders abgewaschen und vor Gott und Menschen gesühnt . Sie aber erbleichte , und als er einer Antwort der Schweigenden mit schlauen erwartungsvollen Blicken entgegensah , sagte sie endlich , sich fassend : » Das ist ein so unerhörtes Wunder der göttlichen Gnade , daß ich ihr dafür nur auf eine Weise meinen Dank zu bezeugen weiß – wenn ich bei den Frauen in Cazis den Schleier nehme . « – Eine Antwort , welche die langgeschulte Menschenkenntnis des Paters zuschanden machte . Er hatte es sich leichter gedacht , das , wie er wohl wußte , seit Jahren an Jenatsch hangende Gemüt Lucretias von einer alten Rachepflicht zu befreien , die dem praktischen Manne , wenn er sie auch nicht gerade verwarf und der ehrwürdigen Landessitte gemäß achtete , doch , besonders in diesem Falle , mit der christlichen Liebe und weltlichen Klugheit unvereinbar erschien . Lucretia war über die Mitteilung des Paters erschrocken . Daß es Jenatsch mit der Abschwörung seines protestantischen Glaubens ein Ernst sei , das , wußte sie , war unmöglich . Es kam ihr vor , als habe er damit seine erste , innerste Überzeugung verleugnet , als sei er sich nun ganz untreu geworden und habe sein Selbst vernichtet . Und was hatte ihn dazu vermocht ? Konnte er diese unlautere Tat mit seiner Liebe zu Bünden entschuldigen und wie seine Untreue an Herzog Rohan als eine Notwendigkeit seines Schicksals darstellen ? Was immer ihn dazu getrieben , es konnten nur Rücksichten und Berechnungen sein , denen der Jürg von ehedem unzugänglich gewesen wäre . Immerhin war eine Schranke zwischen ihm und ihr , deren sich ihr schwaches Herz zuletzt noch getröstet hatte , damit gefallen . Hoher Schnee bedeckte das stille Tal und lastete auf Dach und Turm des Schlosses Riedberg . Da verlautete gegen Ende Jänner , der feste Friede mit Spanien – Österreich , der Bündens alte Grenzen und Freiheiten herstelle , sei endlich abgeschlossen , dank der alles berechnenden Klugheit und eisernen Beharrlichkeit des größten Mannes , den das Land je besessen , Jürg Jenatsch habe das Bündnis im Spätsommer mit dem Herzog Serbelloni in Mailand beraten und die Ratifikation der Höfe von Wien und Madrid sei zögernd , aber noch vor Jahresende dort eingetroffen . Es wurde bekanntgemacht , Bündens Gesandter werde in den nächsten Wochen in Chur einziehen und das mit den Bändern und Riegeln vorsichtiger Klauseln gegen jede Anfechtung gewahrte und mit den kaiserlichen und königlichen Unterschriften und Sigillen bekräftigte Dokument in feierlicher Sitzung den Räten von Bünden überreichen . In den ersten Tagen des Februar war Tauwetter eingetreten . Der Föhn brauste durch die Schluchten der Via mala und stöhnte und pfiff um die alten Mauern von Riedberg . Die Luft war lau , als wollte der Frühling vorzeitig ins Land brechen , aber schwer drohende Wolken bedeckten den Himmel und unheimlich klang in der Nacht das Rieseln des schmelzenden Schnees und das Brausen der übermächtigen , durch das sternlose Dunkel eilenden Bäche . Lucretia stand am Fenster und ihr Blick bemühte sich , die Nebel zu durchdringen , die längs der Falten des Heinzenberges krochen und über das jenseitige Rheinufer und die Heerstraße wie graue Schleier herabhingen . Es bewegte sich darin ein langer , unterbrochener Zug , und ferner verwirrter Lärm drang in einzelnen Tönen zu ihr herüber . Sprengende Reitergruppen ließen sich erraten und leises Schellengeklingel der Lasttiere wurde vom Winde herübergeweht . Das konnte nur der als Überbringer der Friedensurkunde nach Chur ziehende Jenatsch sein ! Doch immer und immer bewegte es sich von neuem in den Nebeln und jetzt schien ein Teil des zurückgebliebenen Trosses , da wo die Straße nach Riedberg sich abzweigt , vom Zuge sich zu trennen und die Richtung nach dem Schlosse einzuschlagen . Sollte er es wagen , Lucretia auf seinen Triumphzug , der Welt zum Schauspiel , abholen , sie mitführen zu wollen als seine schwierigste Beute ! Doch nein – er war voraus . Sie hatte durch eine Lücke der Nebelwolken seinen glänzend geschirrten Rappen vorüberblitzen sehn , und ihr war vorgekommen , das Tanzen des Pferdes und eine Handbewegung des Reiters könnte einen Gruß für sie bedeuten . Der Nebelstaub verwandelte sich unterdessen in Regen ; die Pferde auf der Riedbergerstraße aber tauchten jetzt bei einer Wendung ganz nahe zwischen den feuchten Wiesen auf . Es war des Fräuleins Vetter Rudolf , diesmal mit einem für seine bedrängten Umstände zahlreichen Geleite berittener Knechte , der sein Gastrecht im festen Hause seines Oheims geltend machte . Die meisten seiner Leute zeigten ein verdächtiges und unsauberes Aussehen . Er mochte sie ,