. Oberamtsmann und Superintendent im Break zusammen , und die pensionierten Offiziersfamilien im langen Omnibus des Hotels : Mays in einem Landauer . Natürlich fuhr heute die ganze Familie May , da die Tochter die große Solopartie zu singen hatte . – Wo nur Tante blieb , oder vielmehr Tantens Jungfer , die melden sollte , daß die alte Dame bereit sei ? Von dem Jungen und ihrem Manne hatte Toni bereits nach Tische Abschied genommen . Heinz saß nun in seiner Eigenschaft als Bonne wieder irgendwo im Park mit dem Kind . – Nun , wenn es ihm Spaß machte ! Sie seufzte tief und runzelte die Stirn – es war zum Verzweifeln , an diesen Mann gekettet zu sein ! Endlich pochte es , die Jungfer der alten Hofdame trat ein . „ Gnädige Frau lassen bitten , Frau von Kerkow möchten nicht böse sein , aber es sei ihr unmöglich , mitzufahren . Gnädige Frau haben eben einen Ohnmachtsanfall gehabt , wahrscheinlich infolge der Hitze . “ Toni sah plötzlich ganz blaß aus . „ Friedrich soll den Herrn Schloßhauptmann suchen , “ befahl sie dann , „ und sagen Sie meiner Tante , daß ich sehr bedauere , und ich lasse gute Besserung wünschen . Pflegen Sie Ihre Dame gut , ich kann leider nicht mehr persönlich nachsehen . Es hat doch wohl nichts auf sich ? “ „ Nur der alte Gesichtsschmerz , aber stärker , gnädige Frau , “ antwortete das alte Mädchen , mit dem spitzen , ewig griesgrämigen Gesicht . „ Sagen Sie Friedrich nur , er solle sich beeilen der Herr wird in der Nähe des kleinen Pavillons sitzen mit Heini . “ Heinz trat nach wenigen Minuten wirklich ein . Toni stand in der Mitte des Zimmers neben einem zierlichen Tischchen , auf dem sich eine Glasschale mit weißen Rosen befand . Das Dämmerlicht , das durch die halb geschlossenen Jalousien fiel , hatte eine grünlich kalte Färbung , und Heinz , der soeben aus dem strahlenden goldigen Sommersonnenschein kam , war wie geblendet , und das erregte Gesicht seiner in blaßlila Foulard gekleideten Frau entging ihm dadurch . „ Wünschst du noch etwas ? “ fragte er in seiner müden Art. „ Ja , “ sagte sie . „ Du mußt mich begleiten nach Brendenburg , ich bitte dich , beeile deine Toilette , sonst versäumen wir den Anfang des Konzertes . „ Ich muß dich begleiten ? Warum denn ? “ „ Weil ich nicht allein fahren kann mit Lieutenant Grellert . “ „ Hattest du denn beabsichtigt , ihn in deinem Wagen mitzunehmen ? Davon wußte ich nichts ! “ „ Das hast du natürlich wieder vergessen ! “ „ Du warst ja dabei vor ein paar Tagen , als ich ihn aufforderte dazu . Na , kurz und gut , Tante ist krank geworden , und aus diesem Grunde bitte ich dich , daß du mitkommst , das ist doch schrecklich einfach ! “ „ Ich fahre nicht mit , “ sagte er ruhig . „ Wenn es durchaus sein muß , daß du dabei bist , so laß Hedwig bitten , dich zu begleiten ; am richtigsten finde ich aber , du bleibst zu Hause . Heini gefällt mir heute nicht , er fiebert entschieden , und da auch Tante krank ist , wie du sagst , so – – “ „ So werde ich allein mit Grellert fahren “ unterbrach sie Heinz , nahm ihren Sonnenschirm vom Tische sowie ein paar Marschall Niel-Rosen und trat vor einen in der Ecke angebrachten riesigen Spiegel , als prüfte sie noch einmal ihre Toilette . Heinz sah , wie die seidene Schleife , mit der ihr Capothütchen zur Seite des Kinnes geknüpft war , bebte , wie ihre Finger zitterten als sie die Rosen in den Gürtel zu stecken bemüht war . „ Das wirst du nicht ! “ sagte er ruhig . Sie fuhr herum wie von einer Schlange gebissen „ Ich würde nicht – nicht thun dürfen , was ich will ? Du erlaubst dir , mir zu verbieten – – “ „ Ja , ich verbiete dir , in Begleitung des Lieutenants Grellert nach Brendenburg zu fahren . “ Sie lachte kurz auf und ihre Augen funkelten ihn an . „ Solange du noch meine Frau bist , verbiete ich es dir , ich habe nicht Lust , die lächerliche Rolle eines hintergangenen Ehemanns zu spielen . [ 207 ] [ 222 ] [ 223 ] „ Nun , dann leb ’ wohl , Heinz – es ist besser , du bleibst allein , “ sagte sie . Er hielt ihr die Hand hin . „ Sei nicht böse , Hede , mich quält vieles so sehr ! “ „ Wo werd ’ ich dir böse sein , Heinz ! Ich bin auch gar nicht gewöhnt , daß sich meinetwegen jemand geniert in seinen Launen “ , lächelte sie . Er sprang empor und sah erschreckt in ihr Gesicht , und sie blickte ihn an mit den ruhigen grauen Augen , in denen es nun feucht emporquoll . „ Meine arme Hede , “ sagte er und zog sie an sich . „ Mir fehlt gar nichts , Heinz , “ wehrte sie eifrig , „ es geht mir so gut , viel zu gut , Heinz ! “ Er nickte . „ Ja , ja , nichts als ein bissel Sonne – man hat sich ’ s so anders vorgestellt , aber , es ist nichts , darüber zu reden , hast recht ! Komm , Heini , wir begleiten die Tante durch den Park nach Hause ! “ Er erfaßte den Handgriff des Wägelchens und die Geschwister wanderten langsam nebeneinander her durch den einsamen verlassenen Garten . Am Marstallthor trennten sie sich ; Hede ging der Oberförsterei zu , Heinz fuhr seinen kleinen Kranken auf kürzestem Wege zum Schlosse empor . „ Bist du böse , Papa ? “ fragte das Kind