, und doch bist du mir das Liebste auf der Welt ! Den Stachel , den mir die Deinen in die Seele gedrückt haben , den konnte eben selbst deine Hingabe nicht entfernen ! Was konnte ich dir auch bieten ? Was bin ich in der Welt , was habe ich geleistet ? Nichts ! Ich bin der Rechnungsführer eines Fremden , und in dieser Stellung vegetierst du neben mir . Das ist nun einmal so . Wir können es nicht mehr ändern . Aber an unser Kind soll mir keiner rühren ! Du meinst : wenn er sie heiratete ? Nun , für ein Glück möchte ich auch das nicht erachten , sie würde ja auch dann unglücklich , weil man ihr in ihrem neuen Kreise nie vergeben würde , daß ihr Vater ein untergeordneter Mensch ist , den der hochgeborene Graf Illerode , dein Bruder , einst mit Schimpf aus seinem Hause jagte – – nein , laß mich ausreden , es muß sein , daß ich dich an diese fürchterlichste Stunde meines Lebens erinnere , Ilse , damit du meine Weigerung würdigst , – hochmütig wie dein Bruder – Gott hab ' ihn selig – war , ist ja auch der junge Herr Baron , sind sie alle , diese hochgeborenen Herren . Eine Zeitlang mit solch hübschem kleinen Mädchen spielen und es dann sitzen lassen ! Nein , da sei Gott vor ! Dazu ist mir unsere Tochter zu gut ! So , nun weißt du es ! So sage du es deiner Tochter ! Wendet sie sich trotzdem von uns , nun dann wäre es besser , ich erlebte den Tag nicht mehr . Aber sie wird nicht , Ilse , sie wird ja nicht – ‹ » Das bitterliche Weinen meiner Mutter unterbrach ihn , dazwischen stieß sie abgebrochen die Worte aus : › Ich verstehe dich ja , sprich nicht mehr , ich will , was du willst , Karl . Du sollst nicht noch unglücklicher werden – ich will , wie du willst – . ‹ Sie mochte wohl den Kopf an seine Schulter geschmiegt stehen , von seinen Armen umfangen , und ihr Schluchzen mochte zu gleichen Teilen dem Scheitern ihres stolzen Planes , die Tochter wieder in ihren Kreisen zu wissen , gelten , halb dem Glück , dem Manne ihrer Wahl zeigen zu können , wie sehr sie 284 ihn liebe , ihn verstehe , wie gern sie ihm ein zweites Opfer bringe . » Ich aber erhob mich von dem Stuhl , auf dem ich wie gelähmt gesessen hatte , und schlich hinaus durch die Küche , wo die alte Margarete am Tisch saß , in mein Stübchen , todunglücklich , irre geworden an der ganzen Welt . Da saß ich trostlos die halbe Nacht auf meinem Bett , bis ich endlich in dumpfem Schlaf meinen Kummer vergaß . Mein Vater fand mich so , als er mich wecken kam gegen Morgen . Mutter wäre krank geworden , sagte er mir . Ich fand sie fiebernd und offenbar große Schmerzen leidend ; sie streckte mir die Hand entgegen , als hätte sie mir etwas abzubitten . So saß ich , ihre Rechte in der meinen haltend , neben ihr , bis der Arzt eintraf , nach dem man geschickt hatte . Als er gekommen war und die Untersuchung der Kranken beendet hatte , meinte er , er könnte noch nicht genau bestimmen , was für eine Krankheit im Anznge sei , aber nach allem scheine es ein Typhus werden zu wollen . Und so war es auch . » Ich pflegte meine Mutter und betete für sie . Aber in alle Angst und kindliche Liebe mischte sich die Hoffnung , daß mein Vater ihr , der Todkranken , zuliebe seinen Sinn ändern und nachgeben werde . » Ich sah , wie schwer er litt , aber auf ihre Fieberreden , in denen sie mich beklagte , sagte er kein Wort . » Zehnmal des Tages schlich ich von dem Krankenbett der Mutter fort und zum Fenster hinüber – umsonst , ich sah ihn nicht . Kein Mensch sprach von ihm , und Vater zu fragen , hielten mich Stolz und Trotz ab . » Einmal hörte ich , es war spät Abends , einen kurzen Wortwechsel im Garten . Es schien mir des Barons Stimme zu sein . Bald darauf trat mein Vater mit seltsam erregtem Gesicht in die Krankenstube , setzte sich still ans Bett und sah auf die Kranke mit trüben Augen . » Eine Stunde später fuhr ein Wagen vom Hof , man hörte es deutlich durch die halb geöffneten Fenster . Es war davon die Rede gewesen , daß noch der Arzt aus der Stadt zugezogen werden sollte auf unseres jungen Doktors Wunsch , falls der Zustand sich 285 verschlimmern würde . Erschrocken fragte ich Vater : › Fährt der Wagen in die Stadt zum Arzt ? ‹ » Da antwortete er zögernd und sah an mir vorüber : › Nein , der Baron ist eben abgereist . Wir hatten eine Meinungsverschiedenheit – ich habe ihm gekündigt zum ersten April . ‹ » Ich starrte ihn an , als ob Tod und Leben abhingen für mich von dem , was er noch erläuternd hinzufügen werde . Aber er schwieg und starrte noch ein Weilchen auf die Kranke , dann faßte er meine Hand , drückte sie und ging schwerfällig in die Wohnstube . Und nun wußte ich es , es war keine Hoffnung mehr für meine Liebe , er würde nicht zurückkehren . » Wie unglücklich ich war , brauche ich dir nicht zu schildern , ich meine , du hast dasselbe durchgemacht , – ich habe es dir wohl angesehen und ich habe aufs neue mit dir gelitten , denn ob man seine Liebe auf diese oder jene Weise verliert , ist ja gleichgültig , der Schmerz bleibt derselbe , gutes Kind . – » Wie ich die folgenden Wochen überstand , weiß